
Das Währungspaar EUR/USD verbrachte zwei Wochen innerhalb der Imbalance 13 und versuchte, in dieser Zone ein Kaufsignal auszubilden. Den Bullen gelang es jedoch nicht, eine ausreichende Grundlage für einen neuen Aufwärtsimpuls zu finden, und der Nonfarm-Payrolls-Bericht am Freitag versetzte der bullischen Stimmung einen deutlichen Dämpfer. Das Paar fiel deutlich unter die Imbalance 13 und machte dieses Muster damit hinfällig.
Das einzige verbliebene Signal ist jenes, das sich innerhalb der Imbalance 15 gebildet hat, jedoch handelt es sich dabei um ein bärisches Signal in einem übergeordnet weiterhin als bullisch geltenden Trend. Am vergangenen Freitag entstand zudem die neue bärische Imbalance 16, auf die die Kurse möglicherweise schon heute reagieren.
Es sei jedoch erneut betont, dass sich die bärischen Signale innerhalb eines bullischen Trends ausbilden, der noch nicht als abgeschlossen gelten kann. Zudem sollten vor dem Hintergrund der aktuellen Lage alle charttechnischen Signale und Muster mit Vorsicht betrachtet werden, da geopolitische Entwicklungen praktisch jedes technische Setup ungültig machen können.
Donald Trump erklärte heute erneut, dass der Konflikt mit Iran innerhalb der kommenden Wochen gelöst werden könne und die Parteien möglicherweise eine für beide Seiten vorteilhafte Vereinbarung erzielen. Außerdem haben Iran und Israel ihre gegenseitigen Angriffe eingestellt, was zweifellos ein Schritt in Richtung einer breiteren Deeskalation ist. Diese beiden Entwicklungen waren die Haupttreiber für den Anstieg von EUR/USD am Dienstag.
Allerdings könnte Iran bereits morgen die Angriffe auf Israel oder die Vereinigten Staaten wieder aufnehmen oder bekanntgeben, dass in den Verhandlungen keinerlei Fortschritte erzielt wurden. In diesem Fall könnte der US-Dollar erneut Auftrieb erhalten.
Die objektive Realität ist, dass der Konflikt im Nahen Osten weit von einer Lösung entfernt ist, während Teheran und Washington weiterhin nicht in der Lage sind, sich auf Bedingungen zu einigen, die alle Parteien zufriedenstellen würden. Am Montag führte Iran erstmals seit zwei Monaten wieder Angriffe auf Israel durch – als Reaktion auf einen israelischen Angriff auf Beirut – und gefährdete damit erneut die Verhandlungen und eine mögliche Friedensvereinbarung.
Solche Entwicklungen überraschen mittlerweile kaum noch, da die Konfliktparteien weiterhin regelmäßig Angriffe austauschen. Mitunter scheint es, als seien sie stärker darum bemüht, jeglichen Eindruck von Schwäche zu vermeiden, als den Verhandlungsprozess zu bewahren. Infolgedessen profitiert der US-Dollar weiterhin von der geopolitischen Unterstützung.
Kurzfristig bleiben sowohl Kursverlauf als auch Marktstimmung stark von den geopolitischen Entwicklungen abhängig. Sollten Teheran und Washington letztlich ein Memorandum of Understanding unterzeichnen, die Waffenruhe verlängern und bei der Nuklearfrage Fortschritte erzielen, könnten die Bären zum Rückzug gezwungen werden, was dem Euro und dem Pfund eine Wiederaufnahme ihres Aufwärtstrends ermöglichen würde.
Die Lage bleibt jedoch äußerst dynamisch, sodass sowohl Bullen als auch Bären ihre Positionen immer wieder anpassen müssen.
Unter den aktuellen Bedingungen können Trader bärische Muster in Betracht ziehen. Ein neues Verkaufssignal innerhalb der bärischen Imbalance 16 könnte sich bereits heute ausbilden. Gleichwohl könnte der Euro seinen Aufwärtstrend trotz bärischer Muster wieder aufnehmen, falls letztlich eine Vereinbarung zwischen Iran und den Vereinigten Staaten zustande kommt.
