Gold hat sich heute bei rund 4.120 US-Dollar je Unze stabilisiert. Unterdessen bewerten Händler die Auswirkungen der wieder aufflammenden Feindseligkeiten im Nahen Osten sowie die Aussichten auf eine Zinserhöhung durch die Federal Reserve zur Bekämpfung der Inflation. Bemerkenswert ist, dass trotz des Schlagabtauschs in dieser Woche und der Wiedereinführung der US-Ölsanktionen gegen den Iran die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran weiterlaufen. Dies geht jedoch auf die Aussage eines amerikanischen Beamten zurück.

Offensichtlich haben die jüngsten Konfrontationen das im vergangenen Monat unterzeichnete vorläufige Friedensabkommen gefährdet und die Unsicherheit in Bezug auf den sicheren Transport von Energielieferungen und anderen Gütern durch die Straße von Hormus erhöht. Die Argumentation für Gold bleibt unverändert und ist bereits hinlänglich bekannt. Die Eskalation der Feindseligkeiten erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen länger hoch hält, um den inflationsfördernden Effekt steigender Energiekosten zu bekämpfen. Aus dem in dieser Woche veröffentlichten Protokoll der Fed-Sitzung im Juni ging hervor, dass einige Mitglieder Gründe für eine Zinserhöhung sahen, auch wenn der Leitzins letztlich unverändert blieb. Eine straffere Geldpolitik wirkt sich traditionell negativ auf Gold aus, das keine Zinsen abwirft. Ein starker Dollar kann zudem einen erheblichen Widerstand für weiter steigende Goldpreise darstellen.
Ein zusätzlicher Impuls für den Goldmarkt war die Äußerung des Präsidenten der New York Fed, John Williams, wonach ihn unter den Einflussfaktoren auf die US-Inflation die von künstlicher Intelligenz getriebene Nachfrage am meisten beunruhigt. Sollte dieser Druck anhalten, könnte dies die Notenbank, so Williams, zu weiteren Zinserhöhungen zwingen. Dies markiert eine deutliche Schwerpunktverlagerung. Während sich die Aufmerksamkeit zuletzt vor allem auf Energie- und Zollbelastungen richtete, identifiziert nun eines der einflussreichsten Fed-Mitglieder die von KI getriebene strukturelle Nachfrage als zentrales Inflationsrisiko. All dies wirkt sich belastend auf die Aufwärtsaussichten für Gold aus.
Derzeit gibt es jedoch nur wenige Anzeichen dafür, dass Anleger in Erwartung weiterer Rückgänge umfangreiche Short-Positionen aufbauen. Dies spricht eher für eine vorsichtige Pause am Markt als für einen echten Stimmungsumschwung auf die bärische Seite. Die strukturelle Unterstützung durch Zentralbanken bleibt ein wichtiger Gegenspieler zu dem kurzfristigen Druck.
Die kommenden Tage, insbesondere der Fortgang der technischen Gespräche zwischen den USA und dem Iran, werden darüber entscheiden, ob Gold sich über 4.100 US-Dollar halten kann oder ob das psychologisch wichtige Niveau von 4.000 US-Dollar erneut getestet wird.

Was das aktuelle technische Bild für Gold betrifft, müssen die Käufer zunächst den nächsten Widerstand bei 4.124 $ überwinden. Dadurch eröffnet sich das Ziel bei 4.186 $, wobei ein Durchbruch darüber hinaus bereits deutlich schwieriger werden dürfte. Das weiter entfernte Kursziel liegt bei 4.249 $. Sollte Gold fallen, werden die Bären versuchen, die Kontrolle über 4.062 $ zu übernehmen. Gelingt ihnen das, würde ein Ausbruch aus der Handelsspanne die Long-Positionen empfindlich treffen und Gold auf ein Tief von 4.008 $ drücken, mit dem Potenzial, 3.954 $ zu erreichen.