Der Euro fiel, nachdem bekannt wurde, dass der Einkaufsmanagerindex (PMI) der Eurozone auf ein Zehnmonatstief gesunken ist und sich die Stagflationsrisiken erhöht haben.
Daten zeigen, dass die Unternehmensaktivität im privaten Sektor im Euroraum so langsam wächst wie seit Mai letzten Jahres nicht mehr, da der Krieg mit dem Iran die Inflation anheizt und die noch junge wirtschaftliche Erholung der Region gefährdet.

Der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex (Composite PMI) von S&P Global ist im März von 51,9 auf 50,5 gefallen, blieb damit aber über der Schwelle von 50, die Expansion von Kontraktion trennt. Analysten hatten einen Rückgang auf 51 erwartet.
Inflationärer Druck durch höhere Energie- und Rohstoffpreise infolge der Eskalation ist die größte Gefahr für eine weitere Erholung. Rekordhohe Öl- und Gaspreise könnten die Verbrauchernachfrage und die Investitionstätigkeit dämpfen und die Wachstumsverlangsamung verschärfen. Das bringt die Europäische Zentralbank in eine schwierige Lage. Einerseits spricht die hohe Inflation für eine straffere Geldpolitik. Andererseits bedeuten das nachlassende Wachstum und steigende Lebenshaltungskosten, dass weitere Zinserhöhungen schädlich sein könnten.
In Deutschland, der größten Volkswirtschaft der Region, fiel der Composite PMI stärker als erwartet, blieb jedoch über 50. In Frankreich ist das Bild schlechter: Bereits den dritten Monat in Folge liegt der Index unter diesem Niveau. In beiden Fällen war der Dienstleistungssektor das schwache Glied, während die Industrie besser abschnitt.
„Vorläufige Eurozonen-PMI-Daten läuten die Alarmglocken in Bezug auf Stagflation, da der Krieg im Nahen Osten die Preise stark in die Höhe treibt und gleichzeitig das Wachstum bremst“, erklärte S&P Global Market Intelligence. „Die Kosten der Unternehmen steigen so stark wie seit drei Jahren nicht mehr, ausgelöst durch einen kräftigen Anstieg der Energiepreise und Lieferkettenstörungen infolge des Krieges.“
Offensichtlich bedrohen die Kämpfe im Nahen Osten die ohnehin schon verhaltene Wachstumsperspektive, und die Märkte rechnen damit, dass die Eindämmung eines neuen Inflationsschubs höhere Zinsen erfordern wird. Die Aussichten der Eurozone – und die Stärke des Euro – hängen von der Dauer des Krieges und möglichen langfristigen Schäden an Energieversorgung und Lieferketten ab.

Nach den heutigen Daten wurde vielen klar, dass die Wirtschaft der Eurozone und die EZB sowohl in Bezug auf Wachstum als auch Inflation nicht mehr gut aufgestellt sind. Das könnte den Aufwärtsspielraum des Euro mittelfristig begrenzen.
Technischer Ausblick für EUR/USD
Die Käufer müssen nun das Niveau von 1,1615 zurückerobern. Erst dann wird ein Test von 1,1638 möglich. Von dort aus könnte das Währungspaar bis auf 1,1669 steigen, was ohne Unterstützung durch die großen Marktteilnehmer jedoch schwierig sein dürfte. Das weiter entfernte Aufwärtsziel liegt bei 1,1705. Auf der Unterseite rechne ich mit spürbarem Kaufinteresse erst im Bereich von 1,1588. Bleibt dort die Nachfrage aus, wäre es sinnvoll, auf ein neues Tief bei 1,1554 zu warten oder Long-Positionen ab 1,1526 zu eröffnen.