Nach einem leichten Anstieg zeigt das Währungspaar EUR/USD erneut, dass es nicht in der Lage ist, weiter zu steigen. Am Mittwoch bildete sich zum Tagesschluss ein Verkaufssignal innerhalb von Imbalance 12, doch bereits am nächsten Tag drückten die Bullen den Kurs kräftig nach oben und trieben den Preis über Imbalance 12 hinaus. Die Imbalance selbst wurde damit zwar nicht aufgehoben, kann aber nicht mehr als verlässliches Signal betrachtet werden. Wie bereits erwähnt, zeigte der Euro am Donnerstag ein starkes Wachstum, gefolgt von einem erneuten Rückgang am Freitag. Somit könnte der Kurs erneut auf Imbalance 12 reagieren und die übergeordnete Abwärtsbewegung wieder aufnehmen. Persönlich bevorzuge ich solche Signale und abrupten Kursschwankungen nicht. Es muss jedoch verstanden werden, dass in dieser Woche drei Zentralbanksitzungen stattfanden, die zu einer insgesamt erwartbaren Reaktion der Trader geführt haben.

In dieser Woche hat sich ein neues Verkaufssignal gebildet, das – angesichts eines möglichen Bruchs des Aufwärtstrends – den Euro deutlich unter die Marke von 1,1400 drücken könnte. Dieses Szenario wird jedoch erst dann wirklich überzeugend, wenn geopolitische Faktoren weiterhin klar die Bären unterstützen. Wie bereits erwähnt, würde dies voraussetzen, dass sich die Lage im Nahen Osten nicht nur angespannt hält, sondern sich weiter verschärft. Die Ölpreise müssten weiter steigen, mehr Länder müssten in den Konflikt hineingezogen werden, und die Volkswirtschaften der Industriestaaten müssten ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen werden. Zudem müsste sich der Konflikt über viele Monate hinziehen. Während ein solches Umfeld zuvor eher unwahrscheinlich schien, reißen die negativen Meldungen aus dem Nahen Osten nicht ab. Ein weiterer Rückgang von EUR/USD kann daher nicht ausgeschlossen werden.
Derzeit gibt es keine neuen Muster für das Eingehen von Positionen. Tradern mit Short-Positionen ist zu raten, abzuwarten. Entweder wird Imbalance 12 aufgehoben – was den Weg für eine Aufwärtsbewegung freimachen würde – oder der Rückgang setzt sich im Einklang mit dem bestehenden Verkaufssignal und dem Bruch des Aufwärtstrends fort. Die EZB-Sitzung in dieser Woche hat die Bullen zwar unterstützt, jedoch nicht ausreichend, um den Auftrieb länger als einen Tag zu tragen.
Das übergeordnete Chartbild spricht nach wie vor für eine dominierende bullische Struktur. Der Aufwärtstrend ist technisch weiterhin intakt, doch die Bullen befinden sich angesichts des sich rasch wandelnden Nachrichtenumfelds aktuell in einer schwierigen Lage. Für neue Long-Einstiege wären frische bullische Muster oder zumindest ein Liquidity Sweep der letzten beiden bärischen Swing-Tiefs erforderlich. Ein Liquidity Sweep allein stellt jedoch kein Handelsmuster dar und kann nicht als eigenständiges Einstiegssignal verwendet werden.
Am Freitag gab es praktisch keinen relevanten Nachrichtenfluss, dennoch nahmen die Bären den Verkauf wieder auf. Handelt es sich lediglich um eine Korrektur auf die Rally vom Donnerstag, wäre das nicht überraschend. War hingegen die Bewegung am Donnerstag nur die Korrektur, wird das Bild klarer, da bereits ein Verkaufssignal vorliegt. Das Setup im Chart bleibt unklar, und der Nachrichtenhintergrund kann den Euro in beide Richtungen treiben.
Fundamental haben die Bullen weiterhin zahlreiche Argumente für höhere Kurse, und selbst der Konflikt im Nahen Osten hat diese bislang nicht zunichtegemacht. Strukturell und im großen Bild haben sich Trumps politische Maßnahmen – die im vergangenen Jahr zu einer deutlichen Dollar-Schwäche geführt haben – nicht geändert. Kurzfristig könnte der US-Dollar aufgrund von Risikoaversion zwar zulegen, doch ist es unwahrscheinlich, dass dieser Faktor den Dollar dauerhaft stützt. Weitere starke, tragfähige Unterstützungsfaktoren für den Dollar fehlen derzeit.
Ich rechne weiterhin nicht mit einem nachhaltigen Abwärtstrend. Der Dollar hat vorübergehend Unterstützung erhalten, aber es ist unklar, wie lange dies anhält. Der Aufwärtstrend wurde jedoch beschädigt, und das muss man anerkennen. Die Chance auf einen Liquidity Sweep und eine anschließende Trendfortsetzung besteht weiterhin, allerdings lasten die geopolitischen Faktoren nach wie vor schwer auf EUR/USD.
Wirtschaftskalender für die USA und die Eurozone:
Am 23. März enthält der Konjunkturkalender keine wichtigen Veröffentlichungen. Vom Nachrichtenumfeld sind am Montag keine Impulse für die Marktstimmung zu erwarten.
EUR/USD-Prognose und Trading-Empfehlung:
Meiner Ansicht bleibt das Währungspaar weiterhin in der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Das Nachrichtenumfeld hat sich vor zwei Wochen abrupt verändert, doch der Trend selbst kann noch nicht als vollständig negiert gelten. Trader benötigen daher neue Muster und Signale, um kurzfristige Prognosen zu erstellen.
Derzeit haben die Bären innerhalb von Imbalance 12 ein Signal erhalten, und da der Aufwärtstrend kurz vor einem Bruch steht, sollte dieses Signal ernst genommen werden. Die Bullen können unterdessen nur auf einen Liquidity Sweep unterhalb der Tiefs bei 1,1470 und 1,1392 hoffen, gefolgt von der Aufhebung von Imbalance 12, der Ausbildung bullischer Muster und neuen Kaufsignalen.