
Das Wellenmuster im 4-Stunden-Chart für EUR/USD hat sich verändert. Von einer Aufhebung des seit Januar letzten Jahres laufenden Aufwärtstrendsegments (unterer Chart) kann zwar weiterhin keine Rede sein, doch wirkt die Wellenstruktur inzwischen recht uneindeutig. In solchen Situationen empfehle ich stets, auf einen kleineren Zeitrahmen (oberer Chart) zu wechseln und sich auf die einfachsten und kleinsten Wellenstrukturen zu konzentrieren, um eine kurzfristige Prognose zu erstellen, die für das Eröffnen von Trades ausreicht. Wellenstrukturen können sehr komplex sein und mehrere Szenarien zulassen. Am einfachsten ist es, nach dem Standardmuster „fünf-drei“ zu handeln.
Im obigen Chart lässt sich eine klassische fünfwellige Impulsstruktur mit verlängerter dritter Welle erkennen. Falls dies tatsächlich zutrifft, ist diese Struktur bereits abgeschlossen, und es bildet sich derzeit eine korrektive Wellenfolge aus mindestens drei Wellen. Drei Wellen haben wir bereits gesehen, daher wird der Markt in naher Zukunft höchstwahrscheinlich mindestens eine weitere korrektive Welle ausbilden. Wie sich die Ereignisse anschließend entwickeln, hängt von der Geopolitik ab: Entweder entsteht eine komplexere Korrektur, oder es beginnt ein neues Abwärtstrendsegment.
Das Währungspaar EUR/USD ist am Mittwoch um 30 Basispunkte gefallen, und die Volatilität blieb sehr gering. Der Markt zeigt nach wie vor keine Bereitschaft zu aktivem Handel und zieht es vor, die weitere Entwicklung abzuwarten. Zur Erinnerung: Die nächsten 24 Stunden werden für die wirtschaftlichen Perspektiven der Eurozone, der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreichs äußerst wichtig sein. Die Zentralbanken dieser Regionen halten ihre dritten Sitzungen in diesem Jahr ab. Auch wenn der Markt keine Änderungen der Geldpolitik erwartet, könnten von den Zentralbankchefs, die traditionell die Ergebnisse der Sitzungen zusammenfassen, wichtige Signale ausgehen. Die Marktteilnehmer werden jegliche Tonänderungen im Vergleich zu früheren Aussagen genau beobachten müssen, da diese die kurzfristige Dynamik von EUR/USD und GBP/USD bestimmen werden.
Gleichzeitig möchte ich anmerken, dass ich nach wie vor nicht mit starken Marktbewegungen oder hoher Handelsaktivität rechne. Natürlich könnten Jerome Powell oder Christine Lagarde zukünftige Zinserhöhungen andeuten, und dafür gibt es Gründe: Die Straße von Hormus bleibt doppelt blockiert, und Brent-Rohöl ist auf 120 US-Dollar pro Barrel zurückgekehrt und dürfte weiter steigen. Entsprechend ist von einer Beschleunigung der globalen Inflation auszugehen. Heute wurde in Deutschland der Inflationsbericht für April veröffentlicht, dessen Daten verhalten optimistisch stimmen. Die Verbraucherpreise sind im Jahresvergleich nur um 2,9 % gestiegen – viele hatten mit einem deutlich stärkeren Anstieg gerechnet. Dennoch steigt die Inflation und entfernt sich von den Zielniveaus der Zentralbanken. Daher sind Zinserhöhungen wohl nur eine Frage der Zeit.
Allgemeine Schlussfolgerungen
Auf Basis dieser EUR/USD-Analyse komme ich zu dem Schluss, dass sich das Paar weiterhin in einem Aufwärtstrendsegment (unterer Chart) befindet, sich kurzfristig jedoch innerhalb einer korrektiven Struktur bewegt. Das Korrekturmuster wirkt weitgehend abgeschlossen und könnte nur dann komplexer und ausgedehnter werden, wenn sich die geopolitische Lage im Nahen Osten verbessert. Andernfalls könnte von den aktuellen Niveaus aus eine neue abwärtsgerichtete Wellenfolge beginnen. Eine Korrekturwelle haben wir bereits gesehen; was als Nächstes geschieht, hängt vom Vertrauen des Marktes in einen erfolgreichen Ausgang der Verhandlungen ab.
Im kleineren Zeitrahmen ist das gesamte Aufwärtstrendsegment sichtbar. Die Wellenstruktur ist nicht ganz standardisiert, da sich die Korrekturwellen in ihrer Größe unterscheiden. So ist beispielsweise die höhergradige Welle 2 kleiner als die interne Welle 2 innerhalb der Welle 3. Dennoch kommt so etwas vor. Ich möchte daran erinnern, dass es am besten ist, auf den Charts klare Strukturen zu identifizieren, anstatt sich sklavisch an jede einzelne Welle zu klammern. Die jüngsten Wellen sind schwer zu interpretieren, daher stütze ich mich in meiner Analyse stärker auf die höheren Zeitrahmen.
Grundprinzipien meiner Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und klar sein. Komplexe Strukturen sind schwer handelbar und unterliegen häufigen Veränderungen.
- Wenn keine ausreichende Sicherheit bezüglich der Marktlage besteht, ist es besser, an der Seitenlinie zu bleiben.
- Es gibt niemals 100-prozentige Gewissheit über die Marktrichtung. Schützen Sie Ihre Positionen immer mit Stop-Loss-Orders.
- Die Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombinieren.
