
Das Wellenmuster im 4‑Stunden-Chart für EUR/USD hat sich etwas verändert. Vom Abbruch des seit Januar letzten Jahres laufenden Aufwärtstrendsegments (unterer Chart) kann weiterhin keine Rede sein, aber die Struktur des Trends wirkt inzwischen recht uneindeutig.
In solchen Situationen empfehle ich immer, auf einen kleineren Zeitrahmen (oberer Chart) zu wechseln und sich auf die einfachsten und kleinsten Wellenstrukturen zu konzentrieren, um kurzfristige Prognosen zu erstellen – was für das Eröffnen von Trades völlig ausreicht. Wellenstrukturen können sehr komplex sein und mehrere Szenarien zulassen. Am einfachsten ist es, standardmäßige „Fünf-Drei“-Muster zu handeln.
Im oberen Chart lässt sich ein klassischer fünfwelliger Impuls mit verlängerter dritter Welle erkennen. Falls das richtig ist, ist diese Struktur bereits abgeschlossen, und der Markt bildet derzeit eine Korrekturphase aus mindestens drei Wellen. Drei Wellen haben wir bereits gesehen, daher dürfte der Markt in naher Zukunft mindestens eine weitere Korrekturwelle ausbilden.
Die weitere Entwicklung hängt von der Geopolitik ab: ob sich die Korrektur verkompliziert oder ein neuer abwärtsgerichteter Trendabschnitt beginnt.
EUR/USD legte trotz völliger Nachrichtenflaute um etwa 55 Basispunkte zu. Am Montag gab es nicht einmal neue Meldungen zur Geopolitik.
Zur Erinnerung: Am vergangenen Freitag kehrten die Marktteilnehmer zu Optimismus zurück, nachdem über den Besuch des iranischen Außenministers Abbas Araghchi in Pakistan berichtet worden war. Am Samstagmorgen stellte sich jedoch heraus, dass Herr Araghchi keine Gespräche mit US-Vertretern führen würde und die amerikanische Delegation nicht einmal nach Islamabad aufgebrochen war. Mit anderen Worten: Ein weiterer Versuch, Gespräche zwischen Teheran und Washington zu organisieren, ist gescheitert.
Gleichzeitig deuten verschiedene Insiderberichte darauf hin, dass informelle Verhandlungen zwischen Iran und den USA weiterlaufen – diese ähneln jedoch eher einem Austausch von Vorschlägen, der letztlich zu formellen Gesprächen führen soll.
Dennoch scheint der Markt dieses Szenario zu bevorzugen. Schon allein die Aussicht auf Verhandlungen – und damit auf eine mögliche Einigung und Waffenruhe – ist attraktiver als ein fragiler Waffenstillstand, der jederzeit in eine Eskalation umschlagen kann.
Interessanterweise scheint der Ölmarkt nicht an eine positive Lösung der Auseinandersetzung zwischen Iran und den USA zu glauben. Der Spotpreis für Brent-Rohöl stieg heute auf 107 US-Dollar je Barrel und hat sich in den letzten zwei Wochen um etwa 20 Dollar verteuert.
Gleichzeitig ist die Nachfrage nach dem US-Dollar im gleichen Zeitraum deutlich zurückgegangen. Daraus ergibt sich ein Schluss: Die Märkte benötigen den Dollar nicht mehr als „sicheren Hafen“, glauben aber auch nicht wirklich an eine zeitnahe Lösung des Konflikts im Nahen Osten.
Vor diesem Hintergrund kann EUR/USD weiter steigen, allerdings sollte man im Blick behalten, dass in dieser Woche drei Sitzungen von Zentralbanken anstehen.
Allgemeine Schlussfolgerungen
Auf Basis der Analyse von EUR/USD komme ich zu dem Schluss, dass das Instrument sich weiterhin in einem Aufwärtstrendsegment (unterer Chart) und kurzfristig in einer Korrekturstruktur befindet.
Das Korrekturwellenmuster wirkt weitgehend abgeschlossen und könnte nur dann komplexer und ausgedehnter werden, wenn sich die geopolitische Lage im Nahen Osten verbessert. Andernfalls könnte sich von den aktuellen Niveaus aus eine neue abwärtsgerichtete Wellenfolge entwickeln.
Eine Korrekturwelle haben wir bereits gesehen; was als Nächstes passiert, hängt davon ab, wie sehr der Markt an einen erfolgreichen Ausgang der Verhandlungen glaubt.
Im kleineren Zeitrahmen ist das gesamte Aufwärtstrendsegment sichtbar. Die Wellenstruktur ist nicht völlig standardisiert, da die Korrekturwellen unterschiedlich groß ausfallen. So ist zum Beispiel die übergeordnete Welle 2 kleiner als die interne Welle 2 innerhalb der Welle 3. Solche Fälle kommen jedoch vor.
Ich möchte betonen, dass es besser ist, sich auf klare und gut nachvollziehbare Strukturen zu konzentrieren, statt zu versuchen, jedes einzelne Wellenfragment zwanghaft zu beschriften. Der Trend könnte sich in naher Zukunft umkehren.
Grundprinzipien meiner Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und übersichtlich sein. Komplexe Strukturen sind schwer handelbar und ändern sich oft.
- Wenn keine ausreichende Sicherheit in Bezug auf die Marktsituation besteht, ist es besser, an der Seitenlinie zu bleiben.
- Es gibt nie absolute Gewissheit über die Marktrichtung. Schützen Sie sich immer mit Stop-Loss-Orders.
- Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analysemethoden und Handelsstrategien kombinieren.
