
EUR/USD befindet sich weiterhin in einem lokalen bärischen Impuls, während es den Käufern in den vergangenen drei Wochen lediglich gelungen ist, die Verkäufer leicht zurückzudrängen. Die Zugewinne des Euro fallen bescheiden aus, doch selbst eine begrenzte Aufwertung ist einem erneuten Rückgang vorzuziehen. Die Käufer haben einen Vorstoß gestartet, allerdings hängen die weiteren Perspektiven des Euro von der geopolitischen Lage, der Inflation und den Signalen der Federal Reserve ab.
In dieser Woche wurde bekannt, dass die Inflation in den USA auf 3,5 % im Jahresvergleich zurückgegangen ist, anstatt auf die vom Markt erwarteten 3,8 %. Dadurch hat sich die Wahrscheinlichkeit weiterer geldpolitischer Straffungen durch das Federal Open Market Committee (FOMC) deutlich verringert. Meiner Einschätzung nach bedeutet dies nicht, dass die Fed die Möglichkeit einer weiteren Zinserhöhung völlig aufgegeben hat, doch die Inflation ist innerhalb eines Monats dennoch um 0,7 Prozentpunkte gesunken.
Auch der Vorsitzende der Federal Reserve, Kevin Warsh, hat vor dem Kongress ausgesagt. Wie erwartet blieb seine Rhetorik weitgehend unverändert im Vergleich zur Fed-Pressekonferenz vor einem Monat: Der Fokus lag weiterhin auf der Herausforderung einer erhöhten Inflation. Marktteilnehmer hatten jedoch mit einem deutlich restriktiveren Ton gerechnet – und diesen nicht bekommen. Infolgedessen fand der US‑Dollar in dieser Woche nur wenig Unterstützung, wobei auch die Käufer des Euro zögerten, aggressiv zu agieren. Aus meiner Sicht ist die Situation nach wie vor eher ungewöhnlich. Der Dollar wertet weiter auf – oder verhindert zumindest eine Abschwächung – nahezu unabhängig von den Rahmenbedingungen.
Es sei zudem daran erinnert, dass die jüngsten Daten vom US‑Arbeitsmarkt relativ schwach ausgefallen sind. Die Beschäftigung entwickelte sich verhalten; das Beschäftigungswachstum der vergangenen drei Monate lag insgesamt rund 100.000 Stellen unter den Erwartungen der Händler. In der Folge zwingt die Kombination aus einem sich abkühlenden Arbeitsmarkt und nachlassender Inflation das FOMC zu einer weitaus vorsichtigeren Bewertung der Notwendigkeit weiterer geldpolitischer Straffungen.
Geopolitik ist in den Hintergrund gerückt. In der vergangenen Woche haben Teheran und Washington erneut die Bedingungen des Waffenstillstands und der Vereinbarung vom 17. Juni verletzt, was die Marktteilnehmer jedoch kaum überraschte. US‑Präsident Donald Trump unterzeichnete eine Executive Order, mit der die Genehmigung für iranische Ölexporte widerrufen und Beschränkungen für die iranische Schifffahrt wiedereingeführt wurden, während Iran erneut die Straße von Hormus schloss und Angriffe auf Schiffe aufnahm, die versuchten, diese zu passieren.
Als sich der Konflikt zuvor entschärfte, reagierte der Markt kaum – und dementsprechend fällt die Reaktion auf die erneute Eskalation ebenfalls verhalten aus. Weder kam es zu der weithin erwarteten Schwächung des US‑Dollars im Zuge nachlassender geopolitischer Spannungen, noch konnte der Euro nach der strafferen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank nachhaltig zulegen. Infolgedessen bleiben die Verkäufer trotz des übergeordneten fundamentalen und geopolitischen Umfelds in einer starken Position. Derzeit liefern die wieder aufflammenden geopolitischen Spannungen den Bären zwar einen formalen Rechtfertigungsgrund für neuen Verkaufsdruck, aber meines Erachtens reagiert der Markt bereits zum dritten Mal auf dieselben geopolitischen Entwicklungen – einschließlich Ereignissen, die in der Realität noch gar nicht eingetreten sind.
