Bitcoin ist fünf Tage in Folge gestiegen und hat dabei ein Zweiwochenhoch erreicht, bevor der Kurs wieder etwas nachgab. Die Rallye wurde nicht durch die eigenen Stärken der Kryptowährung ausgelöst, sondern durch eine Schwäche am Arbeitsmarkt – das Beschäftigungswachstum in den USA fiel geringer aus als erwartet. Kurzfristige Anleiherenditen gingen in der Hoffnung zurück, dass die Federal Reserve die Zinsen in absehbarer Zeit nicht anheben muss. Niedrigere Finanzierungskosten erhöhen typischerweise die Attraktivität volatiler Anlagen – und Bitcoin bildete hier keine Ausnahme.
Zuflüsse in Bitcoin?fokussierte ETFs

Vor dieser Erholung war das Paar BTC/USD auf ein 21‑Monats‑Tief gefallen. Der Juni wurde zum schwächsten Monat für den Kryptomarkt seit 2022. Laut Bloomberg verzeichneten die in den USA gelisteten Spot‑Bitcoin‑ETFs ihren höchsten Monatsabfluss seit dem Start im Januar 2024 – Anleger zogen mehr als 4,1 Milliarden US‑Dollar aus 13 Fonds ab. Der Löwenanteil davon, rund 3 Milliarden US‑Dollar, entfiel auf den größten Fonds der Branche, BlackRocks IBIT.
Doch Rekordmittelabflüsse sind nicht das einzige Problem für Bitcoin. JP Morgan warnt, dass eine Änderung der Strategie von Michael Saylor die Marktdynamik erschüttert hat. Das Unternehmen, das zuvor als Musterbeispiel für eine unerbittliche Akkumulation von Tokens galt, ist zu selektiven Bitcoin‑Verkäufen übergegangen, um Dividenden auf Vorzugsaktien zu finanzieren. Damit läuft einer der größten Käufer der Kryptowährung Gefahr, zum Verkäufer zu werden und trägt zur Aussicht bei, dass auf dem Markt künftig in beide Richtungen geflossen wird.
Dynamik des Abwärtstrends von Bitcoin

JP Morgan schätzt, dass Strategy in diesem Jahr Bitcoin im Wert von 8,2 Milliarden US-Dollar gekauft hat – das entspricht rund 70 % aller Nettozuflüsse in digitale Vermögenswerte in diesem Jahr – und dass die Bestände des Unternehmens 4,2 % des gesamten BTC-Angebots ausmachen. Derzeit reichen die Rücklagen aus, um Dividenden für zwei bis drei Jahre im Voraus zu decken, doch der Markt braucht die Zusicherung, dass diese Bestände nicht monetarisiert werden müssen.
Unterdessen verändert sich die Marktstruktur vor unseren Augen. Privatanleger, die in der Vergangenheit deutliche Kursrückgänge aufgefangen haben, sind weitgehend verschwunden. Bitcoin ist zunehmend von institutionellem Kapital abhängig, und der Markt sucht nach einem neuen marginalen Käufer.

So haben die schwachen US-Arbeitsmarktdaten Bitcoin zwar kurzfristig Luft verschafft, doch die strukturellen Probleme – ETF-Abflüsse und Unsicherheit rund um die Strategie – bestehen weiter. Wird ein neuer marginaler Käufer für BTC/USD auftreten, oder bleibt diese Erholung nur eine Episode innerhalb eines übergeordneten Abwärtstrends?
Aus technischer Sicht bildet BTC/USD im Tageschart ein Umkehrmuster, das als Anti-Turtles bezeichnet wird. Damit dieses aktiviert wird, müssen sich die Kurse oberhalb der Pivot-Marken bei 63.500 und 65.800 US-Dollar behaupten. Ein erfolgreicher Test dieser Widerstände wäre ein Signal, Long-Positionen zu eröffnen. Gelingt es den Bitcoin-Bullen hingegen nicht, den fairen Wert bei 62.700 US-Dollar zu verteidigen, sollte eine Rückkehr zum Verkauf in Betracht gezogen werden.