Das Wellenmuster im 4-Stunden-Chart für EUR/USD hat sich verändert. Es gibt nach wie vor keinen Grund, von einer Aufhebung des bullischen Trendsegments (im unteren Chart dargestellt) zu sprechen, das im Januar des vergangenen Jahres begonnen hat. Die Trendstruktur hat nun jedoch einen korrektiven Charakter angenommen. Aus langfristiger Sicht ist eine Welle C zu erwarten, deren Tief unterhalb des Tiefs der Welle A liegen dürfte.
Derzeit fällt es schwer, an einen derart ausgeprägten Rückgang des Euro zu glauben, doch das erste Quartal 2026 hat gezeigt, dass geopolitische Entwicklungen Markttrends abrupt verändern können.
In der kleineren Zeitebene lässt sich eine klassische dreiteilige bullische Korrekturstruktur erkennen. Nach deren Abschluss begann sich ein neues Abwärts-Trendsegment zu formen, das logischerweise impulsiv sein sollte. Trifft diese Annahme zu, ist innerhalb der übergeordneten Welle C eine fünfteilige Struktur zu erwarten, mit Zielen unterhalb der Marke von 1,1400.
Gibt es ausreichend fundamentale Gründe, um eine derart starke Aufwertung des US-Dollar zu erwarten? Eindeutig nicht. Der Markt verliert jedoch zunehmend das Vertrauen in die Aussicht auf ein Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran, was die Käufer des Dollar unterstützt.
Das Währungspaar EUR/USD gab am Mittwoch um 30 Basispunkte nach und bewegt sich allmählich auf die Ausbildung einer neuen Abwärtswelle zu, die als fünfte Welle innerhalb der aktuellen bärischen Struktur identifiziert werden könnte. Ist diese Interpretation korrekt, ergibt sich nur ein Schluss: Der Markt hat seine Hoffnungen auf ein Friedensabkommen zwischen Iran und den Vereinigten Staaten weitgehend aufgegeben und wendet sich erneut verstärkt sicheren Häfen und Währungen zu.
Der jüngste Rückgang am Kryptowährungsmarkt stützt diese Sichtweise indirekt. Trader reduzieren erneut ihr Risikoengagement, da die Hoffnungen auf einen dauerhaften Waffenstillstand im Nahen Osten weiter schwinden.
Die heutigen geopolitischen Schlagzeilen möchte ich gar nicht im Einzelnen aufzählen. Sie liefern nichts grundlegend Neues oder besonders Informatives. Tag für Tag erhalten die Marktteilnehmer dieselbe Sammlung widersprüchlicher Meldungen oder Stellungnahmen, die die objektive Realität nicht abbilden.
Gleichzeitig wurden heute nur sehr wenige Konjunkturdaten veröffentlicht, und der Markt schenkt makroökonomischen Indikatoren weiterhin nur begrenzte Beachtung. So wurde etwa der gestrige Inflationsbericht der Eurozone weitgehend ignoriert, obwohl er die Wahrscheinlichkeit einer geldpolitischen Straffung durch die Europäische Zentralbank in der kommenden Woche deutlich erhöht hat.
Selbst die Aussicht auf eine Zinserhöhung in der Eurozone im Juni, während weder die Federal Reserve noch die Bank of England als Kandidaten für eine Anhebung gelten, hat dem Euro keine nennenswerte Unterstützung verschafft. Der Markt blendet die wirtschaftlichen Faktoren schlicht aus und bleibt gegenüber einer friedlichen Lösung des Konflikts im Nahen Osten skeptisch.
Infolgedessen sehen wir eine moderate Aufwertung des US-Dollar, die voll und ganz mit der aktuellen Wellenstruktur im Einklang steht.
Was ist nach Abschluss der fünften Welle zu erwarten? Meiner Ansicht nach wird sich zumindest eine dreiteilige bullische Sequenz zu bilden beginnen, deren Stärke erneut von den geopolitischen Entwicklungen abhängen wird. In dieser Hinsicht hat sich nichts geändert.
Allgemeine Schlussfolgerungen
Auf Grundlage meiner EUR/USD-Analyse komme ich zu dem Schluss, dass das Instrument sich weiterhin in einem übergeordneten bullischen Trendsegment (unterer Chart) und kurzfristig in einer korrektiven Struktur befindet. Gegenwärtig dürfte sich die Welle 5 als Teil der Welle C entwickeln.
Die gesamte Welle C könnte, sofern die aktuelle Zählung zutrifft, ihre Ausbildung deutlich unterhalb der Marke von 1,1400 abschließen. Ein derart ausgeprägter Rückgang würde allerdings eine starke Unterstützung durch geopolitische Faktoren erfordern. Andernfalls könnte die bärische Wellenfolge verkürzt enden und nur wenig unterhalb des Niveaus von 1,1600 auslaufen.
Auf der höheren Zeitebene ist weiterhin ein bullisches Trendsegment zu erkennen, gefolgt von der Ausbildung einer korrektiven Wellenstruktur. In naher Zukunft wird die Bildung der Welle C mit Zielen im Bereich von 1,1352 erwartet, was dem 38,2%-Fibonacci-Retracement entspricht.
Nach Abschluss der A-B-C-Korrekturstruktur könnte ein neuer, langfristiger Aufwärtstrend beginnen.
Grundprinzipien meiner Analyse
- Wellenstrukturen sollten einfach und leicht interpretierbar sein. Komplexe Strukturen sind schwer handelbar und werden häufig revidiert.
- Besteht keine Klarheit darüber, was der Markt tut, ist es besser, an der Seitenlinie zu bleiben.
- Absolute Sicherheit in Bezug auf die Marktrichtung gibt es nicht und kann es nicht geben. Verwenden Sie stets schützende Stop-Loss-Orders.
- Wellenanalyse kann mit anderen Analysemethoden und Handelsstrategien kombiniert werden.
