
Das Währungspaar GBP/USD verzeichnete in der ersten Hälfte der Donnerstagssitzung einen nahezu explosiven Anstieg und steigt nun bereits seit sechs aufeinanderfolgenden Tagen. Was steckt hinter dieser abrupten Veränderung der Marktstimmung? Aus unserer Sicht ist die Antwort eindeutig. Erstens war die jüngste Phase des GBP/USD-Rückgangs und der Dollarstärke weder logisch noch gerechtfertigt. Daher ist jede aktuelle Aufwertung des britischen Pfunds per se logisch. Zweitens beginnen Händler daran zu zweifeln, dass die Federal Reserve im Jahr 2026 die Geldpolitik mehr als ein einziges Mal als „präventive“ Maßnahme straffen wird. Viele Großbanken gehen davon aus, dass die Notenbank bereits im nächsten Jahr wieder zu einem Lockerungszyklus übergehen wird, während die Inflation unter dem Einfluss fallender Ölpreise zurückgeht. Trifft dies zu, hat der Markt ein Ereignis eingepreist, das möglicherweise nie eintritt, und der Dollar hat ohne fundamentale Rechtfertigung aufgewertet.
In den vergangenen Wochen haben wir wiederholt darauf hingewiesen, dass jeder Rückgang des Paares derzeit wie eine Bärenfalle wirkt. Betrachten wir die Situation: Im Jahr 2026 war der einzige Grund für die Dollarstärke der Konflikt im Nahen Osten. Auch wenn dieser nicht als vollständig gelöst gelten kann, lässt sich dennoch sagen, dass er sich in einer Art Remissionsphase befindet. Bewusst auf das schlimmstmögliche Szenario zu setzen und gleichzeitig den Dollar zu kaufen, ist aus unserer Sicht keine gängige Strategie unter Marktteilnehmern. Der Dollar verliert weltweit weiter an Beliebtheit. Zentralbanken reduzieren ihre Dollarreserven, und Investoren benötigen die US-Währung im Wesentlichen nur noch, um in amerikanische Technologieunternehmen zu investieren. In allen anderen Fällen ziehen sie es vor, sie zu meiden – aufgrund der instabilen und unsicheren Politik von Präsident Trump.
Auch im Tageschart lassen sich mehrere wichtige Beobachtungen anstellen. Erstens bewegt sich GBP/USD seit fast einem Jahr überwiegend seitwärts, anstatt klar auf- oder abwärts zu tendieren, und notiert derzeit nahe der Untergrenze dieser Spanne. Befindet sich der Markt also in einer langfristigen Konsolidierungsphase, könnte das britische Pfund nun eine neue Bewegung in Richtung der Obergrenze dieser Range beginnen. Im Wochenchart ist deutlich zu erkennen, dass seit 2022 ein Aufwärtstrend besteht, weshalb wir weiterhin mit einem weiteren Anstieg des Paares rechnen. Zweitens hat der Kurs die Liquidität unterhalb des Tiefs vom 31. März „abgeholt“, was ebenfalls ein Warnsignal für eine potenzielle Bewegung in die Gegenrichtung darstellt.
Was den fundamentalen Hintergrund betrifft, so hat der Gouverneur der Bank of England, Andrew Bailey, beim Wirtschaftsforum in Sintra klar zum Ausdruck gebracht, dass die Notenbank mit Zinserhöhungen keine Eile hat und im kommenden Jahr sogar zu Zinssenkungen zurückkehren könnte. Die Inflation im Vereinigten Königreich liegt bei 2,8 %; die Bank of England lässt einen Anstieg auf 3,2 %–3,3 % zu, erwartet danach jedoch eine Abschwächung. Bei einer Inflation auf diesem Niveau besteht für die Bank of England kein Anlass, die Zinsen weiter anzuheben und zusätzlichen Druck auf die britische Wirtschaft auszuüben. Allerdings könnte – nach derselben Logik wie im Artikel zu EUR/USD erläutert – eine lockerere Haltung der Bank of England die weitere Aufwertung des Pfunds durchaus nicht verhindern.

Die durchschnittliche Volatilität von GBP/USD betrug in den letzten fünf Handelstagen 76 Punkte. Für GBP/USD gilt dies als „moderat“. Am Freitag, dem 3. Juli, erwarten wir daher eine Bewegung innerhalb einer Spanne zwischen 1,3283 und 1,3435. Der obere lineare Regressionskanal zeigt nach unten und signalisiert damit einen bärischen Trend. Der CCI-Indikator hat zweimal den überverkauften Bereich erreicht und dabei zwei bullische Divergenzen ausgebildet, was auf ein mögliches Ende des Abwärtstrends hindeutet.
Nächste Unterstützungsniveaus:
- S1 – 1,3306
- S2 – 1,3245
- S3 – 1,3184
Nächste Widerstandsniveaus:
- R1 – 1,3367
- R2 – 1,3428
- R3 – 1,3489
Handelsempfehlungen:
Das Währungspaar GBP/USD befindet sich weiterhin in einem bärischen Trend. Die Politik von Donald Trump wird die US-Wirtschaft weiter unter Druck setzen, sodass wir nicht von einer anhaltenden Dollar-Stärke ausgehen. Das Jahr 2026 entwickelt sich derzeit aufgrund der Geopolitik und der Bereitschaft der Fed, die Zinsen anzuheben, zu einem sehr positiven Jahr für den Dollar. Auf dem Wochen-Chart bleibt jedoch eine Seitwärtsrange zwischen 1,3150 und 1,3780 innerhalb eines vierjährigen Aufwärtstrends bestehen. Long-Positionen mit Kurszielen bei 1,3428 und 1,3489 können in Betracht gezogen werden, wenn sich der Kurs oberhalb des gleitenden Durchschnitts befindet. Wenn sich der Kurs unterhalb des gleitenden Durchschnitts bewegt, sind Short-Positionen mit einem Ziel bei 1,3123 relevant.
Erläuterung der Charts:
- Lineare Regressionskanäle helfen, den aktuellen Trend zu bestimmen. Zeigen beide in dieselbe Richtung, ist der Trend stark.
- Gleitender Durchschnitt (Einstellungen 20,0, smoothed) bestimmt den kurzfristigen Trend und die Handelsrichtung.
- Murray-Level sind Zielzonen für Bewegungen und Korrekturen.
- Volatilitätsniveaus (rote Linien) zeigen die erwartete Handelsspanne für die nächsten 24 Stunden auf Basis der aktuellen Volatilität an.
- CCI-Indikator: Werte unter -250 (überverkauft) oder über +250 (überkauft) signalisieren eine potenzielle Trendumkehr.