Gold fällt den zweiten Tag in Folge und kehrt zum wichtigen Unterstützungsniveau von 4.124 US‑Dollar je Unze zurück. Der Grund dafür hängt paradoxerweise mit den Ölpreisen zusammen.
Die Wiederaufnahme von Angriffen auf Schiffe in der Straße von Hormus hat die Ölpreise nach oben getrieben, die Inflationssorgen neu entfacht und damit die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Fed erhöht. Für das nicht verzinsliche Gold sind steigende Zinserwartungen ein negativer Faktor.

Das Verständnis der Mechanismen dieser Verbindung ist entscheidend, um den aktuellen Goldmarkt einordnen zu können. Ein beladener Gastanker wurde vor der Küste Omans von einem Geschoss getroffen, und Iran hat Berichten von Axios zufolge mindestens zwei Raketen auf Handelsschiffe in der Meerenge abgefeuert. Früher hätten solche Eskalationen den Goldpreis automatisch als klassischen sicheren Hafen nach oben getrieben. Doch derzeit greift eine andere Logik. Die Angriffe lassen die Ölpreise steigen; teures Öl bedeutet höhere Inflation, und hohe Inflation zwingt die Federal Reserve, die Zinsen auf einem erhöhten Niveau zu halten. In der Folge wirkt geopolitische Spannung – entgegen dem klassischen Szenario – über die Zinsen eher gegen Gold, anstatt es über die Nachfrage nach sicheren Anlagen zu stützen.
Dennoch bewegt sich das Metall in einer relativ engen Spanne, und der Rückgang ist nicht katastrophal. Das deutet darauf hin, dass sich Anleger vor den in dieser Woche anstehenden Zinsprognosen der Fed in einer abwartenden Haltung befinden. Bemerkenswert ist, dass Gold bereits zuvor Auf- und Abwärtsbewegungen in Reaktion auf Erwartungen zur Geldpolitik erlebt hat. Zunächst fiel es stark, ausgelöst durch den entschiedenen Kurs des neuen Vorsitzenden Kevin Warsh, und erholte sich dann im Anschluss an die schwachen Beschäftigungszahlen der vergangenen Woche, die die Erwartungen einer strafferen Geldpolitik gedämpft haben. Diese Unsicherheit über die nächsten Schritte der Fed hält das Metall in einer seitwärts gerichteten Bewegung.

Silber verliert heute 1,4 % und wird bei 61,21 US-Dollar gehandelt, während auch Platin und Palladium im Minus liegen; der Dollarindex hat sich leicht verstärkt.
Mit Blick auf das aktuelle technische Bild von Gold müssen die Käufer zunächst den nächstgelegenen Widerstand bei 4.186 US-Dollar zurückerobern. Dadurch könnten sie das Ziel bei 4.249 US-Dollar anvisieren, oberhalb dessen ein Durchbruch jedoch recht schwierig werden dürfte. Das weiter entfernte Kursziel liegt im Bereich von etwa 4.304 US-Dollar. Sollte der Goldpreis fallen, werden die Bären versuchen, die Kontrolle über die Marke von 4.124 US-Dollar zurückzugewinnen. Gelingt dies, würde ein Ausbruch aus dieser Spanne die Position der Bullen ernsthaft schwächen und Gold auf ein Tief bei 4.062 US-Dollar drücken, mit der Möglichkeit eines weiteren Rückgangs bis auf 4.008 US-Dollar.