
Die FAA hat Boeing offiziell wieder das Recht übertragen, Lufttüchtigkeitszeugnisse für neue 737 MAX- und 787 Dreamliner-Flugzeuge in Eigenregie auszustellen. Diese Entscheidung spiegelte sich sofort im Aktienkurs wider: Die Papiere des Luft- und Raumfahrtkonzerns legten im vorbörslichen Handel um 1,0 % zu. Damit endet eine mehrjährige Phase verschärfter Aufsicht durch die Regulierungsbehörde, die nach einer Reihe von Produktionsverstößen eingeführt worden war.
Bereits im September 2025 hatte Boeing teilweise Selbstzertifizierungsrechte erhalten: Damals wechselten sich das Unternehmen und die Aufsichtsbehörde wochenweise bei der Ausstellung der Zertifikate ab. In den darauffolgenden acht Monaten stellte die FAA fest, dass die Produktionsqualität unabhängig davon vergleichbar blieb, wer das Zertifikat ausstellte, und kam zu dem Schluss, dass eine vollständige Übertragung dieser Befugnisse auf Boeing kein Sicherheitsrisiko darstellt.
FAA-Administrator Bryan Bedford kommentierte die Entscheidung: „Sicherheit steht hinter allem, was wir tun, und dieser Schritt nach vorn ist nur möglich, weil wir sicher sind, dass er sicher umgesetzt werden kann.“
Ein weiterer positiver Marktimpuls kam von FAA-Vizeadministrator Chris Rocheleau auf der Luftfahrtmesse in Farnborough: Die Zulassung der 737 MAX 7 sei „im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr weit entfernt“, und die MAX 10 werde kurz darauf folgen.
Die FAA rechnet zudem damit, die Boeing 777X nach der Zulassung der beiden MAX-Varianten zu zertifizieren – laut Rocheleau könnte dies entweder gegen Ende des laufenden Jahres oder Anfang 2027 erfolgen, abhängig davon, wann Boeing die erforderlichen Unterlagen vorlegt.

Das Management von Boeing wertet diese Schritte als Bestätigung für Fortschritte. Stephanie Pope, CEO von Boeing Commercial Airplanes, sagte am Vorabend der Luftfahrtmesse, das Unternehmen verfüge über ein sehr starkes Orderbuch und betonte, dass die Nachfrage nicht das Problem sei: Die Priorität des Unternehmens bestehe darin, auf Kunden und Zulieferer zu hören und die Produktion hochzufahren.
Auch die finanzielle Lage des Unternehmens gibt Anlass zu Optimismus. Boeing, das von 2018 bis 2024 jährliche Verluste verzeichnete, erwartet, in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 einen positiven Cashflow zu erreichen.
Zu Beginn dieser Woche meldete das Unternehmen die Auslieferung von 314 Verkehrsflugzeugen im ersten Halbjahr – ein Rekord für diesen Zeitraum seit 2018. Der erwartete Auftrieb durch neu zertifizierte Flugzeuge gilt als Schlüsselelement für das langfristige Ziel des Unternehmens, jährlich 10 Milliarden US-Dollar freien Cashflow zu erwirtschaften.
Das Umfeld am US-Aktienmarkt blieb insgesamt unterstützend: Der S&P 500 legte um 0,4% zu, der Dow Jones stieg um 0,3% und der Nasdaq gewann 0,7%, was eine ausgeprägte Risikobereitschaft in den meisten Sektoren widerspiegelt.
Die Kombination aus wiederhergestellten Zertifizierungsbefugnissen, Äußerungen hochrangiger FAA-Beamter über die bevorstehende Zulassung neuer MAX-Varianten und Rekordauslieferungen im ersten Halbjahr zeichnet das Bild eines Unternehmens, das nach Jahren von Sicherheits- und Produktionskrisen einen Wendepunkt hinter sich lässt.
Für Anleger ist dies ein überzeugender Anlass, den Kauf von Boeing-Aktien vor Veröffentlichung der Ergebnisse für das zweite Quartal in Erwägung zu ziehen, die für den 28. Juli 2026 geplant ist.