Gold ist heute um 0,9% auf etwa 4.527 $ je Unze zurückgefallen und hat damit die Gewinne von gestern vollständig ausgelöscht. Auslöser für diesen Rückgang waren US-Militärschläge auf Raketenabschussrampen im Iran sowie auf Boote, die versucht hatten, Minen in der Straße von Hormus zu legen. Washington bezeichnete die Angriffe als defensiv; der Markt wertete sie jedoch eindeutig als Signal, dass ein tatsächlicher Waffenstillstand weiterhin in weiter Ferne liegt.

Die Lage wird durch eine weitere Front zusätzlich verkompliziert. Israel hat während der Verhandlungen zwischen den USA und Iran eine Ausweitung der Angriffe auf die Hisbollah angekündigt, während Teheran darauf besteht, dass ein Ende der Feindseligkeiten im Libanon Teil jeder endgültigen Vereinbarung sein muss. Mit anderen Worten: Selbst wenn sich die Parteien in Bezug auf die Straße von Hormus einigen, bedeutet das noch nicht das Ende des Krieges im weiteren Sinne.
Das ist besonders ungünstig für Gold. Das Metall hat seit Beginn des Konflikts rund 14 % verloren und es ist nicht gelungen, eine nachhaltige Erholung einzuleiten – auf jede optimistische Schlagzeile folgt eine neue Eskalation, und der Markt reagiert nicht mehr mit der früheren Begeisterung auf diplomatische Signale. Solange sich Gold im Gleichschritt mit den Aktienmärkten bewegt – nach oben bei Nachrichten über Verhandlungen und nach unten bei Meldungen über Angriffe – erfüllt es seine Funktion als sicherer Hafen nur eingeschränkt. Eine echte Chance auf Erholung erhält Gold erst nach Beendigung des Konflikts.
Bemerkenswert ist, dass Brent-Rohöl heute etwa 2 % zugelegt hat – die Angriffe haben das Risiko länger anhaltender Angebotsunterbrechungen erhöht und einen Teil der gestrigen geopolitischen Prämie zurückgebracht. Das zeigt, dass die Inflationsrisiken bestehen bleiben, dass die Zinsen hoch bleiben und dass der Druck auf Gold als unverzinsliche Anlage anhält. Solange die Verhandlungen nach dem Muster „drei Schritte vor, zwei Schritte zurück“ verlaufen, wird das Metall weiter seitwärts tendieren und auf den Moment warten, in dem der Markt endlich etwas Greifbareres erhält als die nächste Erklärung über Fortschritte.

Was das aktuelle technische Bild für Gold betrifft, müssen die Käufer zunächst den nächstgelegenen Widerstand bei 4.546 USD überwinden. Dadurch würde sich das Kursziel bei 4.607 USD eröffnen, oberhalb dessen ein nachhaltiger Durchbruch jedoch ziemlich problematisch sein dürfte. Das nächste Ziel läge dann im Bereich von 4.656 USD. Kommt es hingegen zu einem Rückgang beim Goldpreis, werden die Bären darauf abzielen, die Kontrolle bei 4.481 USD zu übernehmen. Gelingt ihnen dies, würde ein Ausbruch aus der Handelsspanne die Long-Positionen erheblich unter Druck setzen und Gold auf ein Tief bei 4.432 USD drücken, mit der Perspektive eines weiteren Rückgangs bis 4.372 USD.