
Das Wellenmuster im 4-Stunden-Chart des EUR/USD-Paares hat ein weniger vorteilhaftes Aussehen angenommen, wirft jedoch weiterhin keine Fragen auf. Vom Abbruch des im Januar vergangenen Jahres begonnenen Aufwärtstrends ist nach wie vor keine Rede; lediglich die innere Wellenstruktur wird gelegentlich angepasst. Meiner Ansicht nach hat das Paar die Ausbildung der globalen Welle 4 (unterer Chart) abgeschlossen. Sollte diese Annahme zutreffen, befindet sich derzeit die Welle 5 in der Bildung, die sich deutlich ausdehnen und Ziele bis in den Bereich von 1,25 erreichen könnte.
Die innere Wellenstruktur der vermuteten Welle 5 ist nicht vollständig klar (oberer Chart). Der Aufwärtszyklus der Wellen kann aufgrund recht ausgeprägter Korrekturwellen nicht als impulsiv eingestuft werden. Daher wird er aktuell als a-b-c-d-e interpretiert. Sollte sich Welle 5 verlängern, dürfte auch ihre innere Struktur entsprechend komplex werden. Ich rechne damit, dass das EUR/USD-Paar seine Aufwärtsbewegung wieder aufnimmt, und die korrigierende a-b-c-d-e-Struktur wirkt bereits weitgehend abgeschlossen. Unglücklicherweise könnte sie sich infolge des Konflikts im Nahen Osten weiter ausdehnen.
Das EUR/USD-Paar verlor am Montag lediglich 50 Basispunkte im Vergleich zum Schlussstand der vergangenen Woche. Fünfzig Punkte sind unter den aktuellen Umständen sehr wenig; die europäische Währung kann froh sein, mit relativ geringen Verlusten davongekommen zu sein. Die Energiekrise gewinnt an Dynamik und lastet weiterhin auf der europäischen Währung. Das Problem beschränkt sich leider nicht nur auf Öl oder LNG. Warum reagiert die europäische Währung so empfindlich?
Zunächst ist festzuhalten, dass nicht nur der Euro fällt. So verliert etwa auch das britische Pfund in einem ähnlichen Tempo an Wert. Das bedeutet, dass der Markt in erster Linie nicht die Energiekrise, nicht die wirtschaftliche Abschwächung und auch nicht den Anstieg der Inflation fürchtet. Er fürchtet das Risiko und flieht davor. Die Eurozone ist tatsächlich sehr anfällig für jegliche Veränderungen auf dem Energiemarkt. Allerdings ist der Preis für Brent-Rohöl in der vergangenen Woche real um weniger als 30 US-Dollar gestiegen. Das ist immer noch viel, doch von einer Verdoppelung oder Verdreifachung, die für die europäische Wirtschaft wirklich verheerend wäre, kann noch keine Rede sein.
Öl wird für die Weltmärkte nicht nur von Iran oder anderen Ländern des Nahen Ostens geliefert. Es kann auch aus anderen Teilen der Welt bezogen werden. Der Preis mag höher sein, aber ein höherer Preis ist nicht zwangsläufig ein Todesurteil für eine Volkswirtschaft. Meiner Meinung nach sind Investoren nicht übermäßig besorgt über eine Wachstumsverlangsamung der europäischen Wirtschaft, deren vollständigen Stillstand oder Ähnliches. Vielmehr steigt die US-Währung, weil die Nachfrage nach ihr aufgrund der angespannten geopolitischen Lage im Nahen Osten zunimmt. Wenn diese Annahme zutrifft, kann nur eine weitere Eskalation des Konflikts zu zusätzlichen Dollar-Käufen führen. Leider gibt es bislang noch keine Anzeichen für eine Deeskalation.

Allgemeine Schlussfolgerungen
Auf Grundlage der Analyse von EUR/USD komme ich zu dem Schluss, dass das Paar weiterhin ein aufwärtsgerichtetes Trendsegment ausbildet. Die Politik von Donald Trump und die Geldpolitik der Federal Reserve bleiben entscheidende Faktoren für den langfristigen Rückgang der US-Währung. Die Ziele des aktuellen Trendsegments könnten sich bis in den Bereich von 25 erstrecken. Derzeit gehe ich davon aus, dass sich das Paar weiterhin in der globalen Welle 5 befindet, weshalb ich im ersten Halbjahr 2026 mit weiter steigenden Kursen rechne. Die korrektive a-b-c-d-e-Struktur kann jederzeit abgeschlossen werden, da sie bereits überzeugend aussieht. Meiner Ansicht nach ist es nun sinnvoll, nach Zonen und Niveaus für neue Kaufpositionen zu suchen, mit Kurszielen bei 1,2195 und 1,2367, die den Fibonacci-Niveaus von 161,8 % bzw. 200,0 % entsprechen.
In einem kleineren Zeitrahmen ist das gesamte aufwärtsgerichtete Trendsegment sichtbar. Die Wellenstruktur ist nicht ganz standardmäßig, da die Korrekturwellen unterschiedlich groß sind. So ist zum Beispiel die übergeordnete Welle 2 kleiner als die innere Welle 2 innerhalb der Welle 3. Das kommt jedoch gelegentlich vor. Zur Erinnerung: Es ist besser, auf den Charts klare Strukturen zu identifizieren, als die Analyse starr an jede einzelne Welle zu koppeln. Derzeit lässt die aufwärtsgerichtete Wellenstruktur keine Zweifel aufkommen.
Wesentliche Grundsätze meiner Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und klar sein. Komplexe Strukturen sind schwer zu handeln und ändern sich häufig.
- Wenn keine Klarheit darüber besteht, was am Markt geschieht, ist es besser, nicht einzusteigen.
- Es kann niemals 100%ige Gewissheit über die Bewegungsrichtung geben. Vergessen Sie nicht die Schutzorders Stop Loss.
- Die Wellenanalyse kann mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombiniert werden.