Die Märkte wollen fest daran glauben, dass Trumps Absicht, Frieden im Nahen Osten zu schaffen, Wirklichkeit wird. Doch wie realistisch ist das? Und handelt es sich dabei nicht vielmehr um eine Taktik, die lediglich darauf abzielt, den Anstieg der Ölpreise zu stoppen und sie nach unten zu drücken?
Trump hat der iranischen Seite einen Vorschlag unterbreitet, der aus 15 Punkten besteht und im Kern nur einen Waffenstillstand vorsieht, keinen langfristigen Friedensvertrag. Anleger reagieren derzeit ausschließlich auf diese Nachricht und berücksichtigen dabei nicht die Position der Gegenseite, also des Iran, der diesen Plan ablehnt.
Vor diesem Hintergrund hat der Anstieg der Ölpreise zwar eine Pause eingelegt, doch das Preisniveau bleibt weiterhin hoch. Offenbar zweifeln die Marktteilnehmer stark an Trumps Aufrichtigkeit. Viele sind der Ansicht, dass das Geschehen eher einer Taktik gleicht. Es ist ein Versuch, den Iran zu einer Kursänderung im Krieg zu bewegen – gewissermaßen ein Versuch, ihn in die Irre zu führen, was im Übrigen als Teil der politischen Tradition der Vereinigten Staaten und ihrer Präsidenten gilt.
Am Freitag läuft das von Trump zuvor angekündigte fünftägige Moratorium aus. Es wird erwartet, dass Militärtransportschiffe mit Landungstruppen für eine Bodenoffensive eintreffen, und dann könnte alles wieder von vorn beginnen.
In einem solchen Szenario wäre mit einem erneuten Anstieg der Rohölpreise zu rechnen und infolgedessen mit einer Aufwertung des US-Dollar am Forex-Markt. Je länger sich der Konflikt hinzieht, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit eines spürbaren Anstiegs der Inflation in den Vereinigten Staaten. Folglich könnte die Federal Reserve die Zinsen nicht nur für längere Zeit unverändert lassen, sondern sie sogar anheben, etwa um 0,25 %.
Meiner Einschätzung nach ist dieses Szenario das realistischste, angesichts der schwierigen innenpolitischen Lage in den Vereinigten Staaten, die sich sowohl für Trump persönlich als auch für die Republikanische Partei ungünstig entwickelt. Ein hartes Auftreten des Iran könnte Washington zwingen, eine Bodenoffensive zu starten, um die Lage rasch zu verändern. Ob das gelingen wird, bleibt jedoch offen.
Täglicher Ausblick:


#CL (Crude Oil)Der Preis für US-Rohöl bewegt sich weiterhin in einer Spanne von 84,00–101,00 US‑Dollar pro Barrel. Eine Eskalation des Konflikts im Nahen Osten könnte eine weitere Aufwärtsbewegung auslösen und die Preise möglicherweise in Richtung 101,00 treiben. Ein mögliches Einstiegsniveau auf der Kaufseite liegt bei 88,70.
EUR/USDDas Währungspaar konsolidiert sich oberhalb der Marke von 1,1565. Eine Zuspitzung der Krise dürfte die Nachfrage nach dem US‑Dollar erneut stützen, woraufhin das Paar in Richtung 1,1415 fallen könnte. Ein mögliches Einstiegsniveau auf der Verkaufsseite liegt bei 1,1557.