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FX.co ★ WTI: Rekordlagerbestände versus Ultimatum

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Analysen:::2026-02-12T12:59:43

WTI: Rekordlagerbestände versus Ultimatum

WTI: Rekordlagerbestände versus Ultimatum

Der Ölmarkt befindet sich in einer Phase der Konfrontation zwischen zwei gegensätzlichen Kräften. Auf der einen Seite stehen die Preise unter Druck durch den stärksten Anstieg der US?Lagerbestände seit Monaten. Auf der anderen Seite verhindern die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und Iran einen Einbruch, indem sie eine geopolitische Stütze bieten. Infolgedessen notiert WTI derzeit im Bereich von 64,00–66,00 USD, während Anleger darüber diskutieren, welcher Faktor sich letztlich durchsetzen wird.

WTI wurde am Donnerstagmorgen während der europäischen Handelssitzung bei etwa 64,40 USD gehandelt, nachdem der Kurs sich von dem am Mittwoch erreichten, innerhalb des Februars markierten Intraday?Hoch um 64,14 USD leicht zurückgezogen hatte. Der Markt steht nun vor einem Tauziehen: ein massiver Lageraufbau in den USA versus eine geopolitische Risikoprämie, die die Preise stützt.

Angebotsdruck

Die Daten der US Energy Information Administration lassen sich kaum ignorieren: In der Woche bis zum 6. Februar sind die kommerziellen Rohölbestände um 8,53 Millionen Barrel auf 428,8 Millionen Barrel gestiegen. Das war nicht nur ein Anstieg, sondern ein Schock für die Markterwartungen, die mit einem Rückgang um 0,2 Millionen Barrel gerechnet hatten. Zuvor hatte das API sogar einen noch beeindruckenderen Wert gemeldet (+13,4 Millionen Barrel nach ?11,1 Millionen Barrel in der Vorwoche) und damit ein überzeugendes bärisches Signal geliefert.

Der Iran?Faktor als einziger Hemmschuh

Ohne die geopolitischen Risiken würde WTI bereits Niveaus deutlich unter 60,00 USD testen. Stattdessen entwickelt sich die Lage wie eine Art Erpressung auf hohem Niveau. Nach einem Treffen mit dem israelischen Premierminister Netanyahu erklärte Präsident Trump, es seien noch keine „endgültigen Entscheidungen“ getroffen worden, die Gespräche würden jedoch fortgesetzt. Gleichzeitig erwägt das Weiße Haus, einen zweiten Flugzeugträger in den Nahen Osten zu entsenden — ein klassisches Signal für eine mögliche Kriegseskalation.

OPEC+ bleibt abwartend

Der OPEC?Bericht für Februar fiel vorsichtig aus. Die Prognosen für das Nachfragewachstum wurden bei 1,38 mb/d für 2026 und 1,34 mb/d für 2027 belassen. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich jedoch ein beunruhigendes Signal: OPEC+ rechnet nun damit, dass die weltweite Ölnachfrage im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal um 400 kb/d zurückgeht — genug, um einen moderaten, aber spürbaren Angebotsüberschuss zu erzeugen.

Wichtige Entscheidungen wurden auf die Online?Sitzung des Überwachungsausschusses am 1. März vertagt, bei der die Gruppe entscheiden wird, ob die Förderbeschränkungen verlängert werden.

Der US?Arbeitsmarkt stützt die Nachfrage

Bemerkenswert ist, dass der US?Arbeitsmarkt eine unerwartete Widerstandsfähigkeit zeigt: Die Nonfarm Payrolls für Januar stiegen um 130 Tsd. (nach zuvor +48 Tsd.) und lagen damit deutlich über dem Konsens von +70 Tsd., während die Arbeitslosenquote von 4,4 % auf 4,3 % zurückging. Das ist ein indirekter stützender Faktor für die Ölnachfrage und die Preise und begrenzt das Abwärtsrisiko selbst bei steigenden Lagerbeständen.

Anstehende Veröffentlichungen

Marktteilnehmer werden außerdem den wöchentlichen Rig Count Report von Baker Hughes morgen um 18:00 GMT im Blick behalten. Der vorherige Bericht von Baker Hughes zeigte einen Anstieg der aktiven Bohranlagen auf 412 (zuvor 411, 410, 409 usw.). Eine wachsende US?Förderflotte wirkt grundsätzlich bärisch auf die Ölpreise, doch der Effekt ist in der Regel nur von kurzer Dauer. Ein wichtigerer kurzfristiger Treiber dürfte die US?CPI?Veröffentlichung um 13:30 GMT sein, die sowohl den Dollar als auch die Rohstoffmärkte, einschließlich Öl, bewegen kann.

Technisches Bild

WTI: Rekordlagerbestände versus Ultimatum

Technisch betrachtet bewegen sich WTI-Futures (CL auf Trading-Plattformen) weiterhin in einem Aufwärtskanal, der sich seit Jahresbeginn im Tageschart ausgebildet hat, und der mittelfristige Trend bleibt moderat bullisch.

Nur die beiden genannten fundamentalen Kräfte schaffen ein Dilemma: Ein nachhaltiger Ausbruch über 65,00–66,00 USD würde wahrscheinlich eine weitere Eskalation der Iran-Situation und einen deutlichen Rückgang der US-Rohölbestände erfordern. Jede Deeskalation in Verbindung mit anhaltend hohen oder steigenden Beständen würde dagegen umgehend Gewinnmitnahmen auslösen und eine Korrektur in Richtung 60,00 USD (Bereich der 200-EMA im Monatschart)–61,00 USD (Bereich der 50-EMA im Tageschart) nach sich ziehen.

WTI: Rekordlagerbestände versus Ultimatum

Das wahrscheinlichste Szenario für Februar–März – Status quo: WTI hält sich zwischen 62,00 $ und 66,00 $.

Die geopolitische Prämie gleicht das Wachstum der Lagerbestände aus, während OPEC+ flexibel bleibt, bis die Iran-Frage geklärt ist.

Fazit

WTI befindet sich „zwischen Hammer und Amboss“. Die Fundamentaldaten (Lagerbestände, Prognosen von OPEC+) deuten auf einen Überschuss und damit auf Abwärtsdruck hin; die Geopolitik (Iran, Träger-Entsendungen, Trump-Ultimaten) erzeugt ein künstliches Defizit in Form von Angst, das die Preise nach oben treibt.

Wesentliche Erkenntnis: Der Markt handelt derzeit eher die Wahrscheinlichkeit eines Krieges als den physischen Ölmarkt. Solange der Iran-Faktor auf dem Tisch bleibt, ist ein Rückgang unter 60,00 $ selbst bei deutlichen Lageraufbauten unwahrscheinlich. Jede Beruhigung der Rhetorik aus Washington oder Teheran wird sofort die schwache reale Nachfrage und den Überschuss offenlegen.

Anleger sollten sich auf eine Phase erhöhter Volatilität einstellen, in der Entscheidungen ebenso stark in den Lagezentren des Weißen Hauses wie bei OPEC-Treffen getroffen werden. Die nächsten Katalysatoren sind Nachrichten über die Gespräche und jede Ankündigung weiterer Konsultationen. Bis dahin wird WTI an den psychologischen Marken von 64,00, 65,00 und 66,00 „arbeiten“ und auf jeden Trump-Tweet und jede Trägerbewegung im Golf reagieren.

Analyst InstaForex
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