
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels am Mittwoch wurde West Texas Intermediate (WTI) Rohöl bei rund 73,80 US-Dollar je Barrel gehandelt, ein Plus von 1,50 % gegenüber dem Vortag. Dieser Anstieg ist das Ergebnis einer Neubewertung der Risiken für die weltweite Energieversorgung vor dem Hintergrund der sich verschärfenden geopolitischen Lage im Nahen Osten.
Unterstützung erhält der Ölmarkt durch Äußerungen des US-Präsidenten Donald Trump, der das Ende des Memorandum of Understanding mit Iran bestätigte, das darauf abzielte, Konflikte in der Region zu verringern. Auf einem Gipfel der North Atlantic Treaty Organization (NATO) brachte Trump seine Ablehnung zum Ausdruck, die Verhandlungen mit Iran nach den jüngsten Angriffen auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus fortzusetzen.
Die Spannungen in der Region haben sich verschärft, nachdem das U.S. Central Command (CENTCOM) Angriffe auf iranische Militärinfrastruktur als Reaktion auf Attacken gegen mehrere Handelsschiffe in der Straße von Hormus bestätigt hat. Diese zentrale Seehandelsroute ist eine lebenswichtige Ader, durch die etwa ein Fünftel des weltweiten Ölangebots transportiert wird, was Befürchtungen über mögliche Störungen der Energieflüsse schürt.
Analysten von ING betonen, dass der Anstieg der Ölpreise mit den zunehmenden Spannungen im Persischen Golf und der Entscheidung der USA zusammenhängt, befristete Lizenzen zu widerrufen, die bestimmte Verkäufe von iranischem Öl erlaubt hatten. In dem Bericht der Bank heißt es, dass diese Maßnahme das Risiko erhöht, die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran zu beeinträchtigen, während der Rückgang der Lagerbestände an Rohöl und Ölprodukten in den USA zusammen mit neuen Angriffen auf russische Raffinerien ebenfalls als Katalysatoren für steigende Ölpreise wirken.
Unterdessen verweisen Experten von BNY auf die zunehmende Instabilität an den Finanzmärkten, da die Hoffnungen auf eine rasche Wiederherstellung eines normalen Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus allmählich schwinden. Die Bank hob hervor, dass die Ölpreise zwar bereits heftig auf die jüngste Eskalation reagiert haben, die weitere Marktentwicklung jedoch darüber entscheiden wird, ob sich der aktuelle Konflikt zu einer länger anhaltenden geopolitischen Krise ausweitet, die erhebliche Turbulenzen an den Märkten auslösen könnte.
Aus technischer Sicht hat der Ölpreis die 200‑Tage‑ und 20‑Tage‑SMAs überschritten und den Bullen damit Spielraum für weitere Kursgewinne eröffnet. Allerdings sind die Oszillatoren im Tageschart noch nicht in den positiven Bereich vorgedrungen, was den Vorteil der Bären bestätigt. Im 4‑Stunden‑Chart sind die Oszillatoren positiv, und der Relative Strength Index befindet sich im überkauften Bereich, was auf eine Konsolidierung hindeutet. Gleichzeitig würde ein Ausbruch über die 100‑Tage‑SMA in diesem Zeitfenster den Bullen in die Karten spielen.