Gold hat etwa 0,8 % zugelegt und wird bei rund 4.538 US-Dollar je Unze gehandelt, womit es die Verluste der vorherigen Sitzung nahezu wettgemacht hat. Die Erholung wurde durch einen Rückgang der Ölpreise ausgelöst, nachdem diese gestern sprunghaft angestiegen waren – über diesen Kanal wirkt sich der Krieg im Nahen Osten am stärksten auf Gold aus.

Die zugrunde liegenden Mechanismen sind bekannt: Steigen die Ölpreise, ziehen die Inflationserwartungen an, die Zinsen steigen und der Goldpreis fällt – und umgekehrt. Inzwischen ist klar, dass Gold sich weiterhin in diesem Muster bewegen wird, geprägt vom Zusammenspiel der Faktoren „Inflation – Zinsen – Renditen – Dollar“. Das ist auch der Grund, weshalb das Metall, das traditionell als sicherer Hafen in Krisenzeiten gilt, seit Beginn des Krieges rund 14 % an Wert verloren hat.
Der diplomatische Hintergrund bleibt weiterhin unklar. Trump erklärte, die Verhandlungen mit Iran kämen „mit hoher Geschwindigkeit“ voran, womit er den gestrigen Drohungen Teherans widersprach, die Diplomatie einzustellen und die Straße vollständig zu schließen. Am selben Tag jedoch gaben Trump und Netanyahu grundverschiedene Schilderungen eines Telefongesprächs zur Lage im Libanon ab, was einmal mehr zeigt, wie undurchsichtig das Verhandlungsumfeld ist. Zudem ist zu beachten, dass Trump das 60-tägige Waffenstillstandsabkommen bislang noch nicht gebilligt hat.
Die Libanon-Frage entwickelt sich zunehmend zu einem ernsthaften Hindernis für eine umfassende Lösung. Iran beharrt darauf, dass die Beendigung der Feindseligkeiten zwischen Hezbollah und Israel Bestandteil eines jeden endgültigen Abkommens sein muss, während Washington und Tel Aviv diese beiden Verhandlungsschienen als getrennt betrachten. Diese Divergenz führt zu einer Konstellation, in der Fortschritte in der Straße von Hormus nicht zwangsläufig zu Fortschritten bei der übergeordneten Lösung führen.
Es ist festzuhalten, dass die laufende Verhandlungsrunde nun schon seit mehreren Wochen andauert und der Markt allmählich die Geduld verliert. Auf jede vielversprechende Schlagzeile folgt entweder ein neuer Angriff, ein Dementi aus Teheran oder Schweigen aus Washington. Trump drängt auf eine Beschleunigung – zum Teil wegen innenpolitischer Zwänge im Vorfeld der Zwischenwahlen im November, bei denen hohe Benzinpreise die Republikaner teuer zu stehen kommen könnten. Dieser Druck könnte ihn jedoch dazu veranlassen, ein Abkommen zu akzeptieren, das sich im Nachhinein als nicht ausreichend hart in der Nuklearfrage erweist – und damit erneut Widerstand der republikanischen Hardliner provoziert. Für diese politische Pattsituation ist derzeit keine eindeutige Lösung erkennbar.

Silber legt heute um 2,2 % zu und erreicht 76,51 US-Dollar und entwickelt sich damit deutlich besser als Gold. Platin und Palladium notieren ebenfalls im Plus.
Mit Blick auf das aktuelle technische Bild für Gold müssen die Käufer zunächst den nächstgelegenen Widerstand bei 4.546 US-Dollar zurückerobern. Dadurch könnten sie anschließend 4.607 US-Dollar ins Visier nehmen – ein Niveau, dessen Überwinden sich als recht schwierig erweisen dürfte. Das fernere Kursziel liegt im Bereich von 4.656 US-Dollar. Kommt es dagegen zu einem Rückgang, werden die Bären versuchen, bei 4.481 US-Dollar die Kontrolle zu übernehmen. Gelingt ihnen der Durchbruch dieser Spanne, wäre dies ein schwerer Schlag für die Position der Bullen und könnte Gold auf ein Tief von 4.432 US-Dollar drücken, mit der Aussicht auf einen weiteren Rückgang bis 4.372 US-Dollar.