
Mir liegt der Ausdruck „was ja zu erwarten war“ förmlich auf der Zunge. Heute Morgen wurde bekannt, dass Iran die geplante zweite Verhandlungsrunde abgesagt hat. Als offizieller Grund wurde die anhaltende amerikanische Blockade der Straße von Hormus und die Beschlagnahmung eines iranischen Handelsschiffs genannt. Teheran erklärte, die US-Seeblockade hätte als Reaktion auf ähnliche Schritte Irans aufgehoben werden sollen, was jedoch nicht geschehen sei. Daher verlängert Iran seine Blockade, und die Verhandlungen mit Washington sind abgesagt.
Um ehrlich zu sein, dachte ich, dass die Gespräche dennoch stattfinden würden, allerdings hätten sie dann am Samstag oder Sonntag stattfinden müssen, wie Donald Trump es erwähnt hatte. Doch am Wochenende ist es nicht zu einem Treffen gekommen, was sofort die Befürchtung weckt, dass man sich nicht einmal auf einen Termin einigen konnte. Es wirkt, als würden Teheran und Washington sich täglich anrufen und Sätze austauschen wie: „Treffen wir uns heute? Nein? Gut, dann bis morgen.“
Fakt ist jedoch: Auch die zweite Verhandlungsrunde kann nun als gescheitert gelten, und die Lage im Nahen Osten hat sich in den vergangenen Tagen erneut zugespitzt. Trump hatte am Sonntag nämlich versprochen, sämtliche Kraftwerke Irans zu zerstören, falls das Abkommen nicht bald unterzeichnet wird. Irgendetwas sagt mir, dass es so bald nicht zu einer Einigung kommen wird. Und am Mittwoch läuft offiziell die zweiwöchige Waffenruhe zwischen Iran und den USA aus. Weder konnte man sich auf ein Abkommen verständigen, noch die Feuerpause verlängern. Daher könnte der Krieg im Nahen Osten bereits am Mittwoch wieder aufflammen, und Trump müsste das zehnte Häkchen auf seiner „Liste der erledigten Kriege“ wohl vorerst verschieben.

Hat es überhaupt Sinn, in nächster Zeit auf eine neue Verhandlungsrunde zu hoffen? Meiner Ansicht nach wird – selbst wenn sie stattfindet – das Ergebnis genau dasselbe sein, als fände sie nicht statt. Iran beharrt weiterhin auf seinem Recht, Atomwaffen zu besitzen und nukleare Forschung zu betreiben. Washington stellt dem ein gegenteiliges Ultimatum entgegen. Daher sehe ich – selbst wenn ich alle anderen Punkte des Abkommens ausblende – nicht, wie die Parteien in der Hauptfrage zu einer Verständigung gelangen sollen. Folglich sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Abkommens und eines langfristigen Friedens im Nahen Osten auf ein Minimum, wenn nicht gar auf null. Die ölproduzierenden Unternehmen im Nahen Osten richten sich darauf ein, neue Erdöl- und Erdgasvorkommen zu erschließen, insbesondere in Afrika, ohne auf ein rasches Ende des Konflikts zu hoffen.
Wellenbild für EUR/USD:
Auf Grundlage der Analyse von EUR/USD komme ich zu dem Schluss, dass das Instrument weiterhin im bullischen Abschnitt des Trends bleibt (wie im unteren Bild dargestellt) und sich kurzfristig in einer korrektiven Struktur befindet. Das Korrekturwellenmuster wirkt weitgehend abgeschlossen und könnte nur dann eine komplexere, verlängerte Form annehmen, wenn es zu einem stabilen, längerfristigen Waffenstillstand zwischen Iran, den USA, Israel und ALLEN anderen Ländern im Nahen Osten kommt. Andernfalls gehe ich davon aus, dass sich von den aktuellen Niveaus aus ein neuer bärischer Wellenzyklus auszubilden beginnen kann – oder zumindest eine Korrekturwelle.
Wellenbild für GBP/USD:
Das Wellenbild für das Instrument GBP/USD ist im Laufe der Zeit, wie von mir erwartet, klarer geworden. Auf den Charts erkennen wir nun eine deutliche dreiwellige Aufwärtsstruktur, die bereits abgeschlossen sein könnte. Sollte dies zutreffen, ist mindestens mit der Ausbildung einer abwärtsgerichteten Welle (vermutlich Welle d) zu rechnen. Der Aufwärtstrendabschnitt könnte zwar eine fünfwellige Form annehmen, doch dafür müsste sich der Konflikt im Nahen Osten eher abkühlen als wieder aufflammen. Das Basisszenario für die kommenden Tage ist daher ein Rückgang in den Bereich der 1,34er-Marke oder leicht darunter. Danach wird erneut alles von den geopolitischen Faktoren abhängen.
Grundprinzipien meiner Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und gut nachvollziehbar sein. Komplexe Strukturen sind schwer zu handeln und verändern sich häufig.
- Wenn keine Klarheit darüber besteht, was am Markt geschieht, ist es besser, sich nicht zu engagieren.
- Es gibt nie und kann nie 100%ige Sicherheit über die Bewegungsrichtung geben. Vergessen Sie nicht die schützenden Stop-Loss-Orders.
- Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombinieren.
