
Das Währungspaar EUR/USD setzte seinen Abwärtstrend am Mittwoch fort, und die geopolitischen Ereignisse deuten derzeit auf keine Änderung hin. Zur Erinnerung: Die Woche begann zuversichtlich mit neuen Versprechen von Donald Trump, sehr bald ein Abkommen mit Iran zu unterzeichnen. Bereits am nächsten Tag geriet jedoch etwas in den Plänen des amerikanischen Präsidenten ins Stocken. Es wurde bekannt, dass Iran einen amerikanischen Apache-Helikopter angegriffen und zerstört hatte, der in der Straße von Hormus patrouillierte. Als Reaktion auf diesen „empörenden Akt der Aggression“ griffen die USA iranische Radaranlagen und Abschussstellungen an. Gestern begann Teheran seinerseits mit Vergeltungsschlägen gegen Bahrain, Kuwait und Jordanien.
Wie wir sehen, scheint Donald Trump in einem Paralleluniversum zu leben, in dem ein Deal mit Iran bereits ausgehandelt ist und der Sieg über einen Hauptgegner schon vor Monaten errungen wurde. In der Realität ist ein Abkommen mit Iran nicht in Sicht, und der Markt beginnt erneut, aus dem „Dornröschenschlaf“ aufzuwachen, in den ihn die Versprechungen des Hausherren des Weißen Hauses versetzt hatten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die amerikanische Währung wieder zulegt. Sie steigt jedoch nur moderat, da auch die Aussicht auf die Wiederaufnahme eines umfassenden Krieges derzeit nicht auf dem Tisch liegt. Niemand will ihn, doch Iran ist darauf vorbereitet, während die USA dies wohl eher nicht sind.
So befinden wir uns faktisch in einem Zustand zwischen Waffenstillstand und großangelegtem Krieg. Militärische Experten können die aktuelle Lage vermutlich nicht einmal mit einem einzigen Begriff beschreiben, da es einen solchen schlicht nicht gibt. Faktisch herrscht derzeit kein Waffenstillstand, und die Verhandlungen haben schon seit Längerem nur noch einen formalen Charakter. Der Markt ignoriert weiterhin sämtliche makroökonomischen und fundamentalen Rahmenbedingungen, sodass selbst die Bereitschaft der Europäischen Zentralbank, heute die Zinsen anzuheben, keine Rolle spielt.
Man muss sich das vor Augen halten: Die EZB ist bereit, die Geldpolitik zu straffen (als erste und einzige große Zentralbank überhaupt), und trotzdem fällt der Euro weiter. Wann werden wir so etwas wieder sehen? Der Grund liegt darin, dass 90 % der Dynamik des Devisenmarktes und der Währungsinstrumente von der Geopolitik bestimmt werden. Darauf weisen wir nun schon seit drei Monaten durchgehend hin. Deshalb spielt es heute keinerlei Rolle, welche Entscheidung die EZB treffen wird (zumal sie im Kern bereits bekannt ist), welchen Ton Christine Lagarde anschlagen wird (selbst wenn sie fünf weitere Zinsschritte in Aussicht stellt) oder welche Aussagen zur Wirtschaft und zur Inflation gemacht werden.
Allen ist klar, dass sich die Inflation weiter beschleunigen wird, wenn der Konflikt im Nahen Osten nicht gelöst wird – und dass eine einzige Zinserhöhung diesen Prozess nicht stoppen kann. Es ergibt somit keinen Sinn, lediglich die Politik zu straffen, und ob die EZB angesichts des Wachstums der europäischen Wirtschaft im ersten Quartal tatsächlich bereit ist, die Zinsen mehrfach anzuheben, bleibt fraglich. Doch wiederholen wir es noch einmal: All diese Informationen sind derzeit nicht ausschlaggebend. Möglicherweise reagiert der Markt der Form halber auf die Ergebnisse der heutigen Sitzung und auf Lagardes Rede. Doch anschließend wird alles wieder in den gewohnten Modus zurückkehren. Das Paar kann seine Richtung an einem einzigen Tag fünfmal ändern – allein aufgrund geopolitischer Faktoren.

Die durchschnittliche Volatilität des Währungspaares EUR/USD in den letzten fünf Handelstagen beträgt zum 11. Juni 65 Pips und wird damit als „durchschnittlich“ eingestuft. Wir erwarten, dass sich das Paar am Donnerstag zwischen den Niveaus 1,1485 und 1,1615 bewegt. Der obere Kanal der linearen Regression hat nach oben gedreht, was auf einen Trendwechsel nach oben hindeutet. Der CCI‑Indikator ist in den überkauften Bereich eingetreten und hat zwei bärische Divergenzen ausgebildet, die auf den Beginn einer noch nicht abgeschlossenen Abwärtskorrektur hinweisen. Am Freitag ist er in den überverkauften Bereich eingetreten und signalisiert damit einen möglichen Abschluss der Korrektur.
Nächste Unterstützungszonen:
S1 – 1,1536
S2 – 1,1475
S3 – 1,1414
Nächste Widerstandszonen:
R1 – 1,1597
R2 – 1,1658
R3 – 1,1719
Handelsempfehlungen:
Das Währungspaar EUR/USD setzt seine Abwärtsbewegung fort, die vermutlich eine Korrektur innerhalb des globalen Aufwärtstrends darstellt. Das übergeordnete fundamentale Umfeld für den Dollar bleibt ausgesprochen negativ, und lediglich geopolitische Faktoren sorgen regelmäßig für Unterstützung. Befindet sich der Kurs unter dem gleitenden Durchschnitt, können Short‑Positionen mit Zielen bei 1,1485 und 1,1475 in Betracht gezogen werden. Long‑Positionen werden relevant, wenn der Kurs oberhalb der Linie des gleitenden Durchschnitts notiert, mit Zielen bei 1,1719 und 1,1780. Der Markt entfernt sich weiterhin von den geopolitischen Faktoren, doch in den vergangenen Wochen war der Dollar gefragt, da die Hoffnungen auf Frieden im Nahen Osten schwächer geworden sind.
Anmerkungen zu den Abbildungen:
Lineare Regressionskanäle helfen, den aktuellen Trend zu bestimmen. Zeigen beide in dieselbe Richtung, deutet dies auf einen starken Trend hin.
Die Linie des gleitenden Durchschnitts (Einstellungen 20,0, geglättet) bestimmt den kurzfristigen Trend und die Richtung, in die gehandelt werden sollte.
Murray‑Level sind Zielmarken für Bewegungen und Korrekturen.
Volatilitätsniveaus (rote Linien) zeigen einen wahrscheinlichen Preiskanal an, innerhalb dessen sich das Paar am nächsten Handelstag auf Basis aktueller Volatilitätsindikatoren bewegen wird.
Der CCI‑Indikator: Sein Eintritt in den überverkauften Bereich (unter −250) oder in den überkauften Bereich (über +250) signalisiert, dass eine Trendumkehr in die Gegenrichtung näher rückt.