Daten zeigen, dass die Konsumentenkredite in den USA unerwartet zum ersten Mal seit 2024 zurückgegangen sind – eine bemerkenswerte Überraschung für den Markt, die den Dollar nach unten schickte. Nach Angaben der am Mittwoch veröffentlichten Daten der Federal Reserve verringerte sich das ausstehende Gesamtvolumen der Konsumentenkredite im Mai um rund 182 Millionen US‑Dollar, nachdem es in den beiden Vormonaten deutlich gestiegen war. Das stand in starkem Gegensatz zu den Prognosen: Die Median-Schätzung in einer Reuters/Consensus-Umfrage hatte mit einem Anstieg um 17,5 Milliarden US‑Dollar gerechnet, sodass das tatsächliche Ergebnis einen Fehlgriff kolossalen Ausmaßes darstellte.
Die Zusammensetzung des Rückgangs hilft zu erklären, was mit den US-Verbrauchern passiert. Der Hauptbeitrag kam von einem Rückgang um 5,3 Milliarden US-Dollar bei ausstehenden Kreditkartenschulden und sonstigen revolvierenden Verbindlichkeiten – dem größten Rückgang in dieser Kategorie seit 2024. Gleichzeitig stiegen nicht revolvierende Kredite wie Autokredite und Studentenkredite weiter an und legten um 5,1 Milliarden US-Dollar zu. Das ist ein aufschlussreicher Kontrast: Die Amerikaner haben offensichtlich bewusst damit begonnen, die teuersten und belastendsten Schulden – Kreditkartensalden – abzubauen, während größere, zweckgebundene Kredite für Autos und Ausbildung weiterhin im bisherigen Tempo aufgenommen werden.
Der Grund für dieses Verhalten ist klar und steht in direktem Zusammenhang mit den Kosten dieser Schulden. Der durchschnittliche Zinssatz für Kreditkarten mit Saldo lag im Mai bei erhöhten 22,15 %. Angesichts der Kosten der Kreditaufnahme ist es aus Sicht rationalen Verbraucherverhaltens naheliegend, die Tilgung der Kreditkartensalden zu priorisieren. Besonders problematisch ist, dass Entlastung unwahrscheinlich ist: Händler preisen für dieses Jahr eher eine Zinserhöhung der Fed als eine Senkung ein, sodass Kreditnehmer auf absehbare Zeit kaum mit einer Entspannung bei den Kreditkartenzinsen rechnen können.
Der Kontext dieses Berichts ist für eine korrekte Einordnung entscheidend. Die Konsumausgaben sind in den vergangenen Monaten trotz eines durch den Krieg im Iran ausgelösten Ölpreisschocks, der die Preise – insbesondere an der Zapfsäule – in die Höhe trieb, robust geblieben. Mit anderen Worten: Der Rückgang bei der Kreditaufnahme im Mai ist kein Zeichen dafür, dass die Amerikaner aufgehört haben zu konsumieren, sondern vielmehr ein Hinweis auf Schuldenmüdigkeit nach dem stärksten aufeinanderfolgenden Anstieg der Verbraucherkredite seit drei Jahren. Die Menschen konsumieren weiter, ziehen es aber zunehmend vor, bestehende Schulden abzubauen, anstatt neue aufzunehmen – insbesondere die teuersten.
Es gibt einen hoffnungsvollen Zusammenhang mit der jüngsten Entwicklung der Energiepreise. Sinkende Benzinpreise hellen, wie die Stimmungserhebungen zeigen, bereits das Verbrauchervertrauen auf. Das könnte in den kommenden Monaten etwas Entlastung für die Haushaltsbudgets bringen und den Druck allmählich mindern, der die Haushalte gezwungen hat, Kreditkarten zur Deckung laufender Kraftstoffausgaben zu nutzen.
Der Rückgang des Dollar mag auf den ersten Blick unlogisch erscheinen, da ein Rückgang der Kreditaufnahme für sich genommen kein offensichtliches dovishes Signal für die Federal Reserve ist. Der Markt scheint die Daten jedoch als frühen Indikator für eine abkühlende Konsumnachfrage und eine zunehmende finanzielle Ermüdung der Haushalte unter der Last hoher Zinsen zu interpretieren.
Technischer Ausblick für EUR/USD
Was das aktuelle technische Bild für EUR/USD angeht, müssen die Käufer das Niveau von 1,1460 überwinden. Erst dann wäre der Weg für einen Test von 1,1490 frei. Von dort aus könnten sie einen Anstieg in Richtung 1,1525 anstreben, doch ohne Unterstützung durch die großen Marktteilnehmer dürfte das schwierig werden. Auf der Unterseite rechne ich erst im Bereich von 1,1425 mit ernsthaftem Kaufinteresse. Bleiben dort Käufer aus, wäre es besser, auf eine Erneuerung des Tiefs bei 1,1395 zu warten oder Long-Positionen ab 1,1365 zu eröffnen.