Am Donnerstag setzte das Währungspaar EUR/USD seine Abwärtsbewegung in Richtung des 38,2%-Fibonacci-Retracement-Levels bei 1,1666 fort, nachdem es sich unterhalb des 50,0%-Levels bei 1,1745 konsolidiert hatte, und erreichte dieses bis zum Tagesende nahezu. Ein heutiger Aufprall vom Niveau 1,1666 würde somit eine Umkehr zugunsten des Euro und einen gewissen Anstieg in Richtung 1,1745 ermöglichen. Eine Konsolidierung unterhalb von 1,1666 würde hingegen die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Rückgangs in Richtung des nächsten Retracement-Levels von 23,6% bei 1,1568 erhöhen.

Die Wellenstruktur im Stundenchart gibt derzeit keinen Anlass zur Sorge. Die letzte abgeschlossene Aufwärtswelle hat sechs vorherige Hochs durchbrochen, während die neue Abwärtswelle das letzte Tief noch nicht erreicht hat. Ein zweiwöchiger Waffenstillstand zwischen Iran und den Vereinigten Staaten hat die Bullen unterstützt und ihnen ermöglicht, eine starke Aufwärtswelle auszubilden. Somit ist der Trend derzeit bullisch. Kurzfristig könnte sich das geopolitische Umfeld jedoch wieder verschlechtern, was den Bären mehr Stärke und Zuversicht verleihen würde. Um den Aufwärtstrend zu brechen, wären allerdings zwei Abwärtswellen oder ein Rückgang unter das Tief vom 6. April erforderlich.
Am Donnerstag bemühte sich das wirtschaftliche Umfeld nach Kräften, die Trader zufriedenzustellen, doch diese reagierten erneut nur verhalten auf die Konjunkturdaten. Der europäische Block der PMI-Daten lässt sich unterschiedlich interpretieren. So fielen die Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor in Deutschland und der EU im April auf 46,9 bzw. 47,4 Punkte. Es ist bemerkenswert, dass der Dienstleistungssektor in den vergangenen Jahren der Haupttreiber war, der die wirtschaftliche Aktivität und die Gesamtwirtschaft der Eurozone gestützt hat. Die Industrieproduktion kämpft bereits seit Längerem mit ernsten Problemen. Gleichzeitig zeigten die PMI-Werte für das verarbeitende Gewerbe recht solide Ergebnisse, nicht schlechter als die Prognosen: 51,2 in Deutschland und 52,2 in der Eurozone. Daher ist es schwierig, dieses Datenpaket als eindeutig negativ zu bezeichnen. Die Trader bewerteten es jedoch weder positiv noch negativ und ignorierten die Veröffentlichungen weitgehend. Dasselbe gilt für die PMI-Daten aus den USA und den Bericht zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe.

Im 4-Stunden-Chart prallte das Paar vom 38,2%-Korrekturlevel bei 1,1849 ab, drehte zugunsten des US-Dollars und konsolidierte sich unterhalb des 61,8%-Fibonacci-Levels bei 1,1706. Damit könnte die Abwärtsbewegung sich in Richtung des nächsten Korrekturlevels von 76,4% bei 1,1617 fortsetzen. Ein erneuter Abprall von 1,1617 würde den Euro begünstigen und einen Anstieg in Richtung 1,1706 und 1,1778 unterstützen. Auf den Indikatoren sind heute keine sich abzeichnenden Divergenzen zu erkennen.
Commitments of Traders (COT) Report:

In der vergangenen Berichtswoche eröffneten professionelle Trader 13.693 Long-Positionen und schlossen 19.866 Short-Positionen. In den letzten sieben Wochen hat sich der zuvor deutliche Vorteil der Bullen spürbar verringert. Die Gesamtzahl der von Spekulanten gehaltenen Long-Positionen beläuft sich nun auf 214.000, während Short-Positionen 188.000 ausmachen. Noch vor zwei Monaten war der Vorteil der Bullen unter den Non-Commercial-Tradern mehr als doppelt so groß.
Insgesamt zeigen die großen Marktteilnehmer langfristig weiterhin ein starkes Interesse am Euro. Allerdings beeinflussen globale Ereignisse – an denen es in den letzten Jahren nicht mangelte – nach wie vor die Stimmung der Anleger. Insbesondere richtet sich die Aufmerksamkeit der Märkte weiterhin auf den Nahen Osten, wo der Konflikt zwar pausiert, aber nicht gelöst ist. Daher werden sich die Wechselkurse von Euro und Dollar in näherer Zukunft weniger an der Geldpolitik der Federal Reserve und der ECB oder an Konjunkturdaten orientieren, sondern stärker an den Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Konflikt mit Iran. Der Dollar könnte aus dieser Situation weiterhin Nutzen ziehen.
Wirtschaftskalender für die USA und die Eurozone:
- Deutschland – Geschäftsklimaindex (08:00 UTC)
- USA – University of Michigan Consumer Sentiment Index (14:00 UTC)
Am 24. April umfasst der Wirtschaftskalender nur zwei Termine, von denen keiner als besonders wichtig einzustufen ist. Der Einfluss des Nachrichtenumfelds auf die Marktstimmung dürfte daher am Freitag eher gering bleiben.
EUR/USD-Prognose und Trading-Tipps:
Verkaufsgelegenheiten ergaben sich nach einem Rückprall von 1,1824 im Stundenchart sowie nach einer Konsolidierung unterhalb von 1,1745. Das aktuelle Kursziel bei 1,1666 ist nahezu erreicht. Neue Short-Positionen können nach einem Schlusskurs unter 1,1666 mit Ziel 1,1568 in Betracht gezogen werden. Long-Positionen sind nach einem Rückprall von 1,1666 mit Ziel 1,1745 sinnvoll. Die Handelsaktivität der Trader war in den vergangenen Tagen vergleichsweise gering.
Die Fibonacci-Retracements sind im Stundenchart von 1,2082 bis 1,1410 und im 4-Stunden-Chart von 1,1474 bis 1,2082 eingezeichnet.