Das Währungspaar USD/JPY hat die psychologisch wichtige Marke von 163,00 nach oben durchbrochen und während der Asien-Session 163,24 erreicht. Dies ist der höchste Stand seit 1986 und spiegelt die kombinierte Wirkung mehrerer fundamentaler Faktoren wider: die Verschlechterung der japanischen Handelsbilanz, die Eskalation des Konflikts im Persischen Golf sowie den anhaltenden Zinsunterschied zwischen den Vereinigten Staaten und Japan.
Am 21. Juli veröffentlichte das japanische Finanzministerium die Handelsbilanzdaten für Juni. Die Zahlen waren alarmierend und zeigten ein Defizit von £406,9 Milliarden (rund 2,5 Milliarden US-Dollar). Dies bedeutete nicht nur eine Umkehr gegenüber dem Überschuss von £122,3 Milliarden im Vorjahr, sondern fiel auch deutlich schlechter aus als die Markterwartungen, die mit einem Defizit von etwa £120 Milliarden gerechnet hatten. Die Importe schnellten um 25,4% auf einen Rekordwert von £11,33 Billionen in die Höhe, angetrieben durch steigende Energiepreise. Japan bezieht mehr als 90% seines Rohöls aus dem Nahen Osten, und der Anstieg der Energiekosten machte den Rückgang der realen Importmengen mehr als wett.

Dieses Handelsdefizit erzeugt einen Teufelskreis: Ein schwächerer Yen verteuert Importe in lokaler Währung weiter, wodurch sich das Handelsdefizit ausweitet, was wiederum zusätzlichen Abwärtsdruck auf den Yen ausübt. Nach Angaben des Japan Center for Economic Research könnte die Eskalation des regionalen Konflikts in Verbindung mit anhaltend hohen Energiepreisen das reale BIP-Wachstum Japans im zweiten Quartal auf nur noch 0,3 % gegenüber dem Vorjahr drücken.
Sollte sich der Konflikt im Golf in die Länge ziehen, wäre Japan gezwungen, alternative, teurere Lieferwege zu suchen. Das würde zu höheren Unternehmenskosten und einer schwächeren Konsumnachfrage führen. In einem solchen Szenario dürfte der Yen unter strukturellem Druck bleiben, und USD/JPY könnte über 165 steigen.
Morgen, am 24. Juli, veröffentlicht Japan die Verbraucherpreisindizes (CPI) für den Monat Juni.
Die nächste geldpolitische Sitzung der Bank of Japan ist für den 30.–31. Juli angesetzt. Die Märkte rechnen damit, dass die BOJ ihren Leitzins unverändert bei 1,0 % belässt, dem höchsten Stand seit 1995. Angesichts der schwachen BIP-Daten und der schleppenden Konsumausgaben erwarten Anleger keine überraschend restriktive Wendung der Notenbank.
Der Ausbruch über die Marke von 163,00 hat das technische Bild deutlich verändert. Finanzminister Katsuya Iba hat bereits erklärt, dass die Regierung bereit ist, „entschlossene Maßnahmen“ zu ergreifen. Der Markt hat sich jedoch an solche Warnungen gewöhnt, nachdem es im April und Mai zu umfangreichen Währungsinterventionen gekommen ist. Die historische Erfahrung zeigt, dass selbst massive Interventionen nur vorübergehende Wirkung haben, da es äußerst schwierig ist, den übergeordneten Trend umzukehren, solange der Leitzins der Federal Reserve 275 Basispunkte über dem Japans liegt.
Die Netto-Short-Positionierung im Yen hat sich leicht auf -£9,5 Milliarden verringert, doch die Marktpositionierung bleibt klar bärisch, während der geschätzte faire Wert weiterhin rasch steigt.

Die nächste wichtige Widerstandsmarke liegt bei 164,50 und entspricht dem Hoch aus dem November 1986. Zwischen dem aktuellen Kursniveau und diesem Bereich bestehen praktisch keine nennenswerten historischen Widerstände, sodass der technische Pfad für weitere Kursgewinne offen bleibt. Ohne offizielle Intervention dürfte der Yen in den kommenden ein bis zwei Wochen die Marke von 164,50 testen. Sollte es zu einer Intervention kommen, ist eine Korrektur in den Bereich von 160,00–161,00 möglich, wobei potenzielle Yen-Verkäufer solche Rückgänge voraussichtlich als Kaufgelegenheit ansehen werden.
Solange die Federal Reserve keinen aggressiven Zinssenkungszyklus einleitet und die Spannungen im Nahen Osten erhöht bleiben, dürfte der fundamentale Druck auf den Yen anhalten. Eine Trendumkehr würde einen deutlichen Wandel im makroökonomischen Umfeld erfordern – entweder einen starken Rückgang der Ölpreise oder eine Rezession in den USA.