Unterdessen bleibt die Nachfrage nach Risikoanlagen relativ robust, auch wenn die Frage einer Zinserhöhung der Fed bis zum Jahresende weiterhin im Raum steht. Kevin Warsh hat fünf Arbeitsgruppen eingesetzt – darunter ein Nobelpreisträger, ein ehemaliger Chef der Bank of England und der Gründer von Andreessen Horowitz – mit dem Auftrag, die grundlegende Architektur der Entscheidungsfindung bei der Federal Reserve zu überprüfen. Gestern hat der Fed-Vorsitzende die Leiter dieser Gruppen bekanntgegeben. Sie werden zentrale Aspekte der geldpolitischen Entscheidungsprozesse der Notenbank untersuchen, mit Blick auf potenziell weitreichende Änderungen.

Die Liste ist bemerkenswert aufgrund ihrer Vielfalt und ihres Gewichts. Zu den Gruppenleitern zählen der frühere Bank-of-England-Gouverneur Mervyn King, der den britischen Regulierer durch die Krise von 2008–09 steuerte; der ehemalige Präsident der brasilianischen Zentralbank Arminio Fraga, bekannt als Verfechter der Unabhängigkeit der Zentralbank; sowie der frühere Gouverneur der Reserve Bank of India, Raghuram Rajan, berühmt für seine frühen Warnungen vor der globalen Finanzkrise. Ebenfalls auf der Liste stehen die Harvard-Ökonomin Karen Dynan und der frühere Walmart-CEO Doug McMillon. Besonders hervorzuheben sind der Stanford-Professor Charles Jones und Marc Andreessen, Mitbegründer von Andreessen Horowitz, die sich der Gruppe für Produktivität und Beschäftigung angeschlossen haben.
Jede der fünf Gruppen hat einen spezifischen Auftrag. Die erste wird die Kommunikationsstrategie der Fed untersuchen; die zweite – zu der auch der frühere Fed-Gouverneur Jeremy Stein gehört – wird die Bilanzsumme von 6,7 Billionen US-Dollar überprüfen; die dritte wird sich auf die verwendeten Datenquellen konzentrieren; die vierte wird Produktivität und Arbeitsmarkt analysieren; und die fünfte soll den Rahmen für die Inflationssteuerung überdenken.
Die Initiative setzt folgerichtig die Agenda fort, die Kevin Warsh vor seinem Amtsantritt skizziert hatte. Er wurde im Mai zum Fed-Vorsitzenden ernannt und drängt auf eine Änderung des operativen Regimes der Zentralbank sowie auf einen umfassenden Wandel in den Politikansätzen. Der Auftrag an die Arbeitsgruppen spiegelt diese Rhetorik wider. „Jede Arbeitsgruppe wird sorgfältig prüfen, ob die Instrumente und Methoden, die analytischen Werkzeuge und die Politikansätze der Regulierer verbessert werden können“, sagte Warsh am Donnerstag. Das Ziel, so fügte er hinzu, sei einfach: sicherzustellen, dass die Fed in diesem entscheidenden Moment so gut wie möglich darauf vorbereitet ist, ihre Ziele zu erreichen.
Die Gruppen sollen ihre Ergebnisse bis zum Jahresende vorlegen, und die eigenen Mitarbeiter der Fed werden die externen Experten unterstützen.
Wenig überraschend gab es zunächst keine unmittelbare Reaktion an den Währungs- oder Aktienmärkten auf die Ernennungen, doch sobald konkretere Vorschläge und Veränderungen vorliegen, könnten Händler sehr deutlich reagieren.