Das Währungspaar EUR/USD steigt bereits den vierten Tag in Folge, gestützt durch Markterwartungen an einen Waffenstillstand zwischen Iran und den Vereinigten Staaten. In der aktuellen Lage ist es schwierig zu wissen, wo man anfangen soll, daher beginne ich mit der technischen Analyse. Wie wir sehen können, gab es eine Reaktion auf das bullische Ungleichgewicht 12, woraufhin eine neue Aufwärtsbewegung einsetzte. In den vergangenen Tagen habe ich die Aufmerksamkeit der Trader immer wieder auf dieses Muster gelenkt. In der Folge boten sich den Marktteilnehmern Einstiegsmöglichkeiten auf der Long-Seite, die nun deutliche Gewinne verzeichnen.
Was das Nachrichtenumfeld betrifft, dauern die Kampfhandlungen im Nahen Osten weiterhin an. Es ist daher fraglich, ob es überhaupt sinnvoll ist, von einem Waffenstillstand zu sprechen, wenn die USA eine weitere iranische Raffinerie angegriffen haben, Iran Raketen auf Kuwait abfeuert und Israel den Libanon weiter bombardiert. Persönlich fällt es mir schwer nachzuvollziehen, wer sich auf welche Art von Waffenruhe geeinigt haben soll, wenn sie nur etwa 15 Stunden angehalten hat. Gleichwohl muss man anerkennen, dass sich die Konfliktparteien in Richtung Friedensverhandlungen bewegen, und das ist bereits ein deutlich positives Signal. Vor diesem Hintergrund lässt die Nachfrage nach dem als sicherer Hafen geltenden US-Dollar nach, und der bullische Trend steht kurz vor einer Wiederaufnahme.

Der gesamte Anstieg des US-Dollars in den vergangenen eineinhalb bis zwei Monaten wurde von der Geopolitik getrieben. Kaum hatten die USA und Iran sich auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand geeinigt, zogen sich die Bären sofort zurück und die Bullen übernahmen das Ruder. Der Waffenstillstand ist derzeit zwar äußerst fragil, doch entscheidend ist, dass ein bullisches Signal generiert wurde und EUR/USD kräftig steigt. Was braucht es mehr? Ich habe wiederholt betont, dass ich trotz des Bruchs wichtiger, trendbestimmender Tiefs nicht an ein Ende des Aufwärtstrends glaube. Die Kursentwicklung der vergangenen zwei Monate könnte in einen Abwärtstrend umschlagen, falls die Geopolitik den Dollar weiter stützt. In der aktuellen Phase zweifle ich jedoch weiterhin an der Fähigkeit der Bären, über längere Zeit einen anhaltenden Angriff durchzuziehen. Eine weitere Stärkung des US-Dollars ist nur möglich, wenn kein Waffenstillstand zustande kommt und die Straße von Hormus blockiert bleibt.
Das technische Bild hat sich in den letzten ein, zwei Tagen deutlich verändert. Erstens könnte der Kurs schon bald auf Imbalance 11 reagieren und wieder in eine Abwärtsbewegung übergehen. Sollte der Waffenstillstand komplett scheitern, würde dieses Szenario zum Hauptszenario. Zweitens hat der Kurs auf Imbalance 12 reagiert und damit ein bullisches Signal innerhalb eines Aufwärtstrends ausgebildet. Drittens dürfte sich im Laufe dieser Woche eine neue bullische Imbalance herausbilden, die nicht nur als interessante Zone für Käufer, sondern auch als Unterstützungsbereich für den Euro fungieren wird. Das bedeutet, dass Trader künftig neue Chancen für den Aufbau von Long-Positionen erhalten.
Der Nachrichtenfluss am Donnerstag war recht interessant. Die dritte und endgültige Schätzung des US-BIP für das vierte Quartal lag bei +0,5 % und damit 0,9 % unter der Ersterhebung sowie 3,9 % unter dem Wert des dritten Quartals. Damit war klar: Selbst wenn einige Bären einen neuen Angriff vorbereitet hatten, machte diese Zahl ihn eher unwahrscheinlich. Die übrigen Veröffentlichungen des Tages waren von nachgeordneter Bedeutung und konnten – wie so oft – die Aufmerksamkeit des Marktes nicht auf sich ziehen. Es ist sogar möglich, dass das BIP nur einen geringen Einfluss auf die Dollar-Abwertung hatte, da die Geopolitik weiterhin der dominierende Faktor bleibt.
Es gibt nach wie vor zahlreiche Gründe, warum die Bullen aktiv bleiben können, und selbst der Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten hat diese nicht ausgeräumt. Strukturell und im großen Bild haben sich Trumps politische Leitlinien – die im vergangenen Jahr zu einem deutlichen Rückgang des Dollars geführt haben – nicht verändert. Kurzfristig kann der US-Dollar im Zuge einer Flucht in sichere Häfen zwar aufwerten, doch dieser Faktor kann ihn nicht dauerhaft stützen und würde eine anhaltende Eskalation im Nahen Osten voraussetzen. Weitere starke Treiber zugunsten des Dollars sind nicht erkennbar. Ich glaube weiterhin nicht an einen übergeordneten Abwärtstrend. Der Dollar hat eine temporäre Unterstützung erhalten, aber was soll einen anhaltenden Abwärtsdruck auf EUR/USD aufrechterhalten?
Wirtschaftskalender für die USA und die Eurozone:
- Eurozone – Verbraucherpreisindex in Deutschland (06:00 UTC)
- USA – Verbraucherpreisindex (12:30 UTC)
- USA – University of Michigan Consumer Sentiment Index (14:00 UTC)
Am 10. April stehen im Wirtschaftskalender drei Ereignisse an, wobei die US-Inflation besonders hervorzuheben ist. Der Einfluss des Nachrichtenflusses auf die Marktstimmung am Freitag könnte in der zweiten Tageshälfte deutlich ausfallen.
EUR/USD Prognose und Trading-Tipps:
Aus meiner Sicht befindet sich das Währungspaar weiterhin in der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Das Nachrichtenumfeld hat sich vor rund eineinhalb Monaten stark verändert, doch der Trend kann bisher nicht als vollständig gedreht oder aufgehoben gelten. Entsprechend könnten die Bullen schon bald zu einem neuen Vorstoß ansetzen – vorausgesetzt, die geopolitische Lage lässt dies zu.
Kurzfristig könnten die Bären ein Signal von Imbalance 11 erhalten, doch falls sich die geopolitische Lage nicht deutlich verschlechtert, könnte dieses Signal ausbleiben. Die Bullen hatten bereits Gelegenheit, auf Basis des Signals von Imbalance 12 Long-Positionen mit einem Ziel um 1,1670 aufzubauen. Dieses Ziel wurde erreicht, und die Aufwärtsbewegung könnte sich in Richtung der Jahreshöchststände fortsetzen. Es gibt allerdings eine zentrale Bedingung: Der Konflikt im Nahen Osten muss sich zumindest in Richtung Deeskalation und Frieden bewegen.