Je geringer die Chancen auf ein Friedensabkommen werden, desto schlechter stehen auch die Aussichten für weiteres Wachstum von Gold, das derzeit bei etwas über 4.486 US-Dollar je Unze notiert.

Das Marktbild bleibt unverändert: Die Kampfhandlungen zwischen US‑ und iranischen Streitkräften in der Nähe der Straße von Hormus dauern an, obwohl beide Seiten von diplomatischen Fortschritten sprechen, und Vertreter des Weißen Hauses weisen darauf hin, dass die Einigung noch einige Tage bis zur endgültigen Ausarbeitung benötigen wird.
Das Paradoxe an der Situation ist, dass die Aktienmärkte Rekordstände erreichen, während Gold unter Druck steht – und das ist kein Widerspruch, sondern dieselbe Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven. Aktien steigen aufgrund der Erwartungen einer Deeskalation und des Optimismus rund um KI, während Gold durch genau dasselbe Szenario belastet wird: Ein Friedensabkommen bedeutet günstigeren Ölpreis, sinkende Inflation und Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik, was das Hauptargument zugunsten des „sicheren Hafens“ abschwächt. Die Preisasymmetrie ist derzeit deutlich in Richtung eines Rückgangs verzerrt: Unter nahezu jedem Szenario gibt es mehr Gründe für fallende als für steigende Goldpreise. Allerdings dürfte dieser Rückgang nicht lange anhalten, und es wird sicherlich Marktteilnehmer geben, die die Gelegenheit nutzen wollen, zu deutlich attraktiveren Preisen als zuvor einzusteigen.
Seit Beginn des Konflikts hat das Edelmetall rund 15 % an Wert verloren und es ist nicht gelungen, eine nachhaltige Erholung einzuleiten. Inflationsrisiken bestehen weiterhin – der Gouverneur der Bank of Japan, Kazuo Ueda, warnte in dieser Woche, dass ein starker Anstieg der Ölpreise breitere Inflationsrisiken für die japanische Wirtschaft mit sich bringen könnte. Zentralbanken weltweit bereiten sich eher auf eine Straffung als auf eine Lockerung der Geldpolitik vor. Dies setzt Gold über den Zinskanal unter Druck: Das unverzinste Metall verliert an Attraktivität, solange die Renditen von US‑Staatsanleihen nahe Mehrjahreshochs notieren.
Silber hat 0,1 % auf 76,97 Dollar verloren. Auch Platin und Palladium haben nachgegeben.

In Bezug auf das aktuelle technische Bild für Gold müssen die Käufer den nächstgelegenen Widerstand bei 4.546 USD überwinden. Dadurch eröffnet sich das Ziel bei 4.607 USD, oberhalb dessen ein Durchbruch allerdings recht herausfordernd sein dürfte. Das am weitesten entfernte Ziel liegt im Bereich von 4.656 USD. Kommt es hingegen zu einem Rückgang beim Goldpreis, werden die Bären versuchen, bei 4.481 USD die Kontrolle zu übernehmen. Gelingt ihnen das, würde ein Ausbruch aus der Handelsspanne die Long-Positionen erheblich unter Druck setzen und den Goldpreis möglicherweise bis auf ein Tief von 4.432 USD drücken, mit der Perspektive eines weiteren Rückgangs in Richtung 4.372 USD.