Nichts währt ewig unter dem Mond. Noch vor Kurzem schien der Dollar unbesiegbar: Der Markt war überzeugt, dass die Federal Reserve die Zinsen bald anheben würde, und die anderen Währungen mussten seiner Hegemonie aus der Ferne zusehen. Doch die US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag haben alle Karten neu gemischt, und unerwartet rückte der Euro in den Mittelpunkt – zuvor still und scheinbar mit seiner Rolle als ewiger Nachzügler abgefunden.
Dynamik der spekulativen Positionen auf den US-Dollar

Der Bloomberg Spot Dollar Index verlor 0,4 % und schloss die Woche auf dem niedrigsten Stand seit Mai. Der Grund ist einfach: Die Zahl der neu geschaffenen Stellen in den USA ging unerwartet um 23.000 zurück, und die Werte für Mai und Juni wurden deutlich nach unten revidiert. Die Arbeitslosenquote fiel zwar auf 4,1 %, doch die Erwerbsbeteiligung geht weiter zurück – das Gesamtbild spricht eher für eine Abkühlung als für eine Überhitzung der Konjunktur. Händler reduzierten ihren „bullischen“ Dollar‑Bestand laut CFTC‑Daten um fast ein Viertel auf 37 Milliarden US‑Dollar, und den Swaps zufolge sank die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September innerhalb nur einer Woche von 60 % auf 40 %.
Es wäre jedoch naiv, dies ausschließlich als Erfolg des Euro zu werten. Tatsächlich befand sich die Gemeinschaftswährung einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort – dort, wo sich der Dollar aus eigener Schwäche heraus abwertet, ganz ohne ihr Zutun. Gleichzeitig zeigt sich die Wirtschaft der Eurozone überraschend robust: Laut einer Bloomberg‑Umfrage unter Analysten wird das Wachstum in den 21 Ländern des Währungsraums für 2026 inzwischen auf 0,8 % geschätzt, nach 0,5 % in der Juli‑Prognose. Das BIP stieg im zweiten Quartal um 0,4 % – doppelt so stark wie erwartet – trotz der militärischen Turbulenzen rund um den Iran, die eigentlich die wirtschaftliche Aktivität im Block hätten belasten müssen.
Prognosen für die Wirtschaft der Eurozone

Dennoch ist es noch zu früh, von einer vollständigen Trendwende zu sprechen. Fed-Chef Kevin Warsh vermeidet ganz bewusst, dem Markt eindeutige Signale zu geben, und jede neue Konjunkturzahl wird für Händler zu einem eigenen Ereignis: Bis zur Septembersitzung werden noch ein weiterer Arbeitsmarktbericht und zwei Inflationsberichte veröffentlicht. Tatsächlich werden es eher diese Daten sein als die aktuelle Schwäche des Dollars, die darüber entscheiden, ob der Euro seine Spitzenposition behauptet oder seinem deutlich stärkeren Rivalen von der anderen Seite des Atlantiks wieder die gewohnten Positionen überlässt.
Der Zinsunterschied spricht derzeit nicht für die Gemeinschaftswährung, und die geopolitische Risikoprämie rund um die Straße von Hormus ist ebenfalls unverändert vorhanden. Unterdessen setzt der US-Präsident weiterhin auf wirtschaftlichen Druck statt auf militärische Schläge, in der Hoffnung, dass Teheran schlicht das zusätzliche Geld ausgeht – eine Rhetorik, der der Markt offenbar immer weniger Vertrauen schenkt.

Wird der Euro seine hart erkämpften Positionen bis September halten können, oder handelt es sich nur um eine vorübergehende Atempause vor einer neuen Runde der Dollar-Hegemonie? Ich bezweifle, dass sich die Antwort darauf finden lässt, bevor die Fed endgültig das Wort ergreift.
Aus technischer Sicht notiert das Währungspaar EUR/USD im Tageschart derzeit über der Obergrenze der Fair-Value-Spanne von 1,136–1,1525, und die Marktstimmung bleibt bullisch. Es ergibt Sinn, den Schwerpunkt weiterhin auf Long-Positionen zu legen.