Die Märkte preisen alles ein. Wenn der S&P 500 und der Nasdaq Composite neue Rekordhochs erreichen, müssen Anleger etwas wissen. Zwar sind die Gespräche zwischen den USA und Iran gescheitert, die Straße von Hormus bleibt geschlossen und die Ölpreise sind erhöht. Und doch kaufen die Marktteilnehmer selbstbewusst Rücksetzer bei Aktien und setzen auf starke Unternehmensgewinne. Attraktive Bewertungen nach März, darunter niedrigere erwartete KGVs, spielen dabei eine unterstützende Rolle – und nicht nur diese.
Entwicklung des S&P 500 und globaler Aktienindizes

Der bewaffnete Konflikt im Nahen Osten ist noch nicht beendet, aber Anleger sind überzeugt, dass das Schlimmste überstanden ist. Das Weiße Haus hat die Waffenruhe auf unbestimmte Zeit verlängert. Donald Trump sagt, er werde nicht sofort wieder mit Bombardierungen beginnen. Das wird bereits als gute Nachricht gewertet.
Wenn der US-Präsident widersprüchliche Signale sendet, müssen die Märkte rätseln. Wird es Gespräche geben oder wurden sie nur erfunden? Wird Trump Massenangriffe anordnen oder einen Rückzieher machen? Unter solchen Umständen kehren Anleger ganz natürlich zu bekannten Mustern zurück – etwa zum langwierigen Konflikt in der Ukraine. Je länger sich ein Konflikt hinzieht, desto stärker passen sich die Investoren an.
Es ist durchaus möglich, dass es diesmal genauso kommt. Das Ausmaß des Angebotsausfalls mag sich unterscheiden, doch die Nachfragerückgänge durch hohe Ölpreise, Verkäufe aus strategischen Reserven, die Suche nach Umgehungsrouten und der Einsatz von russischem Öl, das sich derzeit auf Tankern befindet, glätten die negativen Effekte. Mit der Zeit werden die Märkte den geopolitischen Faktor einpreisen und wieder zu ihren Kerntreibern zurückkehren – etwa den Erwartungen kräftiger Unternehmensgewinne oder dem Potenzial von KI-Technologie.
Tech ist nach einer Flaute zu Beginn des Jahres wieder in den Fokus gerückt. Ein paar beeindruckende Quartalsberichte, und Anleger sind bereit, wieder massiv in Big Tech einzusteigen. Von den S&P 500-Unternehmen, die bisher ihre Q1-Ergebnisse vorgelegt haben, haben 80 % die Gewinnerwartungen übertroffen. Die Analysten an der Wall Street rechnen weiterhin mit einem Gewinnwachstum je Aktie im zweistelligen Bereich. Warum also nicht die Kursschwäche zum Einstieg nutzen?
Entwicklung der US-Aktienindizes

Die Märkte befürchteten, dass ein sprunghafter Anstieg des Ölpreises auf Rekordniveau eine weltweite Rezession auslösen würde. Dennoch liegt Brent weit unter den Höchstständen zu Beginn des Ukraine-Konflikts. Zudem waren die Ölbestände in den Schwellenländern bisher ausreichend, um das schlimmste Szenario zu verhindern.

Ja, der Worst Case kann sich weiterhin bewahrheiten – insbesondere bei einer Blockade der Straße von Hormus –, aber es werden neue Ausweichrouten entstehen, und zusätzliche Freigaben aus den strategischen Reserven sind wahrscheinlich.
Technisch eröffnete der S&P 500 im Tageschart mit einem Aufwärts-Gap. Der breite Index legte mit Überzeugung zu und scheint bereit, den Aufwärtstrend wieder aufzunehmen. Unter diesen Bedingungen ergibt es Sinn, sich an Long-Positionen zu orientieren, mit Kurszielen im Bereich von 7.200 und 7.300.