Gebranntes Kind scheut das Feuer: Aus Erfahrung wird man klug. Spekulanten haben diese Lektion in der vergangenen Woche auf bittere Weise gelernt – damals wurde der Euro zunächst auf Gerüchte über eine restriktive Rhetorik der Europäischen Zentralbank hin gekauft, nur um dann noch vor der Sitzung des EZB‑Rates wieder verkauft zu werden. Die Geschichte wiederholt sich. Der US‑Dollar wurde im Vorfeld der FOMC‑Sitzung im Juli gekauft, und dann begann man, ihn noch vor dem Urteil der Federal Reserve wieder zu verkaufen. EUR/USD pendelt hin und her wie eine Wetterfahne im Wind.
Citadel Securities ist überzeugt, dass die geldpolitische Straffung im Juli der Inflationswelle ein Ende bereiten und die Unabhängigkeit der Zentralbank unterstreichen wird. Wrightson ICAP sieht keine stichhaltigen Gründe, warum die Fed die Zinsen nicht anheben sollte. PGIM ist der Ansicht, dass der Futures‑Markt die Wahrscheinlichkeit einer geldpolitischen Straffung unterschätzt.
Dynamik der Markterwartungen für den Fed‑Leitzins

Das wahrscheinlichste Szenario bleibt jedoch eine unveränderte Zinspolitik. Dieses Vorgehen würde zur datenabhängigen Haltung der Fed passen: Die jüngsten Arbeitsmarktzahlen waren enttäuschend, und die Inflation hat sich verlangsamt. JP Morgan rechnet genau mit dieser Pause, warnt jedoch, dass die Entscheidung umstritten sein dürfte. Mindestens zwei Falken, Beth Hammack und Lori Logan, könnten sich dagegenstellen. Neue Prognosen wird es nicht geben, sodass sich die Anleger mit den Signalen aus der Pressekonferenz zufriedengeben müssen.
Wie üblich deutete Donald Trump an, was er sich von seinem Protegé erhofft. Seinen Worten nach würde Kevin Warsh gern „das Richtige tun“, doch dafür brauche der Fed Chair einen Konsens im Ausschuss. Die Anspielung ist mehr als deutlich.
Dynamik der spekulativen Positionen auf den US-Dollar

Nach Einschätzung von TD Securities wird der US‑Dollar deutlich an Wert verlieren, falls die Fed die Zinsen unverändert lässt und die Zahl der abweichenden Stimmen 2 nicht übersteigt. Die Logik dahinter ist einfach: Spekulanten halten seit 2015 rekordhohe Netto-Long-Positionen im Greenback, und das Auflösen dieser Positionen könnte eine Aufwärtsbewegung im EUR/USD befeuern.
Unterdessen rücken geopolitische Spannungen wieder stärker in den Vordergrund. Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hat sich als fragil erwiesen. Die Islamic Revolutionary Guard Corps waren die ersten, die US‑Streitkräfte im Nahen Osten angriffen und mehrere ballistische Raketen auf sie abfeuerten – glücklicherweise wurden die Geschosse abgefangen. Als Reaktion darauf griffen Washington und Riad von Iran unterstützte Milizen im Irak an und beendeten damit eine mehrtägige Kampfpause. Der Ölmarkt reagierte mit steigenden Preisen: Brent kletterte über 90 US‑Dollar je Barrel, was die Wahrscheinlichkeit einer Straffung der Geldpolitik durch die Fed im Juli von 32 % auf 36 % erhöhte und die Bären im EUR/USD unterstützte.

Es entsteht ein geschlossener Kreislauf: Die Geldpolitik zieht das Währungspaar in die eine Richtung, während die Geopolitik in die andere Richtung wirkt. Solange diese Kräfte in etwa im Gleichgewicht sind, ist EUR/USD zu einer nervösen Seitwärtskonsolidierung verdammt, während der Markt auf mehr Klarheit wartet.
Aus technischer Sicht konsolidiert EUR/USD im Tageschart weiterhin in der Spanne von 1,1365–1,1405. Erst ein Ausbruch aus dieser Spanne wird dem Paar ermöglichen, die Richtung seiner weiteren Bewegung festzulegen. Es ergibt Sinn, ausstehende Kauforders an der oberen Grenze und Verkaufsorders an der unteren Grenze zu platzieren.