Gold notiert nun bereits die dritte Woche in Folge im Minus und ist unter 4.200 US‑Dollar je Unze gefallen. Heute verlor es 0,5 % nach einem Rückgang um 1,1 % am Donnerstag. Seit den Vorkriegsniveaus im Februar hat das Metall bereits rund 22 % eingebüßt, und die Logik hinter diesem Rückgang bleibt auch nach der Unterzeichnung des Iran-Abkommens bestehen.

Das Paradox von Gold in diesem Krieg ist bekannt und besteht weiterhin. Die Öffnung der Straße von Hormus hat einen doppelten Effekt auf das Metall. Einerseits gibt es einen positiven Aspekt: Niedrigere Ölpreise verringern den Inflationsdruck, was theoretisch den Bedarf an weiteren Zinserhöhungen reduziert und damit die wichtigste Bremse für das Metall löst. Allerdings überwog das restriktive Signal der Federal Reserve während der ersten Sitzung von Kevin Warsh am Mittwoch diesen Optimismus.
Warsh deutete an, dass eine Zinserhöhung weiterhin auf dem Tisch liegt, und die Märkte preisen sie für Oktober bereits mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 60 % ein. Historisch schneidet Gold im Vorfeld einer Zinserhöhung schlechter ab. Nun hängt alles davon ab, ob der bevorstehende Schritt eine einmalige Versicherungsmaßnahme bleibt oder den Beginn eines neuen Straffungszyklus markiert.
Wenn die Fed die Zinsen einmal anhebt und anschließend eine Pause einlegt, werden die fallenden Ölpreise ihren Beitrag leisten, die Inflation wird allmählich zurückgehen und Gold hätte Spielraum für eine Erholung. Wenn die Daten jedoch weiterhin auf eine hartnäckige Inflation hindeuten, bleibt das Metall unter Druck. Die Klärung dieser Frage hängt in erster Linie davon ab, wie schnell sich die Öffnung der Straße von Hormus in einem tatsächlichen Rückgang der Energieinflation in den VPI-Daten für Juli und August niederschlägt.
Silber fällt um 0,5 % auf 65,34 US-Dollar, während Platin und Palladium ebenfalls etwas günstiger sind. Der Dollar bleibt durch die Erwartung einer Zinserhöhung gestützt, obwohl die Öffnung der Meerenge über den Kanal der Inflationserwartungen Gegenwind erzeugt.

In Bezug auf das aktuelle technische Bild für Gold müssen die Käufer zunächst den nächstgelegenen Widerstand bei 4.186 $ zurückerobern. Dadurch könnten sie anschließend das Ziel bei 4.249 $ ins Visier nehmen, wobei ein Ausbruch darüber hinaus recht schwierig werden dürfte. Das nächste Ziel läge dann im Bereich von 4.304 $. Kommt es hingegen zu einem Rückgang des Goldpreises, werden die Bären versuchen, die Marke von 4.124 $ unter ihre Kontrolle zu bringen. Gelingt ihnen das und es kommt zu einem Ausbruch aus dieser Spanne, wäre dies ein schwerer Schlag für die Positionen der Bullen und könnte den Goldpreis auf ein Tief von 4.062 $ drücken, mit dem Potenzial, sogar 4.008 $ zu erreichen.