
Das Wellenmuster im 4-Stunden-Chart für EUR/USD wird zunehmend komplexer. Es gibt weiterhin keinen Hinweis darauf, dass das seit Januar letzten Jahres laufende Aufwärtssegment (im unteren Chart dargestellt) aufgehoben wurde. Allerdings hat die Trendstruktur inzwischen einen korrektiven Charakter angenommen. Aus langfristiger Perspektive wird die Ausbildung der Welle C erwartet, deren Tief voraussichtlich unter das Tief der Welle A fallen dürfte. Angesichts des Endes des Konflikts im Nahen Osten fällt es derzeit jedoch schwer, an einen derart starken Rückgang des Euro zu glauben. Nichtsdestotrotz bleibt die Nachfrage nach dem US-Dollar robust, was bedeutet, dass sich die erwartete Welle C letztlich zu einer vollständigen Struktur ausbilden könnte.
In der niedrigeren Zeitebene lässt sich eine klassische bärische Fünf-Wellen-Struktur erkennen. Wenn diese Annahme zutrifft, befindet sich aktuell Welle 3 in der Entstehung und hat bereits eine klar ausgeprägte Fünf-Wellen-Form angenommen. Sobald diese Struktur abgeschlossen ist, könnte das Instrument in eine aufwärtsgerichtete Korrektursequenz übergehen. Nach der aktuellen Zählung steht allerdings die Ausbildung der Welle 5 noch aus.
Das Währungspaar EUR/USD fiel am Mittwoch um weitere 50 Basispunkte, und das bereits bis zum Beginn der US-Sitzung. Bis zum Ende des Handelstages könnte der Euro problemlos noch einmal 50 Punkte verlieren, ohne dass dies viele Marktteilnehmer überraschen würde.
Im größeren Bild habe ich eine derart starke Aufwertung des US-Dollars nicht erwartet und halte sie fundamental nicht vollständig für gerechtfertigt. Dennoch bewegen sich die Märkte nicht immer nach Logik oder klar erkennbaren Gründen. Die Kursentwicklung muss akzeptiert werden, wie sie ist. Zu argumentieren, dass diese Bewegung „nicht stattfinden dürfte“, ist wenig hilfreich.
Unter den aktuellen Umständen suchen Händler nach neuen Erklärungsansätzen für die Stärke des Dollars. Wer genau hinsieht, findet solche Erklärungen auch. So steigt beispielsweise laut dem CME FedWatch Tool die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Straffung durch die Federal Reserve bis zum Jahresende. Erwartete der Markt zuvor nur einen Zinsschritt nach oben, verschieben sich die Erwartungen nun in Richtung zweier Anhebungen.
Nur 14 % der befragten Marktteilnehmer glauben, dass der Federal Funds Rate nach der letzten FOMC-Sitzung 2026 bei 3,50 % bleiben wird. Rund 37 % erwarten eine Anhebung um 25 Basispunkte. Weitere 34 % rechnen mit zwei Runden der Straffung, während 15 % drei oder mehr Zinsschritte erwarten. Wie so oft dürfte die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen, doch der Trend zu zunehmend „hawkishen“ Erwartungen ist deutlich zu erkennen und könnte der Haupttreiber der jüngsten Stärke des US-Dollars sein. Eine andere überzeugende Erklärung sehe ich derzeit nicht.
Trotz der anhaltend konfrontativen Rhetorik Donald Trumps und seiner häufig widersprüchlichen Äußerungen gehen die Verhandlungen mit dem Iran weiter. Analysten verweisen zunehmend auf Fortschritte in den Gesprächen und die realistische Möglichkeit eines dauerhaften Friedensabkommens. Die Ölpreise sind bereits auf etwa 75 % ihrer jüngsten Hochs gefallen, was Hoffnung auf eine langsamere Inflation weckt. Vor diesem Hintergrund wäre ich nicht allzu überzeugt von einer durchgängig stark „hawkishen“ Federal Reserve bis zum Jahresende. Allerdings gibt es nur wenige andere schlüssige Erklärungen für die Aufwertung des Dollars in den vergangenen Wochen.
Aus Sicht der Wellenanalyse bleibt das Bild klar: Welle C setzt sich weiter fort.
Allgemeine Schlussfolgerungen
Auf Grundlage meiner EUR/USD-Analyse komme ich zu dem Schluss, dass sich das Instrument weiterhin in einem übergeordneten Aufwärtstrendsegment befindet (im unteren Chart dargestellt), während es sich kurzfristig innerhalb eines Abwärtstrendsegments bewegt.
Meiner Ansicht nach kann das aktuelle Umfeld eine vernünftige Gelegenheit bieten, Long-Positionen in Betracht zu ziehen. Allerdings könnte das Paar im Rahmen von Welle C deutlich unter die Marke von 1,1400 fallen. Sollte dieses Szenario eintreten, wäre es möglicherweise sinnvoller, zunächst die Ausbildung der Welle 5 von C abzuwarten, bevor Long-Engagements eingegangen werden. Zudem wirkt der sich zunehmend verbessernde geopolitische Hintergrund nicht länger als Gegenwind für den US-Dollar.
Auf der höheren Zeitebene bleibt ein Aufwärtstrendsegment erkennbar, dem sich die Entwicklung einer korrektiven Wellenstruktur anschließt. Kurzfristig wird erwartet, dass sich Welle C in Richtung der Ziele um 1,1352 fortsetzt, was dem 38,2%-Fibonacci-Retracement-Level entspricht. Nach Abschluss der A-B-C-Struktur könnte ein neuer langfristiger Aufwärtstrend beginnen.
Wesentliche Grundsätze meiner Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und leicht interpretierbar sein. Komplexe Strukturen sind schwer zu handeln und werden häufig revidiert.
- Wenn keine Klarheit darüber besteht, was am Markt geschieht, ist es besser, an der Seitenlinie zu bleiben.
- Es gibt niemals absolute Sicherheit über die Marktrichtung. Verwenden Sie stets schützende Stop-Loss-Orders.
- Wellenanalyse kann mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombiniert werden.
