Die vorläufigen PMI-Daten für Mai aus der Eurozone und dem Vereinigten Königreich werden heute in der ersten Tageshälfte veröffentlicht, und der Markt wird diesen Zahlen große Aufmerksamkeit schenken.

Für die Eurozone deutet die Konsensprognose für den Einkaufsmanagerindex (PMI) im verarbeitenden Gewerbe darauf hin, dass der Index in der Nähe des April-Niveaus von 52,2 bleibt, mit einer leichten Abschwächung auf 51,5–52,0. Dabei ist zu beachten, dass das verarbeitende Gewerbe im April die besten Ergebnisse seit fast vier Jahren verzeichnete; ein Großteil dieses Wachstums wurde jedoch auf vorgezogene Käufe im Zusammenhang mit Sorgen über Lieferketten und den Krieg zurückgeführt – und weniger auf ein tatsächliches Nachfragewachstum. Dieser Effekt könnte sich im Mai abschwächen.
Im Dienstleistungssektor stellt sich die Lage deutlich schlechter dar: Im März fiel der Services-PMI der Eurozone auf 50,2 – den niedrigsten Stand seit Mai des Vorjahres, und der zusammengesetzte PMI (Composite PMI) sank im April auf 48,8 – ein 17-Monats-Tief, was auf eine rückläufige Aktivität hinweist. Die Prognose für Mai liegt bei rund 49,5–50,0, was bedeutet, dass der Markt erneut an der Schwelle zwischen Wachstum und Schrumpfung balanciert. Bleiben die Daten unter 50, gerät der Euro zusätzlich unter Druck: Die Schwäche im Dienstleistungssektor in Kombination mit Inflationsdruck schafft jene Stagflationsfalle, vor der Nagel und Wunsch in ihren jüngsten Reden gewarnt haben. Überrascht der PMI hingegen mit einem Anstieg über 50, könnte der Euro kurzfristig Unterstützung erhalten – der Markt würde dies als Signal werten, dass die Wirtschaft den Energieschock besser verkraftet als erwartet.
Im Vereinigten Königreich fiel das Bild für April deutlich erfreulicher aus. Der PMI für das verarbeitende Gewerbe sprang auf 53,7 – den höchsten Wert seit Mai 2022 – während der Services-PMI auf 52,7 stieg und damit die Markterwartungen von 50,0 deutlich übertraf. Die Prognosen für Mai sind zurückhaltender: Für den PMI im verarbeitenden Gewerbe wird ein Wert von etwa 52,0–52,5 erwartet, für den Services-PMI von rund 51,5–52,0.
Es ist erwähnenswert, dass das Wachstum im April ebenfalls teilweise durch den Effekt vorgezogener Käufe erklärt wurde und sich die Belastbarkeit der Mai-Zahlen als echter Stresstest für die britische Wirtschaft erweisen dürfte. Bleiben die Daten über dem April-Niveau oder zumindest in dessen Nähe, hätte das Pfund ein starkes Argument für eine Aufwertung – zumal die jüngsten Inflationsdaten unerwartet auf 2,8 % gefallen sind. Die Kombination aus niedriger Inflation und robusten PMIs könnte die Entschlossenheit der Bank of England stützen, die Zahl der Zinserhöhungen gering zu halten, was paradoxerweise das Pfund schwächen könnte. Fallen die PMI-Daten dagegen enttäuschend aus, insbesondere im Dienstleistungssektor, dürfte der Druck auf das Pfund von beiden Seiten zunehmen.