
Siehe auch: InstaForex Handelsindikatoren für EUR/CHF
Nachdem das Währungspaar EUR/CHF Ende 2008 das wichtige strategische Unterstützungsniveau von 1,5250 (den 200-Perioden gleitenden Durchschnitt im Monatschart) nach unten durchbrochen hatte, befindet es sich in einem langfristigen Bärenmarkt. Nachdem das Paar jedoch Anfang März 2026 in der Nähe des mehrjährigen lokalen Tiefs bei 0,8980 notierte, gelang eine teilweise Erholung. Es legte um etwa 2,3 % zu und erreichte damit die aktuelle Zone der Schlüsselwiderstände bei 0,9222 (144-Perioden gleitender Durchschnitt im Tageschart)–0,9252 (200-Perioden gleitender Durchschnitt im Tageschart), die den mittelfristigen Bärenmarkt von einer Haussephase trennt.

Auf der einen Seite sieht sich die Schweiz mit einer rekordniedrigen Inflation konfrontiert, was es der heimischen Notenbank erlaubt, an einem dovishen Kurs festzuhalten. Auf der anderen Seite sorgen zunehmender geopolitischer Druck und gemischte Signale aus Europa dafür, dass das Währungspaar im Gleichgewicht bleibt. Im Folgenden betrachten wir die Faktoren, die EUR/CHF ausbalancieren, und was die nächste Bewegung auslösen könnte.
Schweiz: niedrige Inflation als Stabilitätsanker
Die wichtigste Nachricht für den Franken waren die Inflationsdaten für März. Die Verbraucherpreise (CPI) in der Schweiz sind im Jahresvergleich auf 0,3 % gestiegen, den höchsten Wert seit einem Jahr. Das nationale Statistikamt weist jedoch darauf hin, dass dieser Anstieg vor allem auf höhere Preise für Dienstleistungen und Lebensmittel zurückzuführen ist, während sich der Energiesektor dank moderater Bewegungen bei Öl- und Gaspreisen stabil zeigte.
Die zentrale Erkenntnis für den Markt ist, dass die Inflation deutlich unter dem Zielkorridor der Schweizerischen Nationalbank von 2,0 % bleibt. Das verschafft der SNB Spielraum, ihre lockere Politik beizubehalten. Die Binnenlage erfordert keine Zinserhöhungen, und die SNB kann die Refinanzierungssätze im Bereich von 1,00–1,25 % halten.
Diese Kombination – niedrige Inflation plus akkommodierende Geldpolitik – schafft eine stabile Basis für die wirtschaftliche Erholung und stützt den Exportsektor. Zudem verschafft der niedrige CPI der SNB einen Puffer, um aktiver gegen eine übermäßige Aufwertung des Franken vorzugehen, ohne befürchten zu müssen, die Inflation anzuheizen.
Europa: gemischte Daten und hawkisher Ton der EZB
Während die Schweiz mit disinflationären Risiken konfrontiert ist, sendet die Europäische Zentralbank gegenteilige Signale.
1. Hawkishe Rhetorik. Dimitar Radev, Mitglied des EZB-Rats, sagte, es sei noch „zu früh“, um über eine Zinserhöhung im April zu sprechen, doch seine Äußerung unterstreicht, dass diese Option aktiv diskutiert wird. EZB-Präsidentin Christine Lagarde bekräftigte, dass die Geldpolitik restriktiv bleiben werde, bis die Inflation dauerhaft zum 2 %-Ziel zurückkehrt.
2. Schwache deutsche Daten. Der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex (PMI) für Deutschland fiel auf ein Drei-Monats-Tief von 51,9, belastet durch eine deutliche Abkühlung im Dienstleistungssektor vor dem Hintergrund höherer Kraftstoffpreise und erhöhter Unsicherheit infolge des Konflikts im Nahen Osten. Dies ist ein klassisches Stagflationssignal, das das Aufwärtspotenzial des Euro begrenzt.
Trumps Ultimatum für den Nahen Osten und die Perspektiven für EUR/CHF

Die Märkte befinden sich derzeit in einer abwartenden Haltung, und Makrodaten sind in den Hintergrund gerückt. Der Haupttreiber ist im Moment die Geopolitik.
US-Präsident Donald Trump hat Iran ein Ultimatum bis 20:00 Uhr Eastern Time am Dienstag gestellt und die Wiedereröffnung der Straße von Hormus gefordert; andernfalls drohte er damit, sämtliche Brücken und Kraftwerke im Iran zu zerstören.
Iranische Militärvertreter bezeichneten diese Drohungen als „Unsinn“, und ein parlamentarischer Berater sagte, Trump habe rund 20 Stunden Zeit, sich dem Iran zu ergeben, andernfalls würden seine Verbündeten in die Altsteinzeit zurückversetzt.

Angesichts der aktuellen Lage zeichnen sich drei mögliche Entwicklungspfade für EUR/CHF ab:
1. Eskalation (bärisch für EUR/CHF). Falls Trump seine Drohungen wahrmacht, dürfte der US‑Dollar stark aufwerten und die weltweite Risikobereitschaft einbrechen. Der Schweizer Franken würde sich als wichtiger sicherer Hafen ebenfalls deutlich stärken. Der Euro hingegen geriete unter Druck, da die Region von Energieimporten abhängig ist.

Ziele: ein Bruch der kurzfristigen Unterstützung bei 0,9194 (EMA200 im 1‑Stunden‑Chart) und eine Bewegung in die Unterstützungszone 0,9158 (EMA50 im Tageschart)–0,9148 (EMA200 im 4‑Stunden‑Chart).
2. Diplomatische Lösung (bullisch für EUR/CHF). Wenn sich die Parteien einigen oder die Frist verlängert wird, lassen die Spannungen nach. Die Anleger würden sich wieder auf die Fundamentaldaten konzentrieren. Eine restriktive EZB (mögliche Zinserhöhungen) im Gegensatz zu einer lockeren SNB (niedrige Inflation) würde das Währungspaar nach oben treiben.
Ziele: Test des Widerstands bei 0,9250 und ein Versuch, sich oberhalb von 0,9272 (EMA50 im Wochenchart)–0,9300 zu etablieren.

3. Anhaltende Unsicherheit (seitwärts). Hält die Rhetorik ohne konkrete Maßnahmen an, könnte das Währungspaar in einer Seitwärtsrange zwischen 0,9190 und 0,9250 bleiben, bis später in dieser Woche neue Inflationsdaten aus Deutschland und die Einzelhandelsumsätze der Eurozone veröffentlicht werden.
Siehe auch: EUR/CHF — Szenarien der Kursbewegung am 07.04.2026
Fazit
EUR/CHF wird derzeit eher von Geopolitik als von Fundamentaldaten getrieben. Anlegern wird geraten, die Schlagzeilen aus der Straße von Hormus genau zu verfolgen, bis Trumps Ultimatum ausläuft. Ein Ausbruch aus der aktuellen Handelsspanne dürfte deutlich ausfallen und mit hoher Wahrscheinlichkeit eher von politischen als von wirtschaftlichen Auslösern bestimmt sein.