
Das Währungspaar EUR/USD befindet sich seit dem 17. April in einem lokalen bärischen Impuls, während die Kursbewegungen in den vergangenen vier Wochen nur gering ausfielen. Erst in den letzten ein, zwei Tagen zeigte der Markt deutlich mehr Aktivität, maßgeblich ausgelöst durch die Fed-Sitzung. Zur Erinnerung: Am Mittwochabend wies Kevin Warsh erneut auf das Problem der erhöhten Inflation in den USA hin, konnte jedoch hinsichtlich der nächsten Schritte der Zentralbank nicht wirklich überzeugen. Die Marktteilnehmer hatten erwartet, dass Warsh, wenn schon keine klare Zusage für eine Zinserhöhung im September, dann zumindest deutlich „hawkishere“ Signale liefern würde, die die Frage klar beantworten: Ist die Federal Reserve bereit, ihre Geldpolitik im Herbst zu straffen? Stattdessen verwies Warsh auf die anstehenden Wirtschaftsdaten, und wie wir wissen, fielen die neuesten Arbeitsmarktdaten in den USA eher schwach aus. In der Folge könnte Warsh im September schlicht argumentieren, dass die Lage am Arbeitsmarkt eine Zinserhöhung durch die Federal Reserve nicht zulasse. Entsprechend erhielten die Bullen unerwartete Unterstützung, schlossen eine weitere Liquiditätsabholung ab und sollten nun mit der Aufwärtsbewegung beginnen, die ich persönlich seit einem Monat erwarte. Sollte der Euro bis zum Ende der heutigen Sitzung keinen deutlichen Rückgang verzeichnen, entsteht ein neues bullisches Ungleichgewicht. Ein bullisches Ungleichgewicht ist bereits ein Signal für eine mögliche Aufwärtsbewegung – allemal besser, als überhaupt kein Signal zu haben.
Man sollte sich vor Augen halten, dass die Erwartungen einer geldpolitischen Straffung durch die Federal Reserve bislang nicht mehr als Markterwartungen sind. Die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten fielen relativ schwach aus, während der Inflationsbericht eine Verlangsamung des Preisauftriebs zeigte. Damit werfen die nachlassende Beschäftigungsdynamik und die rückläufige Inflation Zweifel daran auf, dass das FOMC in absehbarer Zeit die Zinsen anheben wird. Ich persönlich bezweifle, dass die Federal Reserve ihre Politik in diesem Jahr zwingend straffen wird, und selbst falls doch, dürfte es sich meiner Ansicht nach eher um einen einmaligen Schritt handeln, der vor allem dazu dienen würde, Donald Trump nicht allzu stark zu provozieren.
Die Geopolitik bleibt ein Faktor zweiter Ordnung. Teheran und Washington sind aus der Vereinbarung vom 17. Juni ausgestiegen, doch diese Entwicklung kam für die Marktteilnehmer nicht überraschend. Donald Trump setzte die Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft und stellte die Blockade der iranischen Schifffahrt erneut her, während der Iran abermals die Straße von Hormus schloss und Schiffe angreift, die seiner Auffassung nach unbefugt durchfahren. Bereits vor einem Monat sahen wir nach der Entspannung der geopolitischen Lage keinen erwarteten Rückgang des US-Dollars, ebenso wenig legte der Euro nach der Straffung der Geldpolitik durch die EZB vor rund sechs Wochen nachhaltig zu. Die Bären behalten trotz des fundamentalen und geopolitischen Umfelds die Oberhand. Derzeit enttäuschen die geopolitischen Entwicklungen die Euro-Bullen weiterhin und liefern den Bären formale Argumente für neuen Verkaufsdruck. Meiner Einschätzung nach reichen die angespannten Beziehungen zwischen Iran und den Vereinigten Staaten allein jedoch längst nicht mehr aus, um eine neue größere bärische Offensive zu rechtfertigen.
Das aktuelle technische Bild verweist weiterhin auf den bärischen Impuls, der am 17. April begonnen hat. Bearish Imbalance 17 wurde bislang nicht getestet, während Imbalance 18 nach den schwachen US-Arbeitsmarktdaten aufgehoben wurde. Heute könnte sich ein neues bullisches Ungleichgewicht bilden, das zusammen mit den zwei jüngsten Buy-Side-Liquiditätsabholungen als Ausgangspunkt für eine neue bullische Aufwärtsbewegung dienen könnte. Meiner Ansicht nach hat der Markt die Möglichkeit einer Straffung durch die Federal Reserve bereits eingepreist, während er die zunehmend „hawkische“ Haltung der EZB weiterhin weitgehend ignoriert.
Der Wirtschaftskalender am Donnerstag war voll mit wichtigen Veröffentlichungen. Auch wenn der Fokus klar auf der Federal Reserve lag, ist festzuhalten, dass das BIP Deutschlands für das zweite Quartal die Erwartungen übertroffen hat – ebenso wie das BIP der Eurozone für das zweite Quartal. Darüber hinaus beschleunigte sich die jährliche Inflationsrate in Deutschland von 2,3 % auf 2,8 %, statt wie erwartet auf 2,7 %. Damit zog die Inflation im Juli erneut an und liefert Argumente für eine weitere geldpolitische Straffung der EZB im September. Die Konjunkturdaten sprachen für den Euro, die Inflation sprach für den Euro, und die Fed-Sitzung wirkte sich letztlich gegen den US-Dollar aus.
Die Bullen haben nach wie vor zahlreiche Gründe, im Jahr 2026 eine nachhaltige Aufwärtsbewegung zu starten, und der Konflikt im Nahen Osten hat diese Argumente kaum geschmälert. Strukturell und fundamental haben sich Trumps politische Leitlinien – die im vergangenen Jahr zu einem deutlichen Rückgang des US-Dollars führten – nicht verändert. Derzeit erkenne ich trotz der „hawkischen“ Ausrichtung des FOMC nur wenige substanzielle Stützungsfaktoren für die US-Währung. Nichtsdestotrotz bleiben die Bären in der Offensive, während klar erkennbare bullische Signale aus technischer Sicht weiterhin fehlen.
Wirtschaftskalender: Vereinigte Staaten und Eurozone
- Deutschland: Arbeitslosenquote (07:55 UTC)
- Eurozone: Verbraucherpreisindex (09:00 UTC)
31. Juli: Der Wirtschaftskalender umfasst zwei Veröffentlichungen, wobei der Inflationsbericht der Eurozone das zentrale Ereignis darstellt. Daher könnten die makroökonomischen Daten am Freitag die Marktstimmung beeinflussen.
EUR/USD-Prognose und Handelsempfehlungen
Aus meiner Sicht befindet sich das Paar weiterhin in der Phase der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Obwohl sich das fundamentale Umfeld vor fünf Monaten deutlich zugunsten der Bären verschoben hat, kann der übergeordnete Trend noch nicht als aufgehoben oder abgeschlossen gelten. Entsprechend ist es gut möglich, dass die Bullen nach den zwei jüngsten Liquiditätsabholungen unter klar definierten Tiefs einen erneuten Aufwärtsimpuls starten. Allerdings wäre es zum jetzigen Zeitpunkt unpraktisch, riskant und technisch nicht gerechtfertigt, Long-Positionen zu eröffnen. Jede Annahme ohne technische Bestätigung bleibt letztlich bloße Spekulation. Derzeit zeigen sich auf dem Chart keine bullischen Formationen. Erst der heutige Tagesschluss könnte ein neues bullisches Ungleichgewicht hervorbringen. Sollte dies eintreten, hätten Trader eine klar definierte Zone, von der aus Long-Positionen in Betracht gezogen werden können. Der Euro verfügt nach wie vor über zahlreiche Aufwärtsziele, während den Bären aktuell im Wesentlichen nur Bearish Imbalance 17 zur Verfügung steht.