Das Währungspaar GBP/USD hat erneut zugunsten des Pfunds gedreht und seine Aufwärtsbewegung wieder aufgenommen – ganz im Einklang mit dem aktuellen technischen Bild. In der vergangenen Woche reagierte der Kurs auf die bullische Imbalance 20 und generierte damit ein weiteres Kaufsignal – mittlerweile das vierte. Ohne die positiven geopolitischen Entwicklungen, die die Attraktivität des Dollars in den Augen der Trader geschmälert haben, wäre diese neue Rallye allerdings möglicherweise ausgeblieben. Nichtsdestotrotz hatten die Trader einen klar erkennbaren Interessenbereich sowie ein bekanntes Muster, innerhalb dessen ein weiteres Kaufsignal zu erwarten war. Wie wir sehen, hat sich dieses Signal tatsächlich ausgebildet.
Der einzige Faktor, der den Vormarsch der Bullen stoppen könnte, ist die Geopolitik selbst. Meiner Ansicht nach kann sich die geopolitische Stimmung jederzeit drehen, weshalb Trader sämtliche Nachrichten zu den Verhandlungen zwischen Iran und den Vereinigten Staaten genau verfolgen sollten. Zumal es in den Gesprächen weiterhin keine sichtbaren Fortschritte gibt. Gleichzeitig häufen sich Situationen, die das vorübergehende Waffenstillstandsabkommen beenden und eine erneute Eskalation auslösen könnten. Allein in der vergangenen Woche gab es drei derartige Vorfälle. Die Frage ist nun: Wie viele werden es in dieser Woche sein?

Die Lage rund um die Konfliktlösung im Nahen Osten kommt nur schwer voran, während Händler weiterhin unsicher sind, in welche Richtung das Pendel als Nächstes ausschlagen wird. Heute könnten die Bullen im Vorteil sein, morgen womöglich wieder die Bären. Derzeit haben die Bullen zwar noch die stärkere Position inne, doch sollte die Eskalation erneut aufflammen, könnten die Bären zu einer breit angelegten Offensive ansetzen.
Die Rally des Pfunds begann zunächst mit einem „Three Drives Pattern“. Dieses lieferte den Händlern bereits zu Beginn der Bewegung ein bullisches Signal, und der übergeordnete Trend ist weiterhin aufwärtsgerichtet. Der Waffenstillstand im Nahen Osten ist aktuell noch fragil, auch wenn die beteiligten Parteien laut Medienberichten weiter versuchen, zu verhandeln. Die Märkte können sich jedoch nicht dauerhaft auf Nachrichten stützen, denen eine gesicherte Faktenbasis fehlt. Offizielle Verhandlungen könnten zwar wiederaufgenommen werden, doch ebenso gut könnte der Konflikt erneut aufflammen.
Die Straße von Hormus steht de facto weiterhin unter einer doppelten Blockade, und sowohl Teheran als auch Washington scheinen entschlossen, diese aufzuheben – bislang allerdings ohne Erfolg. Die Lage verbessert sich, aber nur sehr langsam, und die Einschätzungen beruhen nach wie vor weitgehend auf unbestätigten Berichten. Die Märkte sind weiterhin von Optimismus geprägt, doch eine harte Realität könnte jederzeit für Ernüchterung sorgen.
Das „Three Drives Pattern“, im Chart mit einem Dreieck markiert, ermöglichte es den Bullen, wieder die Kontrolle zu übernehmen. Die Imbalance 18 eröffnete den Händlern eine Chance, Long-Positionen einzugehen, Imbalance 19 bot dieselbe Gelegenheit erneut, und Imbalance 20 tat dies abermals. Insgesamt sind damit vier bullische Signale innerhalb der laufenden Impulswelle aufgetreten. Die Geopolitik hat es den Bullen erlaubt, eine neue Offensive zu starten, doch sie könnte ebenso gut wieder zugunsten der Bären kippen.
Am Montag gab es keine nennenswerten Konjunkturdaten, doch derzeit scheinen die Händler diese auch nicht zu benötigen. Am Freitag wurden zwar mehrere wichtige Berichte veröffentlicht, dennoch zeigte der Markt kaum Interesse an den US-Arbeitslosenzahlen oder den Nonfarm Payrolls – ganz zu schweigen von weniger bedeutenden Veröffentlichungen. In diesem Umfeld könnte das Ausbleiben wirtschaftlicher Daten für die Händler sogar ein positiver Faktor sein, da keine Spekulation darüber nötig ist, ob der Markt auf neue Makrodaten reagieren wird.
In den Vereinigten Staaten deutet das breitere fundamentale Umfeld weiterhin auf eine anhaltende, langfristige Schwäche des Dollars hin. Selbst der Konflikt zwischen Iran und den USA ändert daran wenig. Die Geopolitik hat die Märkte vorübergehend – für etwa zwei Monate – an den Status des Dollars als „sicheren Hafen“ erinnert, doch strukturell bleibt der langfristige Ausblick für die US‑Währung schwierig.
Der US-Arbeitsmarkt schwächt sich weiter ab, die Wirtschaft nähert sich einer Rezession, und im Gegensatz zur EZB und der Bank of England wird von der Federal Reserve im Jahr 2026 keine Straffung der Geldpolitik erwartet. Zudem hat es in den USA bereits vier große Proteste gegen Donald Trump gegeben, während der mögliche Rücktritt von Jerome Powell die Lage für den Dollar weiter verschlechtern könnte – insbesondere, wenn das FOMC unter Kevin Warsh einen deutlich „dovisheren“ Kurs einschlägt. Aus ökonomischer Sicht sehe ich derzeit keine tragfähigen Gründe für ein nachhaltiges Dollarwachstum.
Wirtschaftskalender für die USA und Großbritannien
- Vereinigte Staaten – Verbraucherpreisindex (12:30 UTC)
Der Wirtschaftskalender für den 12. Mai enthält nur einen einzigen Termin, dafür aber einen wichtigen. Entsprechend könnten die Konjunkturdaten am Dienstag, vor allem in der zweiten Tageshälfte, die Marktstimmung beeinflussen.
GBP/USD-Prognose und Handelsempfehlungen
Der langfristige Ausblick für das Pfund bleibt bullisch. Das „Three Drives Pattern“ hat frühzeitig auf den Beginn der Rally hingewiesen, und seither haben sich drei zusätzliche bullische Formationen und drei bullische Signale herausgebildet. Daher rechne ich trotz geopolitischer Unsicherheit unter den aktuellen Rahmenbedingungen weiter mit steigenden Pfundkursen.
Allerdings muss eingeräumt werden, dass die Geopolitik den Aufwärtsschwung der Bullen nach wie vor ausbremsen könnte. Mein Kursziel für das Pfund bleibt das Hoch aus dem Jahr 2026 bei 1,3867. Die Reaktion auf Imbalance 20 eröffnete den Händlern eine weitere – inzwischen dritte oder vierte – Gelegenheit, Long-Positionen einzugehen.