Am Freitag setzte das Währungspaar EUR/USD seine Abwärtsbewegung nach einer Erholung vom 50,0%-Fibonacci-Retracement-Niveau bei 1,1472 fort. In den vergangenen Wochen haben sich die Händler innerhalb der Spanne von 1,1395 bis 1,1472 bewegt. Daher ist es naheliegend zu erwarten, dass EUR/USD auch heute weiterhin innerhalb dieser Grenzen gehandelt wird. Eine Konsolidierung oberhalb des Niveaus von 1,1472 würde eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung in Richtung 1,1507 und 1,1551 begünstigen.

Die Wellenstruktur im Stundenchart bleibt trotz des anhaltenden (wenn auch schwachen) Vorstoßes der Bullen bärisch. Die letzte abgeschlossene Abwärtswelle konnte das vorherige Tief nicht unterschreiten, während die jüngste Aufwärtswelle ihrerseits noch nicht das vorherige Hoch übertreffen konnte. Unterdessen hat sich die geopolitische Lage erneut verschlechtert, da Iran und die Vereinigten Staaten zur Blockade der Straße von Hormus und zu aktiven Militäroperationen zurückgekehrt sind. Ein Ausbruch über das Hoch bei 1,1473 würde das Ende des Abwärtstrends bestätigen, doch in den vergangenen drei Wochen haben die Bullen nur ihre Schwäche offenbart.
Der Nachrichtenfluss am Freitag war vergleichsweise dünn und löste keine nennenswerte Marktreaktion aus. Unter den Veröffentlichungen des Tages – von denen keine von besonderer Tragweite war – ragte der Consumer Sentiment Index der University of Michigan heraus, der über den Markterwartungen lag. Allerdings reichte selbst dieser Wert nicht aus, um die Bären zu einem neuen Angriff zu motivieren. Der Markt befindet sich in einer klassischen Patt-Situation: Die Bullen schaffen es nicht, die Kurse weiter nach oben zu treiben, während die Bären nicht gewillt sind, sie weiter zu drücken – oder vielleicht ist es genau umgekehrt. Das derzeitige fundamentale Umfeld lässt unterschiedliche Interpretationen zu. Sollte der US‑Dollar an Stärke gewinnen, wäre dies angesichts des wieder aufgeflammten Konflikts im Nahen Osten kaum überraschend. Sollte hingegen der Euro aufwerten, wäre auch das leicht zu begründen: Die European Central Bank (ECB) hat bereits mit einer Straffung der Geldpolitik begonnen, während die Federal Reserve einen solchen Schritt bislang nur in Erwägung zieht. Insgesamt verfügt derzeit weder die bullische noch die bärische Seite über einen klaren Vorteil. In dieser Woche findet die geldpolitische Sitzung der ECB statt, doch es ist unwahrscheinlich, dass die Zentralbank die Zinsen in zwei aufeinanderfolgenden Sitzungen anhebt. Daher rechne ich nach diesem Ereignis nicht mit einer erneuten Belebung der Aufwärtsdynamik. Schon die geldpolitische Straffung der ECB vor anderthalb Monaten wurde von den Bullen weitgehend ignoriert, sodass wenig Anlass besteht zu erwarten, dass sie in dieser Woche allein aufgrund der ECB‑Politik deutlich aktiver werden.

Im 4-Stunden-Chart handelt das Paar weiterhin seitwärts. Eine Konsolidierung oberhalb der Marke von 1,1411 würde das Szenario weiterer Kursgewinne stützen, doch der Kurs hat zuletzt zu häufig die Richtung gewechselt, während das gesamte Handelsvolumen verhalten bleibt. Derzeit zeigen keine der technischen Indikatoren neue Divergenzen. Der abwärtsgerichtete Trendkanal bleibt intakt.
Commitments of Traders (COT) Report

In der letzten Berichtswoche eröffneten professionelle Trader 6.877 Long-Positionen und 3.255 Short-Positionen. In den sieben Wochen im Februar und März ist der deutliche Vorteil der Bullen aufgrund des Kriegs unter Beteiligung des Iran verschwunden. In den vergangenen sechzehn Wochen hat sich der Markt im Zuge der vorübergehenden Waffenruhe und der Hoffnung auf ein Ende des Konflikts stärker ausbalanciert. Spekulanten halten derzeit 230.000 Long-Positionen und 245.000 Short-Positionen.
Aus längerfristiger Sicht zeigen große institutionelle Händler weiterhin ein starkes Interesse am Euro. Selbstverständlich beeinflussen die zahlreichen globalen Ereignisse der vergangenen Jahre die Anlegerstimmung nach wie vor. Insbesondere richten Marktteilnehmer ihren Fokus weiterhin auf die Entwicklungen im Nahen Osten, wo der Konflikt immer wieder abflaut und anschließend erneut eskaliert. Zunächst ignorierte der Markt die Waffenruhe und später auch die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen. Infolgedessen sind geopolitische Faktoren nicht mehr der einzige Treiber für die Richtung des US-Dollar.
Wirtschaftskalender für die USA und die Eurozone
Der Wirtschaftskalender für den 20. Juli enthält keine nennenswerten Veröffentlichungen. Daher ist es unwahrscheinlich, dass die Konjunkturdaten die Marktstimmung am Montag beeinflussen werden.
EUR/USD-Prognose und Trading-Tipps
Long-Positionen können heute nach einem Rückprall vom Niveau bei 1,1395 im Stundenchart in Erwägung gezogen werden, mit Kurszielen bei 1,1438 und 1,1472. Alternativ können sich Kaufgelegenheiten nach einem bestätigten Ausbruch und einer anschließenden Stabilisierung oberhalb von 1,1472 ergeben. Short-Positionen kommen in Betracht, wenn sich der Kurs im Stundenchart unterhalb von 1,1395 etabliert, mit einem Ziel bei 1,1325. Die Marktbewegungen bleiben weiterhin äußerst verhalten.
Die Fibonacci-Retracement-Niveaus werden im Stundenchart von 1,1620–1,1325 und im 4-Stunden-Chart von 1,1411–1,1850 angelegt.