Das aktuelle technische Bild signalisiert weiterhin das Fortbestehen des am 17. April gestarteten bärischen Impulses. Bearish Imbalance 17 wurde bislang nicht bereinigt, während Imbalance 18 nach den schwachen US‑Arbeitsmarktdaten ungültig geworden ist. Bullische Kursmuster haben sich nicht herausgebildet, und voraussichtlich werden in den kommenden Tagen auch keine entstehen, da sich der Markt weitgehend seitwärts bewegt. In der Folge können die Käufer ihre Korrekturbewegung in Richtung Imbalance 17 zwar fortsetzen, doch für ein aktives Trading dieses Szenarios fehlt derzeit die technische Grundlage.
Außerdem ist zu beachten, dass die Liquidität unterhalb des Tiefs vom 1. August des vergangenen Jahres (auf dem Chart durch die rote Linie markiert) abgefischt wurde. Momentan stellt dies das einzige technische Signal dar, das die Käufer unterstützt.
Der ökonomische Kalender am Donnerstag war vergleichsweise ereignisarm. Weder Käufer noch Verkäufer haben im Verlauf der Sitzung entschlossene Schritte unternommen. Weder die US‑Einzelhandelsumsätze noch die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe konnten eine nennenswerte Marktreaktion auslösen.
Es gibt nach wie vor zahlreiche Gründe, weshalb die Käufer im Verlauf des Jahres 2026 wieder die Kontrolle übernehmen könnten; selbst der Konflikt im Nahen Osten hat diese Argumente nicht wesentlich geschwächt. Aus struktureller und langfristiger Perspektive haben sich die politischen Rahmenbedingungen unter Präsident Trump – die im vergangenen Jahr maßgeblich zum deutlichen Rückgang des US‑Dollars beitrugen – nicht grundlegend verändert. Derzeit sehe ich trotz der restriktiven Haltung des FOMC nur wenige starke Faktoren, die den Dollar nachhaltig stützen. EUR/USD nähert sich einer Reihe wichtiger Tiefs und Swing-Punkte, an denen Liquidität abgefischt werden könnte und sich damit ein Signal für eine Umkehr des aktuellen bärischen Impulses ergeben kann.
Wirtschaftskalender (Vereinigte Staaten und Eurozone)
Eurozone
- Verbraucherpreisindex (09:00 UTC)
Vereinigte Staaten
- Baubewilligungen (12:30 UTC)
- Baubeginne (12:30 UTC)
- Industrieproduktion (13:15 UTC)
- University of Michigan Consumer Sentiment Index (14:00 UTC)
Der Wirtschaftskalender für den 17. Juli umfasst fünf Veröffentlichungen, von denen ich keine als besonders bedeutend einstufe. Daher ist davon auszugehen, dass die Makrodaten am Freitag nur begrenzt Einfluss auf die Marktstimmung haben werden – vor allem in der zweiten Tageshälfte.
EUR/USD‑Prognose und Trading-Tipps
Meiner Einschätzung nach befindet sich das Währungspaar weiterhin in der Ausbildung eines bullischen Trends. Obwohl sich das fundamentale Umfeld vor vier Monaten deutlich zugunsten der Verkäufer verschoben hat, kann der übergeordnete Aufwärtstrend noch nicht als aufgehoben oder abgeschlossen gelten. Entsprechend könnten die Käufer nach dem Abfischen der Liquidität unter den klar definierten Tiefpunkten einen neuen Vorstoß starten. Allerdings ist es in dieser Phase nicht ratsam, vorschnell Long‑Positionen zu eröffnen. Zunächst sollten sich bullische technische Muster ausbilden, um dieses Szenario zu bestätigen.
Aktuell steht den Tradern lediglich Bearish Imbalance 17 als Referenz zur Verfügung. Die Liquidität unter den jüngsten Swing-Tiefs wurde bereits abgefischt, während die fundamentale Begründung für die Stärke des US‑Dollars weiterhin fragwürdig bleibt. Daher rechne ich nach wie vor mit einer bullischen Erholung, doch es ist wichtig, vor einem Engagement in dieses Szenario zumindest eine gewisse technische Bestätigung abzuwarten. Alternativ können Trader auf ein neues Verkaufssignal innerhalb von Bearish Imbalance 17 warten.