Das Währungspaar EUR/USD setzt seine Aufwärtsbewegung fort, getragen von den Erwartungen an einen Waffenstillstand zwischen Iran und den Vereinigten Staaten sowie von der Einstellung der Kampfhandlungen im Nahen Osten. In der vergangenen Woche kam es bei der bullischen Imbalance 12 zu einer Reaktion, woraufhin die Bullen ihre Offensive starteten. Dadurch erhielten Trader die Gelegenheit, Long-Positionen zu eröffnen, die derzeit deutliche Gewinne verzeichnen. Das geopolitische Umfeld stellt sich nun im Vergleich zu vor zwei Wochen deutlich günstiger dar, was die starke Verbesserung der bullischen Stimmung vermutlich mit erklärt. Meiner Ansicht nach war jedoch eine Kombination mehrerer Faktoren ausschlaggebend. Erstens konnte der Markt nicht dauerhaft vor Risiko fliehen, indem er den Dollar kaufte – Risiko ist kein Dauerzustand, und Kapital kann sich rasch in sichere Häfen verlagern. Zweitens gab es ein technisches Kaufsignal. Drittens hat Donald Trump seine Rhetorik in Bezug auf den Konflikt im Nahen Osten abgeschwächt. Noch heute Morgen erklärte der US-Präsident, alle Ziele der Militäraktion seien erreicht worden, und der Krieg könne bald enden. Der Markt rechnet zudem in den kommenden Tagen mit einer neuen Verhandlungsrunde zwischen Teheran und Washington.

Das gesamte Wachstum des US-Dollars in den vergangenen eineinhalb bis zwei Monaten wurde ausschließlich durch Geopolitik angetrieben. Sobald die USA und Iran sich auf eine zweiwöchige Feuerpause geeinigt hatten, zogen sich die Bären umgehend zurück und die Bullen starteten ihre Attacke. Derzeit ist der Waffenstillstand weiterhin fragil, hält aber trotz des Scheiterns der Verhandlungen in Islamabad. Ich habe wiederholt betont, dass ich nicht an ein Ende des Aufwärtstrends glaube, obwohl wichtige, trendbildende Tiefs unterschritten wurden. Die Bewegung der letzten zwei Monate könnte sich in einen Abwärtstrend verwandeln, falls sich die geopolitische Lage weiter verschlechtert – aber wie viel schlimmer soll es noch werden? Alles, was schiefgehen konnte, ist bereits eingetreten. Die Märkte preisen häufig im Voraus das pessimistischste Szenario ein und versuchen, den denkbar schlechtesten Ausgang vorwegzunehmen. Daher gehe ich davon aus, dass die Marktteilnehmer den geopolitischen Konflikt im Nahen Osten möglicherweise bereits vollständig eingepreist haben.
Das Chartbild ist nun klarer geworden. Erstens zeigte der Kurs auf die Imbalance 11 keinerlei Reaktion und startete keine neue Abwärtsbewegung – es entstand also kein Verkaufssignal. Zweitens reagierte der Kurs auf die Imbalance 12 und bildete damit ein Kaufsignal innerhalb eines Aufwärtstrends. Drittens hat sich eine neue bullische Imbalance 13 herausgebildet, die nun eine interessante Zone für zukünftige Long-Trades und einen Unterstützungsbereich für den Euro darstellt.
Am Mittwoch war der Nachrichtenhintergrund praktisch leer, und nach sieben Tagen ununterbrochener Angriffe beschlossen die Bullen, eine kurze Pause einzulegen. Nur eine Pause – nicht mehr. Für heute sind ebenfalls keine wichtigen Veröffentlichungen zu erwarten, sodass die Marktbewegungen bis zum Tagesende moderat bleiben könnten. Für Trader spielt das jedoch keine große Rolle. Long-Positionen liegen bereits solide im Gewinn, und aktuell entstehen keine neuen Signale.
Auch für 2026 gibt es nach wie vor zahlreiche Gründe, warum die Bullen aktiv bleiben könnten, und selbst der Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten hat diese nicht wesentlich geschmälert. Strukturell und in der großen Perspektive haben sich die von Trump verfolgten politischen Leitlinien, die im vergangenen Jahr zu einem starken Rückgang des Dollars geführt haben, nicht geändert. Kurzfristig kann die US-Währung zwar noch aufgrund von Risikoaversion zulegen, aber dieser Faktor setzt eine stetige Eskalation im Nahen Osten voraus, was eher unwahrscheinlich ist. Schon eine Woche Pause hat gereicht – und der Euro hat sich bereits um fast 300 Pips erholt. Gleichzeitig fehlen dem Dollar andere starke unterstützende Faktoren. Ich rechne weiterhin nicht mit einem nachhaltigen Abwärtstrend beim EUR/USD. Der Dollar hat temporäre Unterstützung erhalten, doch was soll die Bären langfristig antreiben?
Wirtschaftskalender für die USA und die Eurozone:
- Eurozone – Verbraucherpreisindex (09:00 UTC)
- USA – Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (12:30 UTC)
- USA – Industrieproduktion (13:15 UTC)
Am 16. April stehen im Wirtschaftskalender drei Veröffentlichungen, die nicht als besonders bedeutend einzustufen sind. Der Einfluss des Nachrichtenhintergrunds auf die Marktstimmung dürfte am Donnerstag sehr schwach oder gar nicht vorhanden sein.
EUR/USD-Prognose und Handelsempfehlung:
Aus meiner Sicht befindet sich das Währungspaar weiterhin in der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Der Nachrichtenfluss hat sich vor zwei Monaten zwar abrupt gedreht, doch der Trend selbst kann damit weder als aufgehoben noch als abgeschlossen gelten. Folglich können die Bullen ihre Offensive in naher Zukunft fortsetzen, sofern geopolitische Faktoren nicht länger 100 % der Marktaufmerksamkeit dominieren.
Die Bullen hatten die Möglichkeit, auf Basis des Signals aus der Imbalance 12 Long-Positionen mit einem Ziel um 1,1670 zu eröffnen. Dieses Ziel wurde bereits vor einiger Zeit erreicht, und die Aufwärtsbewegung könnte sich in Richtung der Jahreshochs fortsetzen. Zudem hat sich eine neue Imbalance 13 gebildet, die künftig ein weiteres bullisches Signal liefern könnte.
Damit der Euro ungehindert steigen kann, müsste sich der Konflikt im Nahen Osten in Richtung eines stabilen Friedens bewegen, was derzeit nicht der Fall ist. Gleichzeitig erhalten die Bären aber auch keine neuen Gründe für einen Angriff. Kurzfristig würde ich meinen Fokus daher in erster Linie auf die technische Analyse legen.