Der Konflikt im Nahen Osten hat die Ölpreise in die Höhe getrieben, das Inflationsrisiko verschärft und die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Zentralbanken die Zinsen hoch halten oder sie sogar noch weiter anheben. Infolgedessen steht das keine Zinsen abwerfende Gold unter Druck und versucht, die psychologisch wichtige Marke von 5.000 US‑Dollar je Unze vor der FOMC-Sitzung zu verteidigen.
An den Märkten herrscht die Erwartung vor, dass Jerome Powells restriktive Rhetorik auf der Pressekonferenz und die Bestätigung der Terminmarktbewertungen für einen geldpolitischen Expansionsschritt im Jahr 2026 in den aktualisierten FOMC-Prognosen die Renditen von US-Staatsanleihen steigen lassen und den US-Dollar stärken werden. Ein solches Umfeld ist für das Edelmetall äußerst ungünstig. RJO Futures hält es für möglich, dass XAU/USD bis auf 4.200 fallen könnte, falls die Renditen am US-Treasury-Markt weiter steigen.
Dynamik der Goldprämien in Shanghai und London

Auf der Goldseite spielt die starke Nachfrage nach physischem Metall eine entscheidende Rolle. Nach dem chinesischen Neujahrsfest investierten chinesische Anleger rund 17 Milliarden Yuan (2,5 Milliarden US-Dollar) in lokale ETFs. Ihr Interesse an dem Edelmetall hält die Prämien zwischen Shanghai und London im positiven Bereich, was den Rückgang von XAU/USD abmildert.
UBS Group ist der Ansicht, dass sich die Anleger auf die Gefahr eines steigenden Inflationsdrucks fixiert haben. Doch mit der weiteren Eskalation des Konflikts im Nahen Osten und der anhaltenden Rallye bei Brent wird die Weltwirtschaft unter Druck geraten. Die Risiken einer globalen Rezession werden zunehmen, was die Regierungen dazu veranlassen dürfte, fiskalische Stimuli zu ergreifen und die Zentralbanken, eine stärkere geldpolitische Lockerung zu verfolgen. Der Gegenwind für Gold könnte sich in Rückenwind verwandeln, sodass XAU/USD einen Boden ausbilden und eine länger anhaltende Abwärtsrallye einleiten kann.
Die aktuellen Belastungsfaktoren für das Edelmetall resultieren nicht nur aus der Sorge, dass die Zentralbanken die Zinsen hoch halten, sondern auch aus der Dominanz des US-Dollar im Ringen um den Status der wichtigsten sicheren Anlage. In den vergangenen zwei Jahren galt Gold als der verlässlichste sichere Hafen. Diese Niederlage hat den Bullen bei XAU/USD einen schmerzhaften Schlag versetzt.
Die Historie zeigt jedoch, dass Anleger in Phasen von Turbulenzen an den Finanzmärkten zunächst in Bargeld flüchten. Sie räumen der Liquidität Priorität ein, und der US-Dollar wird zur bevorzugten Wahl. Mit der Zeit werden die Mittel jedoch in andere Anlageklassen umgeschichtet, und Gold kann zum Hauptnutznießer dieses Prozesses werden.

XAU/USD könnte sogar noch früher steigen, falls die Fed einen dovischen Kurs einschlägt, anstatt auf eine restriktive Rhetorik zu setzen. Die abweichenden Einschätzungen von Stephen Mirin, Christopher Waller und Michelle Bowman könnten die Prognosen verändern. Sollten im Jahr 2026 zwei Schritte geldpolitischer Expansion statt eines einzigen erfolgen, wird das Edelmetall zur Gegenoffensive ansetzen.
Aus technischer Sicht zeigt der Tageschart für Gold eine Wiederholung des 1-2-3-Mutter-und-Kind-Musters. Das sogenannte „Modell im Modell“ erhöht das Risiko einer Korrektur gegen den Aufwärtstrend. Die Unfähigkeit des Edelmetalls, die Marke von 5.000 USD je Feinunze zurückzuerobern, wird Verkaufsdruck auslösen.