
Die Wellenanalyse des 4‑Stunden‑Charts für das EUR/USD‑Instrument wird zunehmend komplexer. Vom Abbruch des seit Januar letzten Jahres laufenden Aufwärtstrends (unteres Bild) kann nach wie vor keine Rede sein. Allerdings hat die Wellenstruktur dieses Trends einen korrektiven Charakter angenommen. Langfristig ist mit der Ausbildung einer Welle C zu rechnen, deren Tief unter dem Tief von Welle A liegen sollte. Derzeit befindet sich das Tief von Welle C bereits unter dem Tief von Welle A, was bedeutet, dass Welle C jederzeit abgeschlossen sein oder sogar schon beendet sein könnte. Bei einem günstigen Nachrichtenumfeld für den Dollar kann sich diese Welle jedoch noch weiter ausdehnen.
In der kleineren Zeitebene ist eine klassische fünfteilige Abwärtsstruktur zu erkennen. Wenn diese Annahme zutrifft, befinden wir uns aktuell im Aufbau von Welle 4, während Welle 3 selbst eine Fünf‑Wellen‑Struktur ausgebildet hat. Nach Abschluss dieses Aufbaus kann das Instrument in eine aufwärtsgerichtete Wellenfolge übergehen. Nach der derzeitigen Wellenanalyse hat die Bildung von Welle 5 allerdings noch nicht begonnen. Folglich kann die europäische Währung weiterhin in den Bereich der 1,13er‑Marke oder sogar darunter fallen.
Der Markt verabschiedet sich von „hawkishen“ Erwartungen
Der EUR/USD‑Wechselkurs blieb am Donnerstag unverändert. Der Markt reagierte überhaupt nicht auf die neuesten Konjunkturdaten aus der Eurozone und den USA. Sollten wir uns daher auf diese Daten konzentrieren und sie im Detail analysieren? Meiner Ansicht nach nicht. Analysiert werden sollten vor allem jene Ereignisse, die für die Marktteilnehmer aktuell eine Rolle spielen. Was lässt sich solchen Ereignissen zuordnen? Im Grunde nur die Perspektiven der Geldpolitik der Federal Reserve. Allerdings ist zu diesem Thema bereits fast alles gesagt worden. Nach dem enttäuschenden Payrolls‑Bericht der vergangenen Woche ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed im September auch in dieser Woche weiter zurückgegangen. Laut CME FedWatch‑Tool liegt die Wahrscheinlichkeit einer Straffung der Fed‑Politik im September inzwischen bei 33 %. Diese Kennzahl ist in den letzten zwei Wochen von 70 % gefallen. Das bedeutet, dass der Markt seine eigenen „hawkishen“ Erwartungen an die kommende FOMC‑Sitzung aufgegeben hat.
Nun ein Blick auf die längere Perspektive. Wenn der Markt seine Erwartungen für den September unter dem Druck der Konjunkturdaten geändert hat, was sollte ihn daran hindern, später auch die Erwartungen für die Sitzungen im Oktober oder Dezember anzupassen? Aktuell preist der Terminmarkt mit einer Wahrscheinlichkeit von 68 % mindestens eine Straffungsrunde bis zum Jahresende ein. Unter dem Einfluss derselben Konjunkturdaten könnten jedoch auch diese „hawkishen“ Erwartungen verschwinden. Wenn sich der US‑Arbeitsmarkt bereits vier Monate in Folge abkühlt, was sollte ihn davon abhalten, sich weiter zu „abkühlen“? Im vergangenen Jahr musste die Fed die Zinsen dreimal senken, um den Arbeitsmarkt zu stützen. In diesem Jahr besteht diese Möglichkeit, die Zinsen zu „senken“, nicht, da die Inflation weiterhin über dem Zielwert liegt und im August wahrscheinlich erneut anziehen dürfte. Folglich ist es sehr wahrscheinlich, dass Kevin Warsh und sein Team auch auf den verbleibenden Sitzungen bis zum Jahresende die geldpolitischen Parameter unverändert lassen werden – vorausgesetzt, die Lage im Krieg im Nahen Osten und in der Straße von Hormus verbessert sich nicht deutlich.
Allgemeine Schlussfolgerungen
Auf Basis der Analyse von EUR/USD komme ich zu dem Schluss, dass sich das Instrument weiterhin in einem Aufwärtstrendabschnitt (unteres Bild) befindet, während es kurzfristig in einem Abwärtstrendabschnitt verläuft. Meiner Meinung nach ist es derzeit ein guter Zeitpunkt, um den Aufbau von Long‑Positionen zu erwägen. Allerdings kann das Instrument im Rahmen der Welle 5 in C noch bis in den Bereich der 1,13er‑Marke sinken. Die Wellenanalyse hält häufig Überraschungen bereit, daher würde ich meinen Fokus allmählich auf Käufe verlagern.
In der größeren Perspektive ist ein Aufwärtstrendabschnitt zu erkennen, an dessen Ende der Aufbau einer korrektiven Wellenstruktur begonnen hat. In naher Zukunft ist mit der Ausbildung der Welle C mit Zielen im Bereich der Marke von 1,1352 zu rechnen, was dem 38,2‑%‑Fibonacci‑Niveau entspricht. Nach Abschluss der A‑B‑C‑Struktur kann ein neuer langfristiger Aufwärtstrend beginnen.
Wesentliche Grundsätze meiner Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und nachvollziehbar sein. Komplexe Strukturen sind schwer zu handeln und ändern sich häufig.
- Wenn keine Klarheit darüber besteht, was am Markt geschieht, ist es besser, nicht einzusteigen.
- Es gibt niemals 100%ige Sicherheit hinsichtlich der Bewegungsrichtung. Vergessen Sie nicht Schutzaufträge wie Stop‑Loss.
- Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombinieren.
