
Das Wellenmuster im 4-Stunden-Chart von EUR/USD ist inzwischen relativ klar erkennbar. Es gibt weiterhin keinen Hinweis darauf, dass der Aufwärtstrendabschnitt (im unteren Chart dargestellt), der im Januar vergangenen Jahres begonnen hat, aufgehoben wurde. Die Trendstruktur hat inzwischen jedoch einen korrektiven Charakter angenommen. Im längerfristigen Bild könnte sich Welle C ausbilden, deren Tief voraussichtlich unter das Tief von Welle A fallen würde. Derzeit fällt es allerdings schwer, an einen derart deutlichen Rückgang des Euro zu glauben, da der Konflikt im Nahen Osten offenbar seinem Ende entgegengeht und dem US‑Dollar aktuell weitere wesentliche Unterstützungsfaktoren fehlen. Daher könnte sich die erwartete Welle C letztlich als verkürzt erweisen.
In der niedrigeren Zeitebene lässt sich eine klassische fünfwellige bärische Struktur erkennen. Nach deren Abschluss könnte das Paar in eine neue Aufwärtswellen-Sequenz übergehen, und die aktuelle Struktur wirkt abgeschlossen. Folglich ist ein Anstieg des Euro vom Niveau bei 1,1513 aus zu erwarten, was dem 76,4%-Fibonacci-Retracement entspricht. Ohne geopolitische Unterstützung kann der Euro jedoch nicht auf eine starke Marktnachfrage bauen.
Das Währungspaar EUR/USD fiel am Mittwoch um 20 Basispunkte, während die Handelsspanne des Tages lediglich 15 Punkte betrug. Allein diese Tatsache verdeutlicht, wie stark der Markt auf das Ergebnis der Sitzung der Federal Reserve und die erste Pressekonferenz von Kevin Warsh als Fed‑Vorsitzendem fokussiert ist. Was Mr. Warsh in etwa einer Stunde auf der Pressekonferenz sagen wird, kann ich nicht wissen, doch ist klar, dass die Marktteilnehmer keine größeren Überraschungen erwarten. Die Handelsaktivität ist nahezu zum Erliegen gekommen.
Unter den Konjunkturdaten vom Mittwoch war einzig der US‑Einzelhandelsbericht für Mai von nennenswerter Bedeutung. Die Einzelhandelsumsätze stiegen um 0,9 % und lagen damit über den Markterwartungen von 0,5 %. Unter normalen Umständen hätten derartige Daten dem US‑Dollar zumindest etwas Unterstützung bieten sollen. Dennoch schwächte sich der Dollar nach Veröffentlichung des Berichts ab und bestätigte damit einmal mehr eine offensichtliche Realität: Der Markt ignoriert weiterhin den Großteil der Konjunkturdaten.
Gleiches gilt für den Inflationsbericht aus dem Vereinigten Königreich. Obwohl die Inflation bereits den zweiten Monat in Folge positiv überraschte, bewegte sich das Pfund Sterling nach der Veröffentlichung lediglich um 20–25 Punkte.
Man könnte argumentieren, dass Händler in Erwartung der Entscheidung der Federal Reserve bereitwillig auf „sekundäre“ Daten verzichtet haben. Doch was genau erwartet der Markt? Kevin Warsh wird mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Rückkehr zu einer strafferen Geldpolitik ankündigen. Die Federal Reserve dürfte den Leitzins nahezu sicher unverändert lassen. Gleichzeitig werden Hinweise auf mögliche künftige Zinssenkungen vermutlich aus der offiziellen Erklärung verschwinden. Angesichts der jüngsten geopolitischen Entwicklungen rechne ich damit, dass die Fed eine neutrale Haltung beibehält.
Infolgedessen könnte die Marktaktivität selbst nach der Sitzung gedämpft bleiben. Der Euro verfügt nach wie vor über ein solides Aufwärtspotenzial, doch die Nachfrage nach der Gemeinschaftswährung bleibt verhalten.
Allgemeine Schlussfolgerungen
Auf Grundlage meiner EUR/USD-Analyse komme ich zu dem Schluss, dass sich das Paar weiterhin innerhalb des übergeordneten Aufwärtstrendsegments (im unteren Chart dargestellt) bewegt, während es kurzfristig in einem Abwärtstrendsegment verbleibt, das bereits abgeschlossen sein könnte.
Meiner Ansicht nach bietet das aktuelle Umfeld eine vernünftige Gelegenheit, über Long-Positionen nachzudenken. Der erfolglose Versuch, das Niveau von 1,1513 – das dem 76,4%-Fibonacci-Retracement entspricht – nach unten zu durchbrechen, zusammen mit dem abgeschlossenen Bild des bärischen Trendsegments, deutet darauf hin, dass das Paar in eine neue Aufwärtswellen-Sequenz übergehen könnte, die auf das Niveau von 1,1700 und darüber zielt.
In der höheren Zeitebene bleibt ein Aufwärtstrendabschnitt sichtbar, auf den sich eine korrektive Wellenstruktur entwickelt. In naher Zukunft könnte sich Welle C mit Zielbereichen in der Nähe von 1,1352 ausbilden, was dem 38,2%-Fibonacci-Retracement entspricht. Sobald die A‑B‑C‑Korrekturstruktur abgeschlossen ist, könnte ein neuer langfristiger Aufwärtstrend beginnen.
Wichtige Grundsätze meiner Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und leicht interpretierbar sein. Komplexe Strukturen sind schwer zu handeln und werden häufig revidiert.
- Besteht keine ausreichende Marktübersicht oder kein Vertrauen in die Marktlage, ist es besser, außerhalb des Marktes zu bleiben.
- Eine absolute Sicherheit über die Marktrichtung ist unmöglich. Verwenden Sie stets schützende Stop-Loss-Orders.
- Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombinieren.