Die Marktstimmung schwankt weiter hin und her und zwingt Trader dazu, ihre Strategien fortlaufend anzupassen.
Es ist erneut hervorzuheben, dass die Aufwertung des US-Dollars zwischen Januar und März in erster Linie durch geopolitische Faktoren angetrieben wurde. Sobald die Vereinigten Staaten und Iran eine Waffenruhe vereinbart hatten, ließ der Verkaufsdruck auf EUR/USD nach, und die Bullen dominierten mehr als einen Monat lang das Marktgeschehen.
Derzeit scheint die Wahrscheinlichkeit einer umfassenderen Vereinbarung wieder zu sinken, während der Markt Berichten über eine baldige Lösung des Konflikts oder ein umfassendes Abkommen zwischen Iran und den Vereinigten Staaten mit großer Skepsis begegnet. Folglich üben die geopolitischen Entwicklungen weiterhin einen latenten Abwärtsdruck auf EUR/USD aus.
Der Anstieg des Euro am Dienstag war nicht auf den Wirtschaftskalender zurückzuführen. Zuvor hatte Deutschland seine Daten zur Handelsbilanz und zur Industrieproduktion veröffentlicht, die ein gemischtes Bild zeichneten. Die Gründe für die Dollar-Schwäche wurden oben bereits erläutert.
Morgen werden die Marktteilnehmer den Inflationsbericht auswerten, der die Stimmung der Trader erneut verändern könnte.
Die Bullen verfügen im Jahr 2026 weiterhin über zahlreiche Argumente, und der Konflikt im Nahen Osten hat diese nicht wesentlich geschmälert. Aus struktureller und langfristiger Sicht sind Trumps politische Leitlinien – die im vergangenen Jahr maßgeblich zum deutlichen Rückgang des US-Dollars beigetragen haben – weitgehend unverändert geblieben.
In den kommenden Monaten könnte der US-Dollar in Phasen erhöhter Risikoaversion zeitweise zulegen. Dieser Faktor setzt jedoch eine anhaltende Eskalation der Spannungen im Nahen Osten voraus. Ich gehe weiterhin nicht von der Entstehung eines nachhaltigen bärischen Trends für EUR/USD aus. Der Dollar hat vom Markt vorübergehende Unterstützung erhalten, doch bleibt unklar, welche Faktoren den Bären einen dauerhaften langfristigen Vorteil verschaffen könnten.
Wirtschaftskalender für die Vereinigten Staaten und die Eurozone
- Vereinigte Staaten – Verbraucherpreisindex (12:30 UTC).
Der Wirtschaftskalender für den 10. Juni enthält nur ein Ereignis, allerdings ein wichtiges. Das wirtschaftliche Umfeld könnte die Marktstimmung in der zweiten Hälfte der Handelssitzung am Mittwoch beeinflussen.
EUR/USD-Prognose und Handelsempfehlungen
Meiner Einschätzung nach befindet sich das Paar weiterhin in der Ausbildung eines bullischen Trends. Der Informationshintergrund hat sich vor drei Monaten zwar deutlich verändert, doch der übergeordnete Trend kann noch nicht als aufgehoben oder abgeschlossen gelten.
Daher können die Bullen ihren Aufwärtstrend in naher Zukunft durchaus wieder aufnehmen, falls die geopolitischen Entwicklungen auch nur moderate Unterstützung liefern.
Derzeit können Trader Short-Positionen, die aus der Imbalance 15 heraus eröffnet wurden, weiter halten und auf ein neues Verkaufssignal aus der Imbalance 16 warten. Der Rückgang des Paares setzt sich aus objektiven Gründen fort. Ohne den robusten US-Arbeitsmarkt und die Arbeitslosendaten hätte die Unterstützungszone der Imbalance 13 höchstwahrscheinlich gehalten.
Diese Unterstützung ist jedoch gefallen und hat den Bären damit die Möglichkeit gegeben, ihre Abwärtsbewegung auszudehnen. Die entscheidende Frage lautet nun, ob die geopolitischen Entwicklungen ihnen dies erlauben werden.