Das Währungspaar EUR/USD verzeichnete am Montag einen leichten Anstieg, nachdem es vom 50,0%-Fibonacci-Niveau bei 1,1745 abgeprallt war und sich in Richtung des 61,8%-Korrekturniveaus bei 1,1824 bewegte. Heute würde ein erneuter Rückprall vom Niveau 1,1824 oder eine Konsolidierung unterhalb des Niveaus 1,1745 den US-Dollar begünstigen und eine Wiederaufnahme des Rückgangs in Richtung des 38,2%-Retracement-Niveaus bei 1,1666 unterstützen.

Die Wellensituation im Stundenchart gibt derzeit keinen Anlass zur Sorge. Die letzte abgeschlossene Aufwärtswelle hat sechs vorherige Hochs durchbrochen, während die letzte abgeschlossene Abwärtswelle das vorherige Tief nicht unterschreiten konnte. Ein zweiwöchiger Waffenstillstand zwischen Iran und den Vereinigten Staaten stützte die Bullen und ermöglichte ihnen die Ausbildung einer starken Aufwärtswelle. Damit ist der Trend aktuell „bullish“. In naher Zukunft könnte sich der geopolitische Hintergrund jedoch wieder verschlechtern, was den Bären Stärke und Zuversicht verleihen würde. Um den Aufwärtstrend zu brechen, wären allerdings zwei Abwärtswellen oder ein Durchbruch unter das Tief vom 6. April erforderlich.
Am Montag gab es zwei wichtige Ereignisse. Erstens gab Teheran die Absage der zweiten Verhandlungsrunde mit den Vereinigten Staaten bekannt, da die amerikanische Seite sich weigerte, die Blockade der iranischen Häfen und der Straße von Hormus aufzuheben. Später am Abend hielt die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, eine Rede. Es lohnt sich, sich etwas vom geopolitischen Faktor zu lösen, zumal wir im Laufe der Woche voraussichtlich deutlich mehr Informationen zu diesem Thema erhalten werden. Am Montagabend erklärte Lagarde, dass der Regulator zunehmend Schwierigkeiten habe, die Parameter der Geldpolitik festzulegen. „Derzeit können wir uns wegen der Unsicherheit über das Ausmaß und die Dauer des militärischen Konflikts im Nahen Osten nicht auf einen bestimmten geldpolitischen Pfad festlegen“, sagte die EZB-Chefin. Lagarde betonte zudem, dass sich der Informationshintergrund ständig ändere: Mal verhandeln die Konfliktparteien, dann wiederum sind sie bereit, die Kampfhandlungen wieder aufzunehmen; die Straße von Hormus wird zeitweise geöffnet und geschlossen. Infolgedessen kann die EZB keine klaren Prognosen über die Auswirkungen des Konflikts auf die Wirtschaft der Eurozone erstellen. Laut Lagarde werden mehr Zeit und mehr Informationen benötigt, um die Folgen des Krieges im Nahen Osten zu bewerten. Daher könnte die EZB auf ihrer Aprilsitzung einen neutralen Beschluss fassen.

Auf dem 4-Stunden-Chart prallte das Paar vom 38,2%-Retracement-Niveau bei 1,1849 ab, drehte zugunsten der US-Währung und konsolidierte sich unterhalb des 50,0%-Fibonacci-Niveaus bei 1,1778. Somit kann der Rückgang sich in Richtung des nächsten Retracement-Niveaus von 61,8% bei 1,1706 fortsetzen. Eine Konsolidierung oberhalb von 1,1778 würde den Bullen erlauben, einen neuen Angriff mit Ziel 1,1849 zu starten. Derzeit sind auf keiner der Indikatoren aufkommende Divergenzen zu beobachten.
Commitments of Traders (COT) Report:

In der letzten Berichtswoche eröffneten professionelle Trader 13.693 Long-Positionen und schlossen 19.866 Short-Positionen. Über einen Zeitraum von sieben Wochen ist der gesamte Vorteil der Bullen damit vollständig verpufft. Die Gesamtzahl der von Spekulanten gehaltenen Long-Positionen liegt nun bei 214.000, während die Short-Positionen 188.000 betragen. Noch vor zwei Monaten verfügten die Bullen im Segment der nicht-kommerziellen Marktteilnehmer über mehr als einen doppelt so großen Vorsprung.
In der längerfristigen Perspektive zeigen große Marktteilnehmer insgesamt weiterhin ein starkes Interesse am Euro. Natürlich beeinflussen verschiedene globale Ereignisse – an denen es in den letzten Jahren nicht gemangelt hat – die Anlegerstimmung. Derzeit richtet sich die Aufmerksamkeit des Marktes weiterhin auf den Nahen Osten, wo der Krieg lediglich unterbrochen, aber nicht beendet wurde. Daher werden sich die Wechselkurse von Euro und US‑Dollar in naher Zukunft weniger an der Geldpolitik der Federal Reserve oder der EZB und auch nicht an Konjunkturdaten orientieren, sondern am Verlauf des Krieges im Iran. Der US‑Dollar könnte aus dieser Situation weiterhin Nutzen ziehen.
Wirtschaftskalender für die USA und die Eurozone:
- Eurozone – ZEW-Index der wirtschaftlichen Erwartungen (09:00 UTC).
- Deutschland – ZEW-Index der wirtschaftlichen Erwartungen (09:00 UTC).
- USA – ADP-Beschäftigungsänderung ex Agrar (12:15 UTC).
- USA – Veränderung der Einzelhandelsumsätze (12:30 UTC).
Am 21. April enthält der Wirtschaftskalender vier Veröffentlichungen, von denen keine die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer besonders stark auf sich zieht. Der Einfluss des Nachrichtenumfelds auf die Marktstimmung dürfte am Dienstag daher begrenzt bleiben.
EUR/USD-Prognose und Handelsempfehlungen:
Verkäufe des Währungspaares waren nach einer Erholung von 1,1824 im Stundenchart mit Ziel 1,1745 möglich (Ziel erreicht). Neue Verkaufssignale ergeben sich bei einem Schlusskurs unter 1,1745 mit Ziel 1,1666. Long-Positionen werden bei einer Erholung von 1,1745 mit Ziel 1,1824 empfohlen.
Die Fibonacci-Niveaus werden im Stundenchart von 1,2082–1,1410 und im 4‑Stunden-Chart von 1,1474–1,2082 abgeleitet.