
Das Währungspaar EUR/USD steigt weiter an, nachdem zwei Liquiditätssweeps erfolgt sind, die im Chart durch rote Linien markiert sind. Imbalance 17 hat den Vormarsch der Bullen lange Zeit gebremst und kann technisch gesehen immer noch nicht als ungültig betrachtet werden, da seine Basis bei 1,1620 noch nicht durchbrochen wurde. Allerdings ist meiner Meinung nach inzwischen allen Tradern klar, dass dieses Pattern nicht mehr handelbar ist und ignoriert werden kann. Gestern wurde ein neues Pattern ausgebildet – die „bullische“ Imbalance 20, die nun die Schlüsselrolle spielt. Dieses Pattern kann entweder ein neues Kaufsignal liefern oder ungültig werden. Im ersten Fall setzt sich der bullische Vorstoß fort, im zweiten werden die Bären versuchen, die Kontrolle über den Markt zurückzuerobern.
Aus meiner Sicht unterstützt der fundamentale Hintergrund weiterhin voll und ganz die Bullen. Erstens ist auf jedem Chart deutlich zu sehen, dass der Euro deutlich unter seinem Durchschnittsniveau der vergangenen zwölf Monate notiert. Zweitens rechnet der Markt nicht mehr damit, dass das FOMC im September die Geldpolitik weiter straffen wird. Drittens hat der Markt begonnen zu bezweifeln, ob Kevin Warsh in der Lage ist, alles Notwendige zu tun, um die Inflation wieder auf das Zielniveau zurückzubringen. Viertens haben die jüngsten US-Konjunkturdaten enttäuscht. Fünftens liefern die geopolitischen Entwicklungen den Bären bzw. dem Dollar keine Unterstützung mehr. Sechstens könnte die EZB im Herbst ihre Geldpolitik erneut straffen. Daher sehe ich keinen Anlass für einen bearishen Vorstoß.
Wie ich in den letzten Wochen gewarnt habe, wäre ein weiteres schwaches Ergebnis am Arbeitsmarkt ein ausreichend triftiger Grund für die Fed, auf eine Zinserhöhung zu verzichten. Natürlich lässt sich das nicht mit absoluter Sicherheit sagen, da vor der FOMC-Sitzung im September noch je ein weiterer Inflations- und Arbeitsmarktbericht veröffentlicht wird. Dennoch bin ich fast sicher, dass die Fed im September einen abwartenden Kurs einschlagen wird. Fast alle Trader verabschieden sich inzwischen von ihren hawkishen Erwartungen für September.
Ich erinnere daran, dass die Erwartungen in Bezug auf die Geldpolitik der Fed immer nur Erwartungen sind und sich infolge geopolitischer Entwicklungen oder neuer Konjunkturdaten ändern können. Die jüngsten Daten vom US-Arbeitsmarkt fielen schwach aus, die Inflation hat sich verlangsamt und das BIP-Wachstum an Dynamik verloren. Diese drei Faktoren wecken Zweifel an einer FOMC-Zinserhöhung nicht nur im September, sondern auch auf absehbare Zeit. Sollte die Straße von Hormus in naher Zukunft wieder geöffnet werden, würde dies lediglich den energieseitigen Druck verringern und der Inflation ermöglichen, weiter zurückzugehen, was die Aussichten der Bären zusätzlich schwächt. Meiner Meinung nach liegt die einzige Chance der Bären derzeit in einer neuen Eskalation und einer länger anhaltenden Blockade der Straße von Hormus.
Die aktuelle Chartstruktur deutet auf den sehr wahrscheinlichen Beginn eines bullischen Impulses hin. Die „bearishe“ Imbalance 17 ist mitigiert worden, die Reaktion darauf war schwach, und das Pattern kann nun als ungültig angesehen werden. Die „bullische“ Imbalance 19 ist noch nicht mitigiert. Eine neue „bullische“ Imbalance 20 hat sich gebildet und könnte den Tradern schon heute oder morgen ein Kaufsignal liefern. Somit haben die Bullen derzeit deutlich stärkere Positionen und Perspektiven als die Bären.
Der konjunkturelle Hintergrund am Dienstag ermöglichte dem Euro eine Fortsetzung seines Anstiegs, doch die im Tagesverlauf veröffentlichten Konjunkturdaten waren nicht besonders wichtig. Der Markt reagierte weder auf die Indizes der Konjunkturerwartungen für Deutschland und die Europäische Union noch erachtete er die US-Daten zum Wohnungsbau als handelnswert. Meiner Ansicht nach sind Trader derzeit bereit, nur auf wirklich wichtige Daten zu reagieren, und solche Veröffentlichungen gab es heute nicht.
Für einen Angriff der Bullen im Jahr 2026 gibt es weiterhin zahlreiche Gründe, und selbst der Ausbruch des Krieges im Nahen Osten hat ihre Zahl nicht verringert. Strukturell und im großen Bild haben sich Trumps Politiken, die im vergangenen Jahr zu einem deutlichen Rückgang des Dollars geführt haben, nicht geändert. Derzeit sehe ich trotz des formell hawkischen Kurses des FOMC keine nennenswerten Faktoren, die die US-Währung stützen. Die geopolitischen Entwicklungen, die im Großteil der ersten Hälfte des Jahres 2026 die Nachfrage nach der US-Währung getragen haben, können diese Unterstützung nicht mehr leisten. Der Konflikt im Nahen Osten ist zwar ungelöst, aber es hat weder von iranischer noch von US-amerikanischer Seite neue Kampfhandlungen gegeben.
Wirtschaftskalender für die USA und die Europäische Union:
- Europäische Union – Rede von EZB-Präsidentin Christine Lagarde (07:10 UTC).
- Europäische Union – Verbraucherpreisindex (09:00 UTC).
- USA – Protokoll der FOMC-Sitzung (18:00 UTC).
Der Wirtschaftskalender für den 19. August umfasst drei Ereignisse, aber keines davon kann ich als wichtig einstufen. Der Einfluss des konjunkturellen Umfelds auf die Marktstimmung dürfte am Mittwoch eher gering sein.
EUR/USD-Prognose und Trading-Tipps:
Meiner Ansicht nach befindet sich das Paar weiterhin in der Ausbildung eines bullischen Trends. Der fundamentale Hintergrund hat sich vor sechs Monaten zwar deutlich zugunsten der Bären verschoben, aber der Trend kann weder als ungültig noch als abgeschlossen gelten. Daher können die Bullen ihre Aufwärtsbewegung nach zwei Liquiditätssweeps klar definierter Tiefs durchaus fortsetzen. Die Bullen verfügen derzeit mit der Imbalance 20 über eine Unterstützung. In naher Zukunft kann sich ein neues Kaufsignal ausbilden. Als Ziele für einen neuen Vorstoß des Euro sehe ich die Hochs vom 29. Mai und 6. Mai bei 1,1686 bzw. 1,1797.