Fische suchen tiefere Gewässer, und Anleger streben nach höheren Renditen. Die europäischen Märkte im Jahr 2026 bestätigen diese Wahrheit besser als jedes Lehrbuch. EUR/USD ist auf ein 7‑Wochen‑Hoch gestiegen und hat sich über 1,15 US‑Dollar eingependelt. Laut MUFG Bank wird das Währungspaar bis zur Mitte des nächsten Jahres 1,20 erreichen – Notenbank- und Reserveverwalter weltweit diversifizieren ihre Bestände, und der Euro wird in den kommenden 12–24 Monaten zur Währung Nummer eins in Bezug auf das Wachstumstempo seines Anteils in Portfolios.
Dynamik der Revisionen der Gewinnprognosen für Unternehmen im EuroStoxx 600

Der Stoxx Europe 600 Index hat seit Jahresbeginn rund 12 % zugelegt; die Leitindizes in Deutschland, Italien und Frankreich stürmen zu Rekordhöhen; und Bundesanleihen übertreffen US-Treasuries beim Renditeanstieg. Die Unternehmen im MSCI Europe verzeichneten im zweiten Quartal einen Gewinnanstieg von 17 % – den stärksten Sprung seit Ende 2022, so Bloomberg Intelligence. BlackRock zufolge werden Anleger von der Ertragsstabilität angezogen, und das KI-Thema in Europa erscheint als weniger riskante Wette als stark konzentrierte Positionen in Asien und den USA.
Doch es sind nicht nur die Gewinnzahlen, die Kapital in die EU lenken. Nach Angaben von Goldman Sachs verbuchten europäische Aktien – mit Ausnahme von 2021 – die höchsten Zuflüsse seit einem Jahrzehnt, und ausländische Investoren waren für nahezu den gesamten Mittelzufluss verantwortlich. Daten von Morningstar zeigen, dass die Nettozuflüsse in ETFs für Staatsanleihen des Euroraums im Juli 1,45 Mrd. € erreichten – mehr als doppelt so viel wie die 655 Mio. €, die in vergleichbare, auf US-Dollar lautende Produkte flossen. Auch Japan stimmt mit seinem Kapital ab: Zahlungsbilanzdaten zeigen, dass japanische Investoren französische Staatsanleihen kauften, während sie US-Treasuries und australische Anleihen abstoßen.
Zugleich wächst die Eurozone weiterhin langsamer als die US-Wirtschaft: 0,8 % und 1,2 % BIP-Wachstum in den Jahren 2026 und 2027 gegenüber 2,2 % und 2,1 % in den USA. Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen bereits um einen Viertelprozentpunkt angehoben, und laut Commerzbank ist ihr künftiger Kurs leichter abzulesen als der der Fed, deren Kommunikation sich derzeit sichtbar wandelt. Der Abstand zwischen 30-jährigen US-Treasuries und Bundesanleihen hat ein Einjahreshoch erreicht – das Vertrauen in den fiskalischen Kurs der USA schwindet.
Unterdessen steht der Euro nicht allein ohne externe Unterstützung da. Der Ölpreis gab nach, nachdem Signale aus Pakistan auf ein bevorstehendes Abkommen zwischen den USA und dem Iran hindeuteten: Brent fiel von einem Tageshoch von 90 US-Dollar auf 88 US-Dollar zurück, nachdem Vermittler berichteten, die Parteien stünden kurz vor einer Einigung. Dennoch bleiben die Schlagzeilen volatil – neue, radikalere Forderungen von Trump gegenüber Teheran haben die Aussichten auf ein Abkommen erneut eingetrübt.

Was wird letztlich über das Schicksal der Rallye entscheiden – die Berichtssaison, die Zinsdifferenzen oder die Geopolitik? In diesem Sommer wird die Antwort nicht aus Brüssel oder Washington kommen, sondern aus den US-Inflationsdaten für Juli.
Aus technischer Sicht bildet EUR/USD im Tageschart ein Wolfe-Wave-Muster aus. Dessen Ziel deutet darauf hin, dass der Euro mittelfristig über 1,2000 steigen könnte. Solange das Währungspaar über 1,1525 notiert, sollte der Schwerpunkt weiterhin auf Käufen liegen.