
Heute versucht Gold (XAU/USD), die Verluste vom Vortag wieder aufzuholen und stößt dabei am 90-Tage-EMA auf Widerstand. Gleichzeitig zeigt der US‑Dollar nach der Entscheidung, die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran vorübergehend zu verlängern – einem der Faktoren, die den Rohstoff stützen – eine moderate Schwäche. Dennoch bleiben die Marktteilnehmer wegen der anhaltenden Störungen im Betrieb der Straße von Hormus besorgt. Zudem könnten die Erwartungen an einen weniger lockeren geldpolitischen Kurs der US‑Notenbank weitere Rückgänge des Dollars begrenzen und die Aufwärtsbewegung des Edelmetalls bremsen.

Am Dienstag kündigte der US-Präsident Donald Trump seine Absicht an, den Waffenstillstand mit dem Iran auf unbestimmte Zeit zu verlängern, um Bedingungen für fortgesetzte Friedensverhandlungen zur Beilegung des Konflikts zu schaffen. Unterdessen meldete die mit den Islamischen Revolutionsgarden verbundene Nachrichtenagentur Tasnim, dass Teheran keinen Antrag auf Verlängerung des Waffenstillstands initiiert habe.
Zudem bleiben Anzeichen von Spannungen zwischen den Parteien bestehen, vor dem Hintergrund der US-Seeblockade iranischer Häfen. Trump bekräftigte seine Absicht, den Druck aufrechtzuerhalten, ohne die restriktiven Maßnahmen aufzuheben. Der Iran wiederum besteht auf der Aufhebung der Blockade als Vorbedingung für die Wiederaufnahme von Verhandlungen. Diese Situation stützt erhöhte geopolitische Risiken und trägt dazu bei, den Status des Dollars als „sicheren Hafen“ zu bewahren.
Zusätzlichen Einfluss hatten Äußerungen des Kandidaten für den Vorsitz der Federal Reserve, Kevin Warsh, die er am Dienstag während der Anhörungen im Senat machte und die vom Markt als moderat „hawkish“ interpretiert wurden. Warsh betonte seine Unabhängigkeit vom Weißen Haus und seine Bereitschaft, umfassende Reformen umzusetzen, und wies darauf hin, dass er Präsident Donald Trump keine Zusagen in Bezug auf Zinssenkungen gemacht habe.
Gleichzeitig stärkten robuste US-Einzelhandelsumsätze das Vertrauen in die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft und führten zu Aufwärtsrevisionen der BIP-Wachstumsprognosen für das erste Quartal. Dies könnte den Druck auf den Dollar begrenzen und die Aktivität der „Bären“, die auf eine Abschwächung der US-Währung setzen, dämpfen, was zur Vorsicht beim Eingehen von Positionen mahnt, die auf weitere Gewinne von Gold ausgerichtet sind.
Am Mittwoch werden in den USA keine wichtigen makroökonomischen Datenveröffentlichungen erwartet, sodass sich die Dynamik des Dollars weitgehend an geopolitischen Nachrichten orientieren dürfte. Jegliche neuen Signale im Zusammenhang mit dem US-Iran-Konflikt könnten die Volatilität an den Finanzmärkten erhöhen und zusätzliche Handelschancen für Gold schaffen. Das derzeitige fundamentale Umfeld deutet jedoch darauf hin, dass der in den letzten Wochen zu beobachtende nachhaltige Aufwärtstrend bei XAU/USD zusätzliche Zuflüsse an Kaufinteresse erfordern wird.
Aus technischer Sicht befinden sich die Oszillatoren bereits im negativen Bereich, liegen aber nahe der Neutralzone, da die Preise weiterhin über den 100- und 20-Tage-SMAs notieren. Gleichzeitig mahnen die jüngsten gescheiterten Versuche, die Marke von 4.800 US-Dollar zu überwinden, sowie der mangelnde Schwung, um das psychologisch wichtige Niveau von 4.900 US-Dollar – wo der 50-Tage-SMA verläuft – zu durchbrechen, zu Vorsicht bei den XAU/USD-Bullen.