
Das Währungspaar EUR/USD handelte den gesamten Donnerstag über recht ruhig. Der Markt ignorierte weiterhin sämtliche fundamentalen und makroökonomischen Ereignisse, und der Anstieg der europäischen Währung kam im Grunde sofort zum Stillstand, als im Nahen Osten erneut Raketen abgefeuert wurden. Zur Erinnerung: In der Nacht zu Mittwoch war ein Waffenstillstand verkündet worden. Wie viel Bedeutung legten die Trader in dieses Wort! Zu viel! Die meisten Marktteilnehmer gingen davon aus, dass der Waffenstillstand eine vollständige Einstellung der Kampfhandlungen durch alle Konfliktparteien bedeute. In der Praxis zeigte sich jedoch, dass hochrangige Diplomaten aus den USA, dem Iran und Israel schlicht nicht wissen, wie sie eine Einigung erzielen sollen und welche Punkte in eine entsprechende Vereinbarung aufgenommen werden müssen.
Die US-Handelssitzung am Donnerstag begann damit, dass Israel Hunderte von Raketen in Richtung Libanon abfeuerte. Kurz darauf erklärte Jerusalem, es unterstütze einen zweiwöchigen Waffenstillstand mit dem Iran, doch der Libanon sei von diesem Abkommen nicht erfasst. Somit ist es vollkommen „zulässig“, den Libanon zu bombardieren. Später wurde bekannt, dass amerikanische Raketen eine Ölraffinerie im Iran getroffen hatten, woraufhin der Iran mit Raketenangriffen auf Bahrain und Kuwait reagierte. Es ist unmöglich festzustellen, wer den Waffenstillstand gebrochen hat und wer als Erster gehandelt hat. Das Ergebnis ist jedoch eindeutig – die Straße von Hormus ist erneut blockiert, und der Iran beschuldigt die USA und Israel, das Abkommen zu untergraben.
Nachdem Donald Trump aufgewacht war und sah, was geschah, ließ er sofort neue wütende Tiraden gegen Teheran los. Der US-Präsident erklärte, dass amerikanische Schiffe und Streitkräfte die Region des Persischen Golfs nicht verlassen würden, bis sich der Iran an die getroffene Vereinbarung halte. Sollten systematische Verstöße gegen den Waffenstillstand auftreten, werde Amerika mit verheerender Schlagkraft zurückschlagen.
Gleichzeitig setzen die USA jedoch ihre Verhandlungen mit dem Iran fort, und schon bald sollen Delegationen beider Länder persönlich zusammentreffen, um die Bedingungen eines langfristigen Friedensabkommens zu erörtern. Damit wird deutlich, dass der Waffenstillstand ziemlich flüchtig und dekorativ ist. Es scheint, als werde dieser Waffenstillstand nur gebraucht, damit Trump einen vollständigen Sieg der USA über den Iran verkünden kann – was er de facto bereits mehrfach getan hat. Die USA werden die Entblockierung der Straße von Hormus (gemäß den Vereinbarungen) verlangen und anschließend die Region verlassen. Wer danach weiterkämpft, wird Trump nicht mehr interessieren. Er muss so schnell wie möglich als Sieger aus diesem Konflikt hervorgehen und sich auf die Kongresswahlen 2026 vorbereiten.
Wir gehen daher nicht davon aus, dass der Krieg im Nahen Osten vorbei ist. Höchstwahrscheinlich wird er in der einen oder anderen Form noch lange andauern. Sollte jedoch die Intensität der Kampfhandlungen zumindest etwas nachlassen und wenigstens ein Teil der Öltanker die Straße von Hormus passieren können, wäre dies bereits ein kleiner Erfolg. Übrigens sind die Ölpreise nicht lange gefallen. In den letzten Wochen bewegten sie sich in einer Spanne zwischen 93 und 113 US-Dollar pro Barrel (Brent-Sorte) und notieren derzeit bei etwa 95–96 US-Dollar pro Barrel. Daher kann man keineswegs sagen, dass die Energiekrise überwunden ist.

Die durchschnittliche Volatilität des Währungspaares EUR/USD in den letzten fünf Handelstagen beträgt zum 10. April 77 Pips und wird als „durchschnittlich“ eingestuft. Wir erwarten, dass das Paar am Freitag in einer Spanne zwischen 1,1630 und 1,1784 gehandelt wird. Der obere Kanal der linearen Regression hat nach unten gedreht, was auf einen Trendwechsel hindeutet. Der CCI-Indikator ist in den überkauften Bereich eingetreten und warnt vor einer möglichen kurzfristigen Abwärtskorrektur.
Nächste Unterstützungsniveaus:
- S1 – 1,1597
- S2 – 1,1475
- S3 – 1,1353
Nächste Widerstandsniveaus:
- R1 – 1,1719
- R2 – 1,1841
- R3 – 1,1963
Handelsempfehlungen:
Das Währungspaar EUR/USD befindet sich weiterhin in einem Abwärtstrend, der durch geopolitische Faktoren bestimmt wird. Das globale fundamentale Umfeld für den Dollar bleibt äußerst negativ; allerdings konzentriert sich der Markt seit mehr als einem Monat ausschließlich auf die geopolitische Lage, wodurch alle anderen Faktoren nahezu bedeutungslos geworden sind. Befindet sich der Kurs unter dem gleitenden Durchschnitt, können Short-Positionen mit Kurszielen bei 1,1475 und 1,1353 in Betracht gezogen werden. Befindet sich der Kurs über der Linie des gleitenden Durchschnitts, sind Long-Positionen mit Zielen bei 1,1784 und 1,1841 relevant. Damit eine stärkere Aufwärtsbewegung einsetzen kann, muss sich das geopolitische Umfeld zu verbessern beginnen.
Erläuterungen zu den Abbildungen:
- Lineare Regressionskanäle helfen, den aktuellen Trend zu identifizieren. Wenn beide in dieselbe Richtung zeigen, ist der Trend stark.
- Die Linie des gleitenden Durchschnitts (Einstellungen 20.0, smoothed) bestimmt den kurzfristigen Trend und die Richtung, in die aktuell gehandelt werden sollte.
- Murray-Level sind Zielzonen für Bewegungen und Korrekturen.
- Volatilitätsniveaus (rote Linien) stellen den wahrscheinlichen Preiskanal dar, in dem sich das Paar am nächsten Tag auf Basis der aktuellen Volatilitätsindikatoren voraussichtlich bewegen wird.
- CCI-Indikator: Sein Eintritt in den überverkauften Bereich (unter -250) oder den überkauften Bereich (über +250) signalisiert, dass sich eine Trendwende in die entgegengesetzte Richtung abzeichnet.