
USDX: Die FOMC-Minutes und die PCE-Daten am Freitag werden entscheiden, ob der Dollar die Unterstützung halten und eine Erholung in Richtung 99,10 starten kann oder ob ein Bruch von 96,90 den Weg für eine neue Schwächephase eröffnet.

Der US-Dollar verzeichnet in der ersten Hälfte der heutigen Sitzung verhaltene Gewinne. Der Dollarindex (USDX), der an einen bullischen Impuls anknüpft, der in der vergangenen Woche eingesetzt hat, testet den Bereich von 97,30 auf einen Ausbruch nach oben, während er versucht, sich wieder dem gestrigen und dem Sechs-Tage-Hoch nahe 97,50 anzunähern.
Nach einer schwierigen Phase mit einem Rückgang von fast 9,5 % im Jahr 2025 (seine schwächste Jahresperformance seit 2017) konsolidiert der USDX in der Nähe der entscheidenden strategischen Unterstützung bei 96,90. Die heutige Situation ist ein Spannungsfeld zwischen neuen Erwartungen an eine Lockerung durch die Fed und technischen Niveaus, die den Kurs des Dollars für die kommenden Monate bestimmen werden.
Zugleich ist klar, dass der Dollar neue Impulse benötigt, um einen Aufwärtstrend aufrechtzuerhalten, und Marktteilnehmer blicken auf neue Makrodatenveröffentlichungen und das Protokoll der FOMC-Sitzung vom Januar (fällig um 19:00 GMT).
Inflation und Arbeitsmarkt Der zentrale Treiber hinter dem Optimismus der Anleger waren die Inflationsdaten vom vergangenen Freitag: Die jährliche Teuerungsrate (CPI) verlangsamte sich von 2,7 % auf 2,4 % – den niedrigsten Stand seit Mai 2025 – und der monatliche CPI ging von 0,3 % auf 0,2 % zurück (bei erwarteten 2,5 % bzw. 0,3 %). Der Kern-CPI sank leicht von 2,6 % auf 2,5 % im Jahresvergleich und stieg um 0,3 % im Monatsvergleich.
Diese Zahlen markieren eine unerwartete Verlangsamung der Inflation, die vor allem durch niedrigere Miet- und Energiekosten getrieben wurde, und die Märkte haben die Wahrscheinlichkeit einer Lockerung durch die Fed entsprechend neu bewertet.

Laut dem CME FedWatch Tool:
- Die Wahrscheinlichkeit, dass der Leitzins auf der Sitzung im März (18. März) im Bereich von 3,50–3,75 % bleibt, liegt heute bei etwa 92,1 % (nach 81 % vor einer Woche).
- Die Wahrscheinlichkeit, dass der erste Zinssenkungsschritt im Juni erfolgt, beträgt rund 52 %.
- Anleger preisen inzwischen zwei oder sogar drei Zinssenkungen im Jahr 2026 ein.
Der Präsident der Chicago Fed, Austan Goolsbee, erklärte, dass es in diesem Jahr mehrere weitere Zinssenkungen geben könnte, falls die Inflation weiter in Richtung des 2 %-Ziels nachlässt. Er betonte jedoch, dass er vor einer Entscheidung 6–8 Monate bestätigender Daten sehen möchte. Nicht alle Fed-Vertreter sind gleichermaßen optimistisch: Gouverneur Michael Barr signalisierte, die Fed werde die Zinsen voraussichtlich „für einige Zeit“ unverändert lassen und wolle anhaltende Hinweise auf eine rückläufige Inflation sehen, bevor über Senkungen nachgedacht werde.
Auf der anderen Seite überraschte der am 11. Februar veröffentlichte Arbeitsmarktbericht für Januar nach oben: Die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft stieg um 130.000 Stellen (stärkster Zuwachs seit über einem Jahr), und die Arbeitslosenquote fiel unerwartet auf 4,3 %. Das stützt das Argument einer robusten Arbeitsmarktlage und erschwert die Erwartungen an unmittelbar bevorstehende Zinssenkungen.
Politischer Faktor: die Nominierung von Kevin Warsh Die Nominierung von Kevin Warsh als Fed-Vorsitzender hat die Erwartungen etwas stabilisiert. Warshs Ruf als ausgewogener Führungspersönlichkeit, die zusätzlichen Anleihekäufen der Fed skeptisch gegenübersteht, dämpfte Befürchtungen über eine übermäßige Lockerung und Gefahren für die Unabhängigkeit der Fed.
Nach der Nominierung ließen die Sorgen vor einem drastischen Einbruch des Dollars nach. Allerdings könnte das Bestätigungsverfahren im Senat wegen Fragen zur Unabhängigkeit der Fed kontrovers verlaufen und so das politische Risiko erhöhen. Die Märkte haben einen Teil der bärischen Dollar-Wetten zurückgenommen, doch Anleger sind weiterhin bereit, für Absicherung gegen starke Ausschläge in beide Richtungen zu zahlen.
Geopolitischer Hintergrund: der Iran-Faktor Geopolitische Spannungen fügen eine weitere Variable hinzu. Iran hat die Straße von Hormus zeitweise für Militärübungen gesperrt, während die Nuklearverhandlungen mit den USA wieder aufgenommen wurden. Das schafft Aufwärtsrisiken für den Ölpreis und stützt die Nachfrage nach dem Dollar als sicherem Hafen. Zugleich haben Berichte, wonach man sich in den Gesprächen auf grundlegende Prinzipien zubewegt, die Dollar-Stärke etwas gebremst.
Ansichten der Analysten: geteilte Einschätzung
- Bullishes Szenario: Aufwertung des Dollars mindestens bis ins 3. Quartal 2026 gegenüber Euro, CAD und GBP, gestützt durch sich verbessernde US-Wachstumsaussichten, anhaltende Auslandsnachfrage nach US‑Aktien und -Anleihen sowie eine weniger aggressive geldpolitische Ausrichtung vor den Midterms. Ein Großteil der negativen Stimmung, so diese Sichtweise, sei bereits eingepreist.
- Bärisches Szenario: Der Dollar schafft keinen nachhaltigen Aufwärtstrend und wird im Jahresverlauf fallen, da die Regierung eine schwächere Währung bevorzugt.
Wichtige anstehende Ereignisse
In dieser Woche richten die Märkte ihren Fokus auf:
- 18. Februar: FOMC-Protokoll – auf der Suche nach Hinweisen zum Zeitpunkt und Umfang möglicher Zinssenkungen.
- 19. Februar: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Handelsbilanz und Reden von Fed-Vertretern.
- 20. Februar (Schlüsseltag): BIP für das 4. Quartal 2025 und der von der Fed bevorzugte Inflationsindikator, die Kernrate des PCE. Eine Abschwächung beim PCE würde die Erwartungen an Zinssenkungen aufrechterhalten.
Technisches Bild

Technisch gesehen balanciert der USDX an der strategischen Unterstützung bei 96,90 (monatliche 200‑EMA). Ein Bruch unter dieses Niveau würde den USDX in einen globalen Bärenmarkt befördern und den Weg für weitere Rückgänge vor dem Hintergrund niedrigerer Inflation, geopolitischer Risiken und möglicher Politikwechsel ebnen. Der Index notiert unter der täglichen und wöchentlichen 200‑EMA, was eine bärische Tendenz bestätigt. Technische Indikatoren signalisieren zudem anhaltenden Verkaufsdruck.

Fazit
Der USDX steht an einem kritischen Wendepunkt. Die Unterstützung bei 96,90 ist die letzte Bastion vor einem breiter angelegten Bärenmarkt. Fundamentaldaten zufolge hat die überraschende Verlangsamung der Inflation den Weg für mögliche Lockerungen der Fed geebnet, doch ein robuster Arbeitsmarkt und vorsichtige Kommentare von Fed-Vertretern (Barr, Goolsbee) bremsen unmittelbares Handeln.
Die Nominierung von Kevin Warsh hat die Erwartungen vorübergehend stabilisiert, doch das Bestätigungsverfahren im Senat könnte neue Risiken mit sich bringen. Die kommenden Tage werden entscheidend sein: Die FOMC-Protokolle und insbesondere der PCE am Freitag werden bestimmen, ob der Dollar seine strategische Unterstützung verteidigen und eine Erholung in Richtung 99,10 einleiten kann – oder ob ein Rückfall unter 96,90 eine neue Schwächephase einläutet. Derzeit rechtfertigt das Zusammenspiel aus technischen und fundamentalen Faktoren Vorsicht, doch das endgültige Urteil wird von den Inflationsdaten und der Marktreaktion darauf abhängen.