Das Währungspaar EUR/USD befindet sich erneut an einem Scheideweg, und es scheint, dass die Trader ihre Entscheidung bereits getroffen haben. In der vergangenen Woche reagierte der Kurs auf eine bärische Imbalance 11, woraufhin die Abwärtsbewegung wieder aufgenommen wurde. Trotz zwei Buy-Side-Liquiditätsabgriffen blieb die europäische Währung vier Tage in Folge unter starkem Druck. Zweifellos ist die Geopolitik der Hauptgrund. Wäre die Lage im Nahen Osten nicht so abrupt eskaliert, hätten wir mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Fortsetzung des Aufwärtstrends gesehen. Es sei daran erinnert, dass es abgesehen von der Geopolitik keine besonders starken Gründe für einen Anstieg der US-Währung gibt. Allerdings reicht die Geopolitik allein mehr als aus, damit Trader in großem Umfang den Dollar kaufen.

Derzeit befindet sich die europäische Währung aus Sicht der Trader in einer sehr uneindeutigen Lage. Einerseits beobachten wir seit etwa eineinhalb Monaten einen Rückgang, und die Trendbruchlinie (blaue Linie) wurde durchbrochen. Andererseits wissen Trader, dass Fehlausbrüche recht häufig vorkommen, die in Kombination mit Liquiditätsabgriffen starke Bewegungen in die Gegenrichtung auslösen können. Im Tageschart gibt es mindestens zwei deutliche bärische Swings – ab dem 1. August und dem 5. November des vergangenen Jahres. Wie wir uns erinnern, ist der einzige Grund für den Rückgang des Währungspaares die Geopolitik. Wie lange sie die Bären weiter unterstützen wird, ist schwer zu sagen, da niemand weiß, wie sich die Ereignisse weiter entwickeln. Daher halte ich nach wie vor weitere Liquiditätsabgriffe mit anschließendem erneuten Wachstum für möglich.
In der vergangenen Woche hat sich ein neues bärisches Ungleichgewicht 12 gebildet, das in dieser Woche ein weiteres Verkaufssignal liefern könnte. In der aktuellen Situation können die Bullen nur auf neue Liquiditätsabgriffe von den letzten beiden Tiefs bei 1,1470 und 1,1392 hoffen. Sollte sich die geopolitische Lage jedoch nicht verbessern, wird selbst das den Bullen nicht helfen.
Das charttechnische Bild signalisiert weiterhin eine Dominanz der Bullen. Der Aufwärtstrend bleibt intakt, allerdings wirken die bullischen Trader im Moment durch den sich rasant ändernden Informationsfluss etwas orientierungslos. Damit die europäische Währung ihren Anstieg wieder aufnehmen kann, müsste sich der Krieg im Iran deeskalieren und die Preise für Öl und Gas müssten zu fallen beginnen. Alternativ sollte sich zumindest die Lage im Nahen Osten nicht weiter verschlechtern. Heute haben wir jedoch erfahren, dass Israel eine Bodenoffensive im Libanon gestartet hat. Um neue Long-Positionen zu eröffnen, benötigen Trader neue bullische Formationen oder zumindest Liquiditätsabgriffe aus den letzten beiden bärischen Swings.
Der Nachrichtenhintergrund am Montag war schwach. In den Vereinigten Staaten wurde der Bericht zur Industrieproduktion veröffentlicht, doch er stieß bei den Tradern auf noch weniger Interesse als die BIP- und Auftragseingangszahlen für langlebige Güter am vergangenen Freitag. Wirtschaftsdaten haben nach wie vor praktisch keinen Einfluss auf den Wechselkurs des Dollars oder die Marktstimmung.
In den vergangenen Monaten hatten die Bullen zahlreiche Gründe, den Markt nach oben zu treiben, und selbst der Ausbruch des Krieges im Nahen Osten hat ihre Zahl nicht verringert. Strukturell und in der Gesamtschau haben sich Trumps politische Maßnahmen, die im vergangenen Jahr zu einem deutlichen Rückgang des Dollars geführt haben, nicht verändert. Kurzfristig kann die US-Währung im Zuge einer Flucht der Investoren aus Risikoanlagen an Stärke gewinnen, doch dieser Faktor kann sie nicht dauerhaft stützen. Zugleich hebt der Konflikt im Iran andere negative Faktoren für die Vereinigten Staaten nicht auf, darunter die taubenhafte geldpolitische Ausrichtung des FOMC, Trumps Handelskrieg mit dem Rest der Welt, die Schwäche am US-Arbeitsmarkt, zwei Government Shutdowns, US-Militäraktionen, Strafverfahren gegen Powell, ein nachlassendes BIP-Wachstum und weitere ungünstige Entwicklungen für die US-Wirtschaft.
Ich glaube weiterhin nicht an einen anhaltenden bärischen Trend. Der Dollar hat vorübergehend Unterstützung vom Markt erhalten, doch es ist keineswegs sicher, dass diese Situation von Dauer sein wird. Allerdings ist der Aufwärtstrend gebrochen, und das muss – wenn auch ungern – anerkannt werden. Es besteht weiterhin die Chance auf Liquiditätsabgriffe mit anschließender Trendfortsetzung, doch die Geopolitik lastet weiterhin schwer auf dem Währungspaar EUR/USD.
Nachrichtenkalender für die Vereinigten Staaten und die Eurozone
- Deutschland – Handelsbilanz (07:00 UTC)
- Vereinigte Staaten – ADP-Beschäftigungsbericht (wöchentlich) (12:15 UTC)
- Vereinigte Staaten – Verkäufe bestehender Häuser (14:00 UTC)
Am 17. März stehen im Wirtschaftskalender drei vergleichsweise unbedeutende Ereignisse, doch der Markt ignoriert ohnehin nach wie vor die meisten Veröffentlichungen. Daher könnte der Einfluss des Nachrichtenhintergrunds auf die Marktstimmung am Dienstag erneut äußerst gering sein.
EUR/USD Prognose und Handelstipps
Meiner Ansicht nach befindet sich das Paar weiterhin in der Phase der Ausprägung eines Aufwärtstrends. Der Nachrichtenhintergrund hat sich vor zwei Wochen abrupt gedreht, doch der Trend selbst kann noch nicht als vollständig aufgehoben oder beendet gelten. Daher benötigen Trader in naher Zukunft neue Formationen und Signale, um kurzfristige Prognosen zu erstellen.
Aktuell könnten die Bären ein Signal aus dem Ungleichgewicht 12 erhalten, und da der Aufwärtstrend kurz vor einem Bruch steht, kann dieses Signal durchaus ernst genommen werden. Die Bullen hingegen können nur auf Liquiditätsabgriffe von den Tiefs bei 1,1470 und 1,1392 hoffen, gefolgt von der Ausbildung bullischer Formationen und weiterer Kaufsignale.