Das Wellenmuster im 4-Stunden-Chart für EUR/USD hat sich verändert. Es gibt jedoch weiterhin keinen Grund, das seit Januar letzten Jahres laufende bullische Trendsegment (unterer Chart) infrage zu stellen. Die Trendstruktur hat inzwischen aber einen korrektiven Charakter angenommen. Aus langfristiger Sicht ist mit der Ausbildung der Welle C zu rechnen, deren Tief voraussichtlich unter dem Tief der Welle A liegen wird. In der aktuellen Situation fällt es zwar schwer, einen derart deutlichen Rückgang des Euro vorwegzunehmen, aber das erste Quartal 2026 hat gezeigt, dass die Geopolitik für drastische Wendungen sorgen und etablierte Trends umkehren kann.
In der kleineren Zeiteinheit lässt sich eine klassische fünfteilige bärische Struktur erkennen. Nach Abschluss dieser Struktur könnte das Paar in eine aufwärtsgerichtete Wellenfolge übergehen, und gegenwärtig wirkt diese Struktur abgeschlossen. Daher ist ab dem Niveau von 1,1513, das dem 76,4%-Fibonacci-Retracement entspricht, mit einem Anstieg des Euro zu rechnen. Ohne geopolitische Unterstützung kann der Euro allerdings nicht auf eine günstige Marktstimmung bauen.
Das Währungspaar EUR/USD legte am Donnerstag um 40 Basispunkte zu, wobei der Großteil der Bewegung in der Abendsitzung stattfand. Wodurch wurde der Anstieg des Euro um 80 Basispunkte vom Tagestief aus Ihrer Sicht ausgelöst? Nein, es war weder die Sitzung der EZB, noch die Rede von Christine Lagarde, noch die erste geldpolitische Straffung seit 2023. Angestoßen wurde die Rallye durch Donald Trump, dem es einmal mehr gelang, das Unmögliche zu schaffen, indem er im Tagesverlauf mehrere völlig widersprüchliche Äußerungen tätigte.
Würde der US-Präsident über die anstehenden Wahlen, neue Gesetzesinitiativen oder politische Vorhaben sprechen, würde der Markt seine ständig wechselnde Rhetorik vermutlich weitgehend ignorieren. Doch der Hausherr im Weißen Haus kommentiert täglich die Entwicklungen im Nahen Osten, auf die er direkten Einfluss hat. Einfach gesagt: Trump teilt den Märkten mehrmals täglich seine Pläne mit – und diese Pläne ändern sich laufend. In der Folge pendelt der Markt ständig von einer Richtung in die andere.
Am Donnerstagmorgen plante Trump neue Angriffe auf den Iran und warf Teheran vor, die Verhandlungen zu verschleppen und sich einer Einigung zu verweigern. Am Abend erklärte er dann jedoch, die neuen Angriffe seien abgesagt worden, da ein Abkommen mit Teheran in naher Zukunft unterzeichnet werden könnte.
Am Vortag wiederum hatte Trump aktiv Luftschläge gegen den Iran angeordnet. Zuvor hatte er erklärt, es werde keine weiteren Angriffe geben, da sich hochrangige iranische Vertreter laut seiner Aussage bei ihm gemeldet und ihn gebeten hätten, davon abzusehen. Solche Aussagen liegen oft nur wenige Stunden auseinander. Daher war die Rallye des EUR/USD am Donnerstag vollständig auf Trumps Kommentare zurückzuführen.
Wie geht es von hier aus weiter?
Wir gehen davon aus, dass sich ein Wendepunkt nähert. Tag für Tag erhält der Markt weitere Bestätigung dafür, dass auf Trumps Aussagen unter keinen Umständen Verlass ist. Die Wellenstruktur deutet auf die Ausbildung einer korrektiven Aufwärtssequenz hin, während das Niveau von 1,1513 bereits zweimal dem Verkaufsdruck standgehalten hat. Meiner Ansicht nach bleibt die Wahrscheinlichkeit weiterer Kursgewinne bei diesem Instrument hoch.
Allgemeine Schlussfolgerungen
Auf Basis der EUR/USD-Analyse komme ich zu dem Schluss, dass sich das Instrument weiterhin in einem bullischen Trendsegment (unterer Chart) befindet, während es kurzfristig noch in einem bärischen Trendsegment verläuft, das bereits abgeschlossen sein könnte. Aus meiner Sicht ist dies eine durchaus günstige Phase, um Long-Positionen in Erwägung zu ziehen.
Der gescheiterte Versuch, das Niveau von 1,1513, das dem 76,4%-Fibonacci-Retracement entspricht, nach unten zu durchbrechen, zusammen mit dem abgeschlossenen Erscheinungsbild des bärischen Trendsegments, lässt darauf schließen, dass das Instrument in eine aufwärtsgerichtete Wellenfolge übergehen könnte, mit Zielbereichen um 1,1700 und darüber.
In der höheren Zeitebene ist weiterhin ein bullisches Trendsegment erkennbar, an das sich die Ausbildung einer korrektiven Wellenstruktur anschließt. In naher Zukunft wird die Bildung der Welle C erwartet, deren Ziele in der Nähe von 1,1352 liegen, was dem 38,2%-Fibonacci-Retracement entspricht. Nach Abschluss der A-B-C-Struktur könnte ein neuer langfristiger Aufwärtstrend beginnen.
Wesentliche Grundsätze meiner Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und leicht zu interpretieren sein. Komplexe Strukturen sind schwer handelbar und werden häufig überarbeitet.
- Wenn keine Überzeugung hinsichtlich der Marktlage besteht, ist es besser, dem Markt fernzubleiben.
- Absolute Gewissheit über die Marktrichtung gibt es nicht und wird es nie geben. Denken Sie immer an den Einsatz von Stop-Loss-Orders.
- Die Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombinieren.
