Die Märkte haben inzwischen die langwierige Natur des Konflikts im Nahen Osten eingepreist und damit nach und nach die Aktienindizes in den Korrekturbereich gedrückt. Der Russell 2000 führte die Bewegung an, gefolgt vom Nasdaq Composite und dem Dow Jones. Der S&P 500 liegt nur knapp unter dem Rückgang von 10 % gegenüber seinen jüngsten Höchstständen, der eine Korrektur definiert. Die entscheidende Frage ist, wie tief die Gegenbewegung ausfallen wird.
Für den S&P 500 gibt es sowohl negative als auch positive Signale. Positiv ist, dass der breite Index in früheren bewaffneten Konflikten weniger stark gefallen ist als in Zeiten wirtschaftlicher Schocks und Rezessionen. Eine Analyse der Deutschen Bank zeigt, dass der durchschnittliche Rückgang des S&P über die 30 größten geopolitischen Ereignisse seit 1939 hinweg lediglich 4 % betrug. Die Erholungen erfolgten in der Regel sehr rasch.
Reaktion des S&P 500 auf Konflikte und Krisen

Der Grund liegt in der geografischen Distanz: Die Vereinigten Staaten waren historisch gesehen stets weit vom Epizentrum der Konflikte entfernt. Deutschland und andere europäische Länder haben im Zweiten Weltkrieg oder in den Kämpfen in der Ukraine deutlich stärker gelitten als die USA.
Auf den ersten Blick dürfte der Krieg im Iran die US-Wirtschaft nicht in gleichem Maße treffen. Das Land ist ein Nettoenergieexporteur, und der Nahe Osten ist räumlich sehr weit entfernt.
In der Praxis deuten jedoch die beschleunigte Inflation und die Bereitschaft der Fed, die Zinsen hoch zu halten, in Verbindung mit verbraucherunfreundlichen Anstiegen der Kraftstoffpreise auf ernsthafte Probleme für die US-Wirtschaft hin. Befürchtungen von Stagflation und einer Rezession drücken den S&P 500 nach unten.
Ertragsprognosedynamik im Technologiesektor

Dennoch verfügt der US-Markt über eine Art Sicherheitspuffer – und das sind nicht die Reden von Donald Trump, an die ohnehin nur noch wenige glauben. Es ist die materielle Unter?bewertung von Technologieunternehmen. Laut den Konsensschätzungen an der Wall Street sollen die Gewinne der Magnificent Seven im Jahr 2026 um 19 % steigen, die der übrigen S&P 500-Unternehmen um 16 %.
Die durch AI getriebene Unterstützung der Wirtschaft in Form von Produktivitätsgewinnen und massiven Investitionen ist nicht verschwunden. Die Vereinigten Staaten sind weitaus widerstandsfähiger als Europa oder Asien, was die Argumente für anhaltende Kapitalzuflüsse in US-Aktien stützt.

Je länger sich der Konflikt im Nahen Osten jedoch hinzieht, desto stärker wird die Geopolitik der US-Wirtschaft und den Aktienindizes zusetzen. In diesem Zusammenhang wäre eine Bodenoffensive der USA im Iran ein weiterer Schlag für die Aktienbullen.
Aus technischer Sicht zeigt der Tageschart des S&P 500 eine anhaltende Korrekturbewegung innerhalb des Aufwärtstrends. Das erste der zwei zuvor gesetzten kurzen Kursziele bei 6.420 und 6.290 wurde erreicht. Als Nächstes ist das zweite Ziel an der Reihe. Es ergibt Sinn, den Schwerpunkt weiterhin auf Verkäufe zu legen. Je länger die Gegenbewegung anhält, desto größer sind die Chancen, die Marken von 6.100 und 6.000 zu erreichen.