Langsam und stetig gewinnt das Rennen. Doch HSBC warnt, dass diese Regel für den US‑Dollar bald nicht mehr gelten könnte. Die Bank rechnet damit, dass der Greenback sich bis in das erste Halbjahr 2027 hinein aufwertet – und weist darauf hin, dass die Rally "explosiv" werden könnte, falls die Fed einen restriktiveren geldpolitischen Kurs signalisiert, als die Märkte derzeit einpreisen, und geopolitische Spannungen erneut aufflammen.
Die Risiken haben sich nach der Fed-Sitzung im Juni erhöht, bei der sich die Notenbanker auf die Inflation konzentrierten und dem Markt kaum Orientierung gaben. Das lenkte die Aufmerksamkeit der Händler wieder auf Zinsdifferenzen und unterstützte die Dollar-Rally. Laut HSBC wird ein stärkerer Greenback schmerzhaft sein – und dieser Pain Trade entwickelt sich in Richtung einer explosiveren Phase der Dollarstärke.
Unterdessen trüben sich die Aussichten für die Rivalen des Dollar ein. Fallende Ölpreise haben die Haltung der EZB aufgeweicht, während der Yen sich in Richtung eines 40‑Jahres‑Tiefs bewegt hat – vor dem Hintergrund von Sorgen, dass die japanische Regierung den weiteren Zinserhöhungskurs der Bank of Japan bremsen will.
Die EZB ist jedoch weit davon entfernt, vorschnell den Sieg über die Inflation zu erklären. Auf dem Symposium in Portugal verzichteten die Verantwortlichen zwar darauf, unmittelbar weitere Zinserhöhungen zu fordern, signalisierten aber wachsende Besorgnis über die Entwicklung der Verbraucherpreise. Philip Lane sagte, die Notenbank müsse verstehen, wie sich vier Monate höherer Energiepreise in die Lebensmittel- und Dienstleistungsinflation hineinfortpflanzen. Das wirkt wie eine Art hawkisher Bluff – harte Rhetorik, aber keine konkreten Schritte.
Spekulative Positionierungen im US‑Dollar

Hedgefonds haben nicht auf Maßnahmen gewartet und ihre spekulativen Long-Positionen im US-Dollar auf ein 16‑Monats-Hoch ausgebaut. Der Markt preist zunehmend weitere Zugewinne des Greenback ein – und das ist nicht die einzige Überraschung dieses Jahres. Am US‑Treasury-Markt hat eine Rotation stattgefunden: Zu Jahresbeginn rechneten Anleger mit einer deutlichen Versteilerung der Zinskurve, da bereits Fed‑Zinssenkungen eingepreist waren, doch hartnäckige Inflation, ein robuster Arbeitsmarkt und eine falkenhaftere Haltung der Fed haben die Kurve abgeflacht.
HSBC warnt, dass sich diese Struktur rasch auflösen könnte, falls sich die Konjunktur so weit eintrübt, dass die Fed zu einer Lockerung gedrängt wird und die Kurve plötzlich wieder stark ansteigt.

CIBC ist deutlich vorsichtiger. Die Bank sieht die Dollar-Rally eher als zyklisch denn als strukturell. Kurzfristig könnte sich der USD-Index weiter erhöhen, begünstigt durch nachlassende Zolldaten-Unsicherheit, Steuererstattungen und KI-bezogene Investitionsausgaben, während der Rest der Welt mit einem Wachstumsdefizit zu kämpfen hat: Asien zeigt Schwäche, und Europa ringt mit den Folgen des Energieschocks. Das, so die Bank, treibt eine zyklische Aufwärtsbewegung der US-Währung.
Aus technischer Sicht hat sich auf dem täglichen EUR/USD-Chart eine Inside-Bar-Formation gebildet. Ein Ausbruch über das Hoch bei 1,143 wäre ein Kaufsignal. Umgekehrt würde ein nachhaltiger Bruch des Tiefs bei 1,1375 den Weg für weitere Verkäufe freimachen